"Das wäre ein Fiasko!"

Forggensee als Wirtschaftsfaktor: Sanierungspläne bereiten Betroffenen Sorgen

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Vor allem die Forggenseeschifffahrt wäre von einer späteren Aufstauung des Sees wirtschaftlich betroffen.

Füssen/Landkreis – In den vergangenen Jahren wirtschaftlich im Aufwind, droht der Forggenseeschifffahrt heuer ein empfindlicher Rückschlag.

Denn sollte der Forggensee im Zuge der angekündigten Dammsanierung diesen Sommer tatsächlich später aufgestaut oder sogar ganz trocken bleiben, hätte das womöglich „dramatische Auswirkungen“, wie Helmut Schauer, Leiter der Füssener Stadtwerke, gegenüber dem Kreisbote sagte. Aber auch für zahlreiche andere Einrichtungen rund um den Touristenmagnet ist eine Nichtaufstauung mit negativen Auswirkungen verbunden.

Üblicherweise beginnen die Forggensee-Rundfahrten der „MS Füssen“ und „MS Allgäu“ jeweils am 1. Juni. So war es auch für dieses Jahr geplant. Doch heuer könnte die geplante Sanierung des Staudamms bei Roßhaupten (siehe eigener Bericht auf dieser Seite) dem städtischen Eigenbetrieb die Bilanz verhageln. Denn eine planmäßige Aufstauung des Touristenmagneten Forggensee gilt schon jetzt als unwahrscheinlich. Die daraus resultierenden wirtschaftlichen Folgen für Schifffahrt, Segelclubs, Bootsverleihe und Fischerei könnten gravierend werden.

Gerade als Leiter der Stadtwerke habe er für notwendige Sanierungsarbeiten wie die am Damm geplanten vollstes Verständnis, erklärte Werkleiter Helmut Schauer im Gespräch mit unserer Zeitung. „Und ohne den Damm gäbe es unsere Schifffahrt ja auch gar nicht.“ Nichts desto trotz hofft er, dass die entscheidende erste Phase der Bauarbeiten planmäßig funktioniert. Denn jeder Tag, den der See nach dem 1. Juni aufgestaut wird, kostet den städtischen Eigenbetrieb Geld in Form von entgangenen Einnahmen. „Schon eine Woche oder zehn Tage sind spürbar“, so Schauer. 

Sonderfahrten fraglich

Besonders bitter: Für den 1. bis 23. Juni sind bereits 28 Reservierungen für die beiden Schiffe eingegangen. Darüber hinaus sind für diesen Zeitraum fünf Sonderfahrten geplant. Diese stehen nun auf der Kippe. „Das tut weh“, so Schauer. Alle Fahrgäste, die bereits eine zugesicherte Reservierung hatten, müssten nun persönlich angeschrieben und informiert werden. 

Dazu kämen bereits gebuchte Hochzeiten und andere Veranstaltungen im Zusammenhang mit der Schifffahrt. „In Absprache mit Füssen Tourismus und Marketing werden wir nach Alternativen suchen“, kündigte er im Hinblick darauf an. „Der Schwanenprinz“ starte dagegen zum Glück erst Ende Juli in die Saison.

Doch was passiert, wenn der See diesen Sommer überhaupt nicht aufgestaut werden kann? „Über so eine lange Zeit gibt es Probleme“, betont Schauer. „Im aller schlimmsten Fall fehlen uns dann eine Million Euro.“ Dieses Minus müsste dann durch die Stadt Füssen, also durch den Steuerzahler, ausgeglichen werden. Derzeit spiele man aber zunächst einmal die unterschiedlichen Szenarien durch.

 Er persönlich sei aber zuversichtlich, dass die Arbeiten am Damm und somit auch die Aufstauung planmäßig vonstatten gehen werde. Dennoch sollten Gespräche mit den Bürgermeistern der Anrainergemeinden und dem Landratsamt geführt werden für den Fall, dass der See tatsächlich ohne Wasser bleibt.

Sorgen bei Fischern

Gedanken angesichts der neuen Situation macht man sich auch in Füssen am Kaiser-Max-Platz: „Wir begrüßen natürlich jegliche Maßnahme, die die Sicherheit der baulichen Anlage des Forggenseedamms steigert“, sagte Füssens Tourismuschef Stefan Fredlmeier auf Anfrage. „Gleichwohl wird sicher mit nachteiligen Wirkungen auf den Tourismus zu rechnen sein: durch die eventuelle Verzögerung der Befahrbarkeit seitens der Schifffahrt mit allen Folgewirkungen, zum Beispiel eventuell auch für den Schwanenprinz, eingeschränkte Umrundungsmöglichkeiten des Forggensees für Fahrzeuge, eventuell auch für Radler, möglicherweise auch ein nochmals verstärkter Verkehrsdruck auf Füssen.“ Die Sanierung sei allerdings alternativlos. „Wir alle sind also angehalten, unsere Gäste und Reiseveranstalter stets frühzeitig zu informieren, damit sich diese auf die jeweils aktuellen Gegebenheiten einstellen können.“ 

Dass es zum Schlimmsten kommt, glaubt Georg Guggemos vom Segelbootverleih Rieden indes nicht. „Es wird nicht alles immer so heiß gegessen wie gekocht“, sagte er. Arbeiten am Damm hätte es auch in der Vergangenheit immer mal wieder gegeben. Ebenso extreme Wassertiefstände. Er gehe deshalb davon aus, dass es zu keinen größeren Beeinträchtigungen komme. 

Corvin Kraus vom Seglerservice am Forggensee bleibt zunächst ebenfalls gelassen. Sollte der See drei bis vier Wochen später als üblich aufgestaut werden, sei das für ihn noch vertretbar. Dann habe er sogar mehr Zeit, um mehr Boote vorzubereiten. Allerdings: „Wenn der See den ganzen Sommer über leer bleibt, dann hat jeder hier ein Problem.“ Auch er müsste dann wahrscheinlich auf die Beschäftigung einer Näherin verzichten. 

„Das wäre für uns ein Fiasko!“, sagt dagegen Alexander Beck, Schriftführer des Kreisfischereivereins Füssen, zum Worst-­Case-Szenario eines trockenen Sees im Sommer. Aber auch eine spätere Aufstauung hätte bereits spürbare finanzielle Auswirkungen, denn der Verein hat das Fischereirecht für den ganzen See und bewirtschaftet diesen auch. „Wir reden von einem sechsstelligen Bereich“, so Beck auf die Frage nach möglichen finanziellen Schäden. „Das ist aber stark davon abhängig, wann der See hochkommt“, erklärte er. Als Architekt wisse er, wie anspruchsvoll die geplante Sanierung des Damms sei. „Ein schwierig einzuschätzendes Bauvorhaben“, sagte er.

Matthias Matz

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