Konzept statt Flickschusterei

Sanierungsbedarf der städtischen Liegenschaften liegt bei über acht Millionen Euro

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Vor allem die über 40 Jahre alten Hallen des Bauhofs in der Kemptener Straße sind energetisch in einem schlechten Zustand.

Füssen – Die Tourist-Information am Kaiser-Max-Platz ist eines der Wahrzeichen der Stadt. Jährlich betreten tausende Touristen das imposante Gebäude, um sich dort zu informieren.

Doch so mächtig und solide das Gebäude von außen auch wirkt – im Inneren besteht Sanierungsbedarf. Das gilt allerdings für nahezu jede städtische Liegenschaft, wie die beiden Architekten Andreas Harbich und Alexander Beck vergangene Woche im Stadtrat deutlich machten. Die Gesamtsanierungskosten schätzen die beiden auf rund 8,3 Millionen Euro. „Das sind die absolut notwendigen Kosten“, so Bürgermeister Paul Iacob (SPD). 

Um endlich einmal einen Gesamtüberblick über den Zustand der öffentlichen und nichtöffentlichen Liegenschaften der Stadt zu bekommen, hatten Verwaltung und Stadtrat die beiden Füssener Architekten Harbich und Becker bereits vor geraumer Zeit mit einer Bestandsaufnahme der Gebäude beauftragt. Dabei gehe es allerdings nicht um „eine Luxussanierung mit goldenen Wasserhähnen“, sondern um das, was unbedingt notwendig sei, betonte Bürgermeister Iacob gegenüber den Ratsmitgliedern. „Es wurde in der Vergangenheit nie ein vernünftiges Konzept für die Sanierung der Liegenschaften gemacht“, sagte er. Stattdessen seien lediglich sporadisch bei Bedarf hier und da mal ein Fenster ausgetauscht worden. „Wir wollen mit dieser Flickschusterei nicht weitermachen, denn so gehen die Liegenschaften zugrunde.“ 

Um das zu verhindern, sollen sich nun zunächst die Fraktionen über das in der Sitzung Gehörte beraten. „Wir werden uns in den kommenden Wochen über das weitere Vorgehen Gedanken machen“, kündigte Iacob an. Dabei werden voraussichtlich wohl vor allem die Sanierungskosten in Höhe von voraussichtlich 8,3 Millionen Euro im Vordergrund der Überlegungen stehen. Mit 3,8 Millionen Euro macht die Modernisierung der öffentlichen Gebäude wie Kindergärten, die Markthalle oder eben Füssen Tourismus und Marketing (FTM) fast die Hälfte der Gesamtkosten aus. 

Allein 1,1 Millionen Euro wird nach Einschätzung der beiden Fachleute die Sanierung der maroden Freybergvilla verschlingen. „Wir sprechen hier von einem entkernten Rohbau“, hieß es dazu in der Sitzung (der Kreisbote berichtete). 

Auf knapp 800.000 Euro schätzen sie dagegen die Kosten für eine Modernisierung des 1972 gebauten Bauhofs. Hier sei es vor allem das energetische Konzept, das dringend überarbeitet werden müsse. „Wir haben große energetische Mängel“, so Alexander Beck. „Damals hat das Heizöl noch nichts gekostet.“ Vor allem die Hülle des Werkstatt-Gebäudes mit Lagerräumen und Schreinerei müsse dringend energetisch modernisiert werden. Gleiches gelte für die Fahrzeug-Halle. Das Dach auf der Südseite müsse dagegen beim Salz- und Splitlager erneuert werden. Darüber hinaus müssten teilweise die Sanitäranlagen, die Fenster und die Beleuchtungen ausgetauscht werden. 

Fast 400.000 Euro wird die Stadt nach Einschätzung der Architekten für die Sanierung des Alten Landratsamtes in der Augsburger Straße investieren müssen. Dort müssten vor allem Dach und Fassade gemacht werden. Auch die Dämmung müsse teilweise neu gemacht werden sowie der Dachboden.

Neue Fenster für FTM

Etwas niedrigere Kosten haben Harbich und Beck für die Sanierung des um 1850 herum gebauten FTM-Gebäudes am Kaiser-Max-Platz ausgemacht. Hier schätzen sie die Ausgaben auf knapp 300.000 Euro. Dort stehen der Austausch der Fenster, die Sanierung der Fassade, des Dachs, der Bodenbeläge und des Treppenhauses auf der Agenda. Fenster und Dach sollten auch bei der FTM-Außenstelle in Weißensee modernisiert werden. Die dafür von den Architekten veranschlagten Kosten liegen bei rund 215.000 Euro. 

Nichts gemacht werden müsse dagegen an der erst 2009 gebauten Tourist-Information in Hopfen am See. Morsches Dach Weitere 300.000 Euro an Ausgaben sehen die Fachleute bei der Turnhalle Weißensee auf die Stadt zukommen. „Die ist von außen erst mal in gutem Zustand, doch der Schein trügt.“ So seien unter anderem Dach und Konstruktion morsch, der Innenbereich undicht und die Dämmung von Mardern fast gänzlich zerfressen. „Da muss etwas gemacht werden!“ 

Das gilt auch für die 1935 gebaute Weidach-Turnhalle. „Die Turnhalle wird sehr stark genutzt, deshalb sehen wir Handlungsbedarf“, erklärten die Architekten. Gemacht werden müssten unter anderem Fassade und sanitäre Anlagen sowie die Beleuchtung in der Halle. Kosten: Knapp 175.000 Euro. Um die 150.000 Euro muss die Stadtverwaltung wohl in die Sanierung der denkmalgeschützten Markthalle (Baujahr 1483) stecken. Hier müsste vor allem der Brandschutz den heutigen Anforderungen angepasst werden. Außerdem müssten die Fenster ausgetauscht werden. 

Kleinere Maßnahmen sind dagegen im Kindergarten Hopfen (rund 80.000 Euro), Feuerwehrhaus Hopfen (etwa 13.000 Euro) und Schiffshallen im Bootshafen (ca. 10.000 Euro) nötig. Der Sanierungsbedarf der nichtöffentlichen – sprich vermieteten Wohnliegenschaften der Stadt wie beispielsweise in der Ziegelwies – wurden aus Datenschutzgründen übrigens im nichtöffentlichen Teil der Sitzung behandelt.

mm

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