Mit Walter Sirch wird beim Schneiderhanser die Starkbiersaison eröffnet

Derblecken auf hohem Niveau

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Walter Sirch (rechts) derbleckt beim Schneiderhanser wie gerwohnt jeden von Rang und Namen.

Schwangau – Es ist traditionell der erste Starkbieranstich im Landkreis. Und einer der beliebtesten, zumindest für die Derbleckten. Dazu gab es wie gewohnt beim Schneiderhanser ein süffiges Paulaner Salvator-Starkbier.

Die Liste derer, die dabei sein wollen, wenn Stefan Rinke das erste Fass Freibier anzapft, wird von Jahr zu Jahr länger – und der Platz im Keller beim Schneiderhanser entsprechend weniger. Heuer erstmals dabei war Johann Hensel, neuer Schlossherr auf Neuschwanstein. „Ich bin der Neue. Eigentlich der alte Neue“, stellte er sich den Tischnachbarn vor.

Das Starkbier fließt wieder

 Hatte Landrätin Maria Rita Zinnecker (CSU) die Hoffnung geäußert, dass Stefan Rinke in bewährter Form anzapfen, das Starkbier schmecken und der Salvator nicht unbedingt die Rettung sein möge, so schob sie nach, dass sich Schwangau nicht verstecken müsse hinter Passau oder anderen Aschermittwochs-Veranstaltungen. Zumal Walter Sirch den anderen Rednern in nichts nachstehe. Weshalb sich Zinnecker von ihm auch wünschte, er möge gnädig sein mit dem, was im Landkreis passiere; andernfalls müsse der Salvator mit seinen acht Umdrehungen doch als Rettung oder Erlösung herhalten.

Dass die Schwangauer mit anderen Veranstaltungen mithalten kann, bewies auch die Gästeliste, auf der nicht nur Banker und Behördenleiter standen, sondern auch Landtagsabgeordnete und sogar Bundesvertreter wie Stephan Stracke. Was bei Sirch für durchaus interessante Verwechslungen sorgte, wenn er zwar den Bürgermeister ansprach, damit aber auch den Bundestagsabgeordneten hätte meinen können. 

Bärte verwirren

Zum mittlerweile neunten Mal stand Sirch nun hinter dem Rednerpult, war aber zum ersten Mal verwirrt. Hatten doch so viele Schwangauer sich einen Bart stehen lassen, dass der Gauvorstand schon fast an ein neues Passionsspiel dachte. Dabei war die Manneszier dem diesjährigen Faschingsmotto Wikinger geschuldet, die bekanntermaßen ordentlichen Bewuchs im Gesicht aufweisen konnten. 

Mit Blick auf den Füssener Bürgermeister kam Sirch dann auch die Idee, wenn Paul Iacob in drei Jahren in Pension gehe, könne er doch den derzeit unbesetzten Posten des Hofnarren in Schwangau besetzen. Aber vorher müsse er sich noch etwas überlegen für die Reichenstraße. Diese sei ja nicht nur zu schmal für ein Drachenboot, sondern heuer erwarte man beim Gaufest auch allerhand Festwagen. „Hascht des scho mitkriagt?“, fragte Sirch vorsichtig beim Stadtoberhaupt nach. 

Falsch abgebogen 

Irgendwie oder vielmehr irgendwann müsse er aber falsch abgebogen sein, wurde Sirch ernst. Denn wenn man sich anschaue, wo die Schwangauer Wirte urlaubten, von Neuseeland über Hawaii, Süd- und Mittelamerika bis Kuba, müsse er wohl etwas falsch gemacht haben. Dabei gibt es doch die BMW-Inseln, also dort, wo Bäcker, Metzger und Wirte ihre freie Zeit verbrächten, die Kanaren. 

Dass man sich im Ort aber dem Exotischen zuwende, mit Agenturen für Chinesen und sogar einem „Asia Food Palace“, wo es Leberkäs to go gebe für die Chinesen, hatte Sirch bei seinen Recherchen schon gemerkt. Verlorene Stammgäste, die doch lieber Paulaner statt Schlossbräu trinken wollten, könnten ja vom DaPietro ins Milchhäusl wechseln und der Schoppi diese, zusätzlich zur Reith-Alpe, übernehmen. Dann wüsste man wenigstens, wann offen sei und der Wolfgang (Schopper) könne seine Gäste auch dann bedienen, wenn keine Rindviecher in der Nähe sind. 

Fahrräder für alle

 Dass unter Paul Iacob langsam die Stadträte rar werden – bei den Grünen müsse wohl langsam die sechste Reserve antreten – war eines der Bonmots Sirchs. Kommentiere Iacob ja mittlerweile scheinbar jeden Rücktritt mit „Mir isch jeda reacht“. Dass er dem Alt-Füssener Ruinenverein um die Hobbyarchäologen das Geld streiche, könne er nur zu gut nachvollziehen, so der Marktoberdorfer. Und war erbost ob des Schwangauer Leserbriefschreibers, der Iacob absolute Konzeptlosigkeit vorgeworfen hatte. 

Denn Iacob habe ein Verkehrskonzept – Fahrräder für alle und überall. Dann sei man ein Stück näher wieder an China, denn dort funktioniere es ja auch. Und ein Ferrari-Intenet könne es ja auch nicht geben, denn wenn man für die Glasfaserkabel Gräben aufreiße, bestehe die Gefahr, dass „ma a historisch‘ Scheißhäusle findet“ – zur Freude Magnus Peressons. Dabei bräuchte es doch keinen historischen sondern aktuelle, wie man am Bahnhof sehen könne. Denn die Briefkuvertlösung sei ja wohl nicht ganz so praktikabel. 

Aber im Widerruf müsse es eh heißen, dass die Hälfte der Stadträte keine Deppen seien. Auch die Tote(n) Hose(n) in Füssen sprach Sirch noch an und den Krötentunnel, den eigenverantwortlichen Füssener Polizeichef, den Schwangauer Tesla, der nur in Lermoos aufgetankt werden kann, ehe der Starkbierredner wieder an den Schwangauer Bürgermeister übergab. 

Rinke bekam, wie auch Kollege Iacob, den Schlüssel zu seinem Rathaus zurück. Warum zeitweise die Schlüssel zur Stadt beim Schneiderhanser rumgeisterten, wird wohl auf ewig ein Geheimnis bleiben. Ein offenes ist es aber, dass Iacob lieber den Schlüssel für Schwangau hätte haben wollen.

Oliver Sommer

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