Mit 130 Sachen ins Tal rasen

Wer etwas zu zögerlich fliegt und stehen bleibt, den muss der Flightguide reinholen. Er hatte viel Arbeit an diesem Tag. Foto: gau

Nesselwang – Mit einem Pressegespräch und der Möglichkeit zu „Testflügen“ hat die Alpspitzbahn eine neue Attraktion eröffnet. Nach rund zwei Jahren Vorarbeit haben Geschäftsführer Ralf Speck und Bürgermeister Franz Erhart den neuen Flying Fox „Alpspitzkick” freigeben. 

Innerhalb von fünf Sekunden auf 130 Kilometer pro Stunde beschleunigen, das dürfte zur Zeit weltweit einmalig sein. Mit Geschwindigkeiten, wie man sie eigentlich nur von der Autobahn kennt, kann man seit kurzem in Nesselwang von der Berg- zur Mittelstation „fliegen“. Zipline oder Flying Fox, so heißt die Attraktion, die man nach längerer Suche in Südtirol gefunden habe, so Bürgermeister Franz Erhart. 

Es sei darum gegangen, das Angebot an der Alpspitze abzurunden, dabei aber auch immer naturverträglich zu bleiben. Was nun mit einer Extradosis Adrenalin und Genuss, aber ohne das prophezeite „Geschrei“ möglich geworden ist. Er habe Vertrauen in die Anlage, die nun auf der Nordseite des Nesselwanger Hausberges steht, so Erhart vor den Pressevertretern weiter. Gemeinsam mit den Ingenieuren der italienischen Planungsfirma, vor allem angepasst an deutsche Vorschriften, wurde die zweiteilige „Line“ realisiert. 

Man habe in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich aufgerüstet und dabei einen Masterplan verfolgt, freute sich der Bürgermeister. Entstanden ist dabei ein Rundumpaket für Winter wie Sommer mit den beiden neuen Kombibahnen, der Beschneiungsanlage und der Rodelbahn sowie der Zipline. Die wird im Übrigen, auf deutscher Seite, behandelt wie eine Bergbahn, so Ralf Speck. Man befördere Menschen, also lege man dieselben Sicherheitsmaßstäbe an wie für einen Sessellift oder Kabinenbahn. 

Mindestgewicht von 50 Kilo, um nicht stehen zu bleiben 

Los geht es an der Bergstation, wo in rund 20 Meter Abstand dazu der erste der drei Türme, der sogenannte Takeoff Tower entstanden ist. In knapp sechs Meter Höhe geht es auf die erste Etappe, von Speck auch als Transit bezeichnet. Rund 390 Meter lang ist dieses Seil, bei dem man sich schon einmal an den Flug gewöhnen könne. Ehe man schließlich den „Interkontinentalflug“ vom Transittower zum Arrivaltower antritt. 

Wo dann auch, bei 52 Prozent Gefälle (im Schnitt 27 Prozent) die Spitzengeschwindigkeiten erreicht werden. Es sei, so Carlo Trebo, Konstrukteur der Zipline, die zur Zeit extremste Linie, die er und seine Firma entworfen und gebaut hätten. Und eben mit den gemessenen 130 km/h die weltweit wohl auch schnellste. Bis zum Schluss hatten die Ingenieure und Prüfer Tests gefahren, unter anderem ohne Bremssystem und mit übergroßen Lasten, um die Grenzen der Linie auszuloten. 

Wer den Kick eines Baumkronenfluges erleben möchte, sollte aber mindestens 50 Kilogramm auf die Waage bringen, will er nicht kurz vor dem Ziel stehen bleiben. Geschwindigkeit und Fahrgenuss sind neben dem Gewicht auch abhängig von den Windgeschwindigkeiten (ob Rücken- oder Gegenwind) und davon, was sich der Passagier zutraut. Insgesamt eine verträgliche Weise, wie man die rund 14 Hektar der Alpspitzbahn erweitert habe, befand Bürgermeister Erhart. Er war einer der Ersten, wie auch Tourismusvertreterin Yvonne Dischler, die zu Tal flogen. Ein Vergnügen, das übrigens nicht nur den jungen Menschen vorbehalten ist, am Vortag sei auch ein 75-jähriger Berliner mit dem Kick geflogen, so Ralf Speck.gau

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