"Allgäu" statt "Königswinkel"

Stefan Fredlmeier spricht im Haus Hopfensee zu den Vermietern. Foto: Schuster

Einen Appell, sich auf gezieltes Marketing und eine Weiterentwicklung des touristischen Angebots einzulassen und auf Qualität zu setzten, richtete Füssens Tourismusdirektor Stefan Fredlmeier am Mittwoch vergangener Woche an Hoteliers und Pensionsbetreiber beim Füssener Tourismusabend im Haus Hopfensee. Gleichzeitig bot er sich als Ansprechpartner für alle Vermieter an. Wandern, Kulinarik und barrierefreier Tourismus gehörten zu den Kernthemen des Abends.

Ein tolles Logo habe Füssen, lobte der Tourismusdirektor das Emblem mit der Silhouette von Neuschwanstein und dem Schriftzug „Füssen im Allgäu“ und leitete so zum Thema Marketing über. Seine Message: Falscher Regionalstolz soll effektivem Marketing nicht im Wege stehen. Mit „Allgäu“ ließe sich werben, mit dem früher verwendeten Begriff „Königswinkel“ nicht, ebenso wenig mit dem Begriff Ostallgäu. Ob Ost-, West-, oder Oberallgäu – das sei dem Besucher der Tourismusmesse letztlich egal. „Der Gast soll ins Allgäu kommen, dann kommt er früher oder später eh zu uns“, erklärte er. Es sei daher gut für Füssen, wenn etwa Oberstdorf für das Allgäu werbe, denn an Sehenswürdigkeiten wie Schloss Neuschwanstein komme der Allgäu-Tourist gar nicht vorbei. International sei außerdem der Begriff Bayern ein Zugpferd. Dennoch müssten sich Hotels und Pensionen auf bestimmte Sparten spezialisieren. Bedarf sah er da vor allem in Weißensee. Der Ort sei wie geschaffen für Familienurlaub, ebenso fürs Wandern. Hier gelte es für die Vermieter, sich zu qualifizieren und etwa ausgewiesene Wanderbetriebe zu werden. Es gebe Hotels und Pensionen andernorts, die sich auf Wanderer spezialisiert haben. Wer nach Wanderurlaub im Internet sucht, der finde eben solche Häuser zuerst. Mit entsprechender Qualifizierung könne Weißensee zum regelrechten Wanderort werden, „dafür müssen aber mindestens 12 Betriebe mitmachen“, so Fredlmeier. Er warnte davor, sich nur auf Stammgäste zu verlassen. Beim Thema Wandern stellte er einen Ansatzpunkt vor: den 2012 soll der „Lechweg“ als Wanderangebot starten. Dieser 120 Kilometer lange Weg führt den Lech entlang von den Quellen in Vorarlberg bis zum Lechfall in Füssen. 2013 soll zudem das Projekt Wandertrilogie fertig sein, das Fredlmeiers Frau Christa, Projektleiterin bei der Allgäu GmbH, derzeit entwickelt. Auch das Thema Radfahren, vor allem per E-Bike sein ein Markt, „der explodiert“. Ein weiteres Anliegen Fredlmeiers, für das er zustimmende Reaktionen unter den Vermietern erntete: Das kulinarische Angebot in Füssen muss besser werden. Statt genormtem Scheibenkäse aus dem Großhandel gehöre Allgäuer Käse in die Frühstücksbuffets der Hotels. Den stelle etwa die Sennerei Lehern her und beliefere auch die Betriebe und das kostengünstig, wie deren Chef, Alfred Becker, erläuterte. Aber jeder andere Betrieb sei ihm willkommen, der so etwas biete, erklärte Stefan Fredlmeier. Als Gast hatte der Tourismusdirektor Waltraud Joa, die Behindertenbeauftragte des Landkreises Ostallgäu eingeladen, um über das Thema barrierefreier Urlaub zu sprechen. Ihr Ziel sei es, Berührungsängste abzubauen. Zwar gebe es in Deutschland viele Urlaubsangebote für Menschen mit Handicap oder Senioren, die seien aber nicht vernetzt. „Von einer geschlossenen Servicekette kann in Deutschland keine Rede sein“, erläuterte sie. Dass ein Markt dafür bestehe, das belegte sie mit Zahlen: 37 Prozent der Menschen mit Behinderung hätten mangels brauchbarer Angebote bereits auf einen Urlaub verzichtet, 48 Prozent würden häufiger verreisen, wenn es welche gebe. Außerdem: 67 Prozent wären bereit, mehr zu bezahlen für Reiseangebote, die auf ihre Bedürfnisse abgestimmt sind. „Da können Sie Geld machen, das dürfen sie nicht vergessen“, appellierte sie an die Vermieter. Ein Emblem für barrierefreie Hotels, das auf ein für manche abschreckendes Rollstuhlsymbol verzichtet, sei dafür angedacht. Zahlen korrigiert Nicht sechs Prozent mehr Übernachtungen und 18 Prozent mehr Gäste wie im Haus Hopfensee vermeldet, sondern lediglich zwei beziehungsweise rund sieben Prozent Zuwachs hat Füssen im vergangenen Jahr verzeichnet. Am Tag nach dem Tourismusabend korrigierte Fredlmeier seine Zahlen nach unten, nach einer Umstellung der Berechnung habe die Datenbank zunächst ein falsches Ergebnis ausgespuckt, entschuldigte er sich in einer Pressemitteilung. Laut eines Umfragebogens, den der Tourismuschef an alle Füssener Vermieter geschickt hatte, teilen diese sein Interesse an besseren Wander, Rad-, und Winterangeboten, allerdings kamen nur 29 Antworten zurück. Verschickt hatte er 400 Bögen. Immerhin: Die Weißenesser Vermieter sprachen sich am Montag im Rahmen der dritten Tourismuswerkstatt dafür aus, ihr Wander-Profil zu schärfen (siehe eigener Bericht dazu auf Seite 12).

Meistgelesen

Eiskalt durch den Dreck
Eiskalt durch den Dreck
Taliban-Kommandeur im Ostallgäu festgenommen
Taliban-Kommandeur im Ostallgäu festgenommen
In die Leitplanke
In die Leitplanke
Ein Rekordjahr
Ein Rekordjahr

Kommentare