Der Leiter der Allgäuer Moorallianz erklärt Interessierten die Renaturierungsmaßnahmen im Seemoos

Oyer Seemoos als Lehrbeispiel

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Dr. Ulrich Weiland, Leiter der Allgäuer Moorallianz, klärt Interessierte über die Renaturierungsmaßnahmen im Oyer Seemoos sowie die Fauna und Flora auf.

Oy-Mittelberg – „Das Oyer Seemoos ist bundesweit einer der ersten Hochmoore das renaturiert wird“, erklärte der Leiter der Allgäuer Moorallianz, Dr. Ulrich Weiland jetzt bei einem Baustellen- und Informationstermin im Oyer Seemoos.

Zu dem waren neben dem Oyer Bürgermeister Theo Haslach zahlreiche Interessierte, darunter auch Zeitzeugen gekommen, die beim Torfabbau im Seemoos noch mitgearbeitet hatten. Die Förderkulisse der Allgäuer Moorallianz umfasst ca. 14.000 Hektar im Ober- und Ostallgäu, erklärte der Biologe. Bis 2020 stehen insgesamt 6,5 Millionen Euro an Fördergeldern zur Verfügung. Etwa drei Millionen Euro entfallen auf den Flächenankauf, 3,5 Millionen Euro auf die Renaturierung und weitere Maßnahmen. 

Der Pflege- und Entwicklungsplan für das Großprojekt entwickelte die Moorallianz zusammen mit dem Ingenieurbüro Wagner aus Unterammergau. „Der Name Seemoos ist wahrscheinlich ein Missverständnis und Übersetzungsfehler. In alten Flurkarten steht „In der Senne' und es waren vermutlich ehemalige Gemeindeweideflächen, die Allmende. Diese wurde dann zwischen 1750 und dem Beginn der Säkularisation 1803 parzelliert in lange, schmale Streifen. Die typische Torfstichparzelle ist fünf Meter breit und 100 Meter lang. 

Der Torfabbau erfolgte bis in die frühen 1950er Jahre“, erläuterte Weiland. Das Seemoos umfasst etwa 30 Hektar staatseigene und zehn Hektar private Flächen. Im größten Torfstich im Seemoos besteht zwischen der Sohle und der Oberkante eine Höhendifferenz von mehr als fünf Metern. Die Mächtigkeit der Torfschicht betrage zwischen vier und acht Metern. Die ist auf einer Geschiebeschicht der Allgäuer Gletscher, einer Grundmoräne, entstanden. „Vermutlich ohne eine größere Gewässerverlandung“, sagte Weiland. 

Vor dem Torfabbau musste die Fläche erst entwässert werden. Dazu legten die Menschen parallelen Entwässerungsgräben in einem Abstand von zehn bis 12 Metern an. Die Schlitzgräben im Seemoos sind insgesamt mehr als zwölf Kilometer lang. Bei den bereits erfolgten Renaturierung wurden mit einem Drei-Tonnen-Bagger mit breiten Spezialketten auf einer 17 Hektar-Fläche 1700 Dämme gebaut, erklärte Weiland. 

Mit Hilfe dieser Dämme aus Torf werden die Schlitzgräben verpfropft, so dass sich Wasser wieder stauen kann. Bei Gräben mit einem Gefälle von über einem Prozent wird Holz verbaut und mit Torf überdeckt, um eine zu schnelle Verrottung zu verhindern. Anfangs werden noch kleinere Wasserflächen vorkommen, die im Laufe der Zeit wieder verlanden und überwachsen. Das Ziel dabei ist, die ehemaligen Torfstichflächen wieder zu vermooren. „Ein Moor wächst im Jahr um circa einen Millimeter“, so der Biologe. 

Anschließend stellte er sich zahlreichen Fragen rund um die Renaturierung und der vorkommenden Vegetation und Tierwelt. „Ein typisches Moor ist im Zentrum baumfrei“, erklärte Weiland. Der dichte Bewuchs und das Vorkommen der Moorkiefer oder Spirke hänge mit der Entwässerung zusammen. Vor der Renaturierung im Seemoos wurde der Bestand der vorkommenden Vegetation aufgenommen. Ihre Entwicklung werde außerdem über die Jahre genauso beobachtet wie die des Grundwasserspiegels. 

Natürlicher CO2-Speicher 

„In Bayern kommen ungefähr acht Prozent der Treibhausgas-Emissionen aus verlorengegangenen Mooren“, sagte Weiland. Ein Hektar intaktes Moor könne aber etwa 700 Tonnen CO2 speichern. Die Renaturierung der Moore sei daher eine wirkungsvolle Maß-nahme zum Klimaschutz, sagte Wieland. Außerdem sind Moore auch das Zuhause von seltenen Tierarten. „Der Hochmoor-Gelbling kommt in einer starken Population im Seemoos vor. 

Ebenso wie die arktische Smaragdlibelle“, erklärte der Leiter der Allgäuer Moorallianz auf Nachfrage. Der Schmetterling steht auf der Roten Liste der bedrohten Arten ebenso die Libellenart. „Hier steckt noch viel Potenzial drin. Das Seemoos ist ein Pilotprojekt und Lehrbeispiel“, so Weiland. Auf dem Hackschnitzel-Weg zu einem bereits fertiggestellten Podest im Moor können Besucher sich über die ehemaligen Torfstiche, die Renaturierung und die Flora und Fauna informieren. 

Rudi Fischer, ein Waldbesitzer im Seemoos, sorgte sich, dass sich durch die zunehmende Vernässung des Bodens der Borkenkäfer stark vermehren könnte. „Hier müssen wir beobachten und sollte der Borkenkäfer vermehrt auftreten, uns gegenseitig informieren und zusammenarbeiten. Wir sind ja noch eine ganze Weile da“, sagte der Leiter der Moorallianz. Er sicherte den Privateigentümern in diesem Fall die Zusammenarbeit mit der Bayerischen Staatsforstverwaltung zu. Ebenso wie die Wiederherstellung der Wanderwege, die bei den Baumaßnahmen beschädigt wurden.

Herbert Hoellisch

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