Agentur für Arbeit blickt auf 2020 zurück – Pandemie trifft Raum Füssen besonders hart

So viele Arbeitslose wie seit zehn Jahren nicht mehr

Schild der Bundesagentur für Arbeit
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Wie sich die Corona-Pandemie auf den Arbeitsmarkt im Allgäu ausgewirkt hat, das zeigt jetzt der Jahresrückblick der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen.

Allgäu – Geschlossene Geschäfte und Hotels, keine Veranstaltungen und Kurzarbeit: Die Corona-Pandemie hat 2020 für viele zu wirtschaftlichen Problemen geführt. Und das schlägt sich auch in der Arbeitslosenquote im Jahresvergleich nieder. Im bayerischen Teil des Allgäus war der Wirtschaftsraum Füssen am stärksten davon betroffen. Hier belief sich die Arbeitslosenquote 2020 auf 3,6 Prozent, ein Prozent höher als noch 2019 – und die höchste Steigerung im gesamten Allgäu. Das gibt jetzt die Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen bekannt. 

Im bayerischen Teil des Allgäus erreichte die jahresdurchschnittliche Arbeitslosenquote 3,1 Prozent. Das ist der höchste Wert seit 2014. Sie lag damit um 0,7 Prozentpunkte über dem Ergebnis des Vorjahres 2019. Diese Veränderung im Gesamtergebnis setzte sich auch in allen Wirtschaftsräumen des Agenturbezirks fort. So erhöhte sich die Arbeitslosenquote auch in den Regionen Mindelheim und Marktoberdorf um jeweils 0,7 Prozentpunkte.

Etwas höher fiel die Differenz für die Wirtschaftsräume Kempten und Memmingen mit einem Zuwachs um 0,8 Prozentpunkte aus. Das höchste Plus hatten der Landkreis Lindau und die Region Füssen mit einem Zuwachs um 0,9 bzw. einem Prozent zu registrieren.

Deutlich besser lief es dagegen im Wirtschaftsraum Kaufbeuren und im südlichen Oberallgäu. Hier erhöhte sich die jahresdurchschnittliche Arbeitslosenquote nur um 0,6 Prozentpunkte. Die niedrigsten Arbeitslosenquoten erreichten die Wirtschaftsräume Mindelheim und Marktoberdorf mit 2,7 bzw. 2,8 Prozent im Jahresdurchschnitt. Alle übrigen Regionen verzeichneten bei der Arbeitslosenquote im Schnitt eine Drei vor dem Komma.

Höchststand bei Kurzarbeit

„2020 hat die Pandemie auch den Arbeitsmarkt massiv geprägt. Menschen und Betriebe standen vor hohen finanziellen Herausforderungen. Noch nie waren so viele Menschen in Kurzarbeit wie im vergangenen Jahr“, sagte Maria Amtmann, Leiterin der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen. „Erfreulich hoch blieb in dieser schwierigen Zeit bis zur Jahresmitte die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Menschen im Allgäu. Und in den letzten Wochen meldeten Betriebe wieder in stärkerem Maß zusätzliche Stellen zur Besetzung als noch zur Jahresmitte. Nach einem Dreivierteljahr Leben und Arbeiten im Corona-Modus bin ich zuversichtlich, dass mit flächendeckenden Impfungen auch der Arbeitsmarkt perspektivisch Stabilität zurückgewinnt.“

In den vergangenen Jahren hatte der Arbeitsmarkt im bayerischen Allgäu kontinuierlich Bestmarken erreicht, so die Agentur für Arbeit. Die Zahl der arbeitslos gemeldeten Menschen ging seit 2014 jeweils im Jahresdurchschnitt zurück und erreichte mit etwas mehr als 9100 Arbeitslosen in 2019 den niedrigsten Wert.

Arbeitsmarkt erholt sich zum Oktober hin

Diese Entwicklung setzte sich 2020 allerdings nicht fort. Wie in den vorausgegangenen Jahren deutete sich zunächst auch zum Jahresauftakt eine weiter anhaltende positive Entwicklung an, denn von Januar bis März waren in jedem Monat weniger Menschen arbeitslos. Nach dem ersten Lockdown Mitte März erhöhte sich im April die Zahl der Arbeitslosen auf etwas mehr als 12.650 Frauen und Männer, gut 2700 mehr als im Monat zuvor. Die drastischen Einschränkungen führten schließlich im Mai zum Jahreshöchstwert von 13.475 beschäftigungslosen Menschen.

Allerdings ließen die schrittweise Öffnungen die Zahl der Arbeitslosen in den Folgemonaten nahezu kontinuierlich zurückgehen. Mit 11.821 betroffenen Menschen verzeichnete die Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen im Oktober die niedrigste Zahl in der bisherigen Corona-Pandemie. Nur im August führte das Ende von schulischen und betrieblichen Ausbildungen zu einer vorübergehenden Zunahme vor allem bei jungen Menschen, die nach ihrer Ausbildung nicht übernommen wurden bzw. sich anderweitig beruflich orientierten.

3000 Arbeitslose mehr als 2019

Wie in den Jahren zuvor erhöhte sich die Zahl arbeitslos gemeldeter Frauen und Männer in den Schlussmonaten November und Dezember. Insbesondere aus dem Tourismusgewerbe meldeten sich Kräfte neu arbeitslos. In vergangenen Jahren waren sie in vielen Fällen aber meist nur für kurze Zeit zwischen dem Ende der Herbst- und dem Start der Wintersaison ohne Beschäftigung. Dieses Mal verhinderten das die Einschränkungen, die Mitte Dezember erneut ausgesprochen wurden.

2020 waren durchschnittlich 12.100 Menschen im bayerischen Allgäu arbeitslos, knapp 3000 mehr als im Jahr zuvor. Das ist der höchste Stand seit zehn Jahren. Zuletzt waren im Jahr 2010 mit 13.427 betroffenen Kräften mehr Menschen arbeitslos gemeldet.

kb

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