Wandern mit Rücksicht

Auch Spaziergänger und Mountainbike-Fahrer genießen gern den Blick über die Allgäuer Landschaft, hier von der Alpe Beichelstein zum Hopfensee. Foto: Schuster

Allgäu – „Ab Georgi geht man nicht mehr über Wiesen“ – Unter diesem Motto hat der Alpwirtschaftliche Verein Allgäu (AVA) gemeinsam mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kaufbeuren (AELF) zu einem Pressegespräch zum Betretungsrecht in Bayern auf die Alpe Beichelstein eingeladen.

Dr. Michael Honisch, Geschäftsführer des AVA, kommt es „auf ein gutes Miteinander aller Naturnutzer, Touristen sowie Alpbetreiber an“. Den Termin wolle er nutzen, „um zu Beginn der Wandersaison auf die Zusammenhänge und Problematik von Naturschutz und Tourismus hinzuweisen, um möglichen Konflikten zum Beispiel mit Hundebesitzern oder Bikern vorzubeugen“, so Honisch weiter. Ulrike Wörz von der Naturschutzbehörde des Landratsamts Ostallgäu wies auf die Rechtslage zum Betretungsrecht nach dem bayerischen Naturschutzgesetz hin. Das zum Teil unbefriedigende Nebeneinander von Naturschutz und Tourismus innerhalb des alpwirtschaftlichen Bereichs wurde von den Teilnehmern anhand von Beispielen dargestellt. 

Die Betreiber der Alpe Beichelstein bei Seeg, Cornelia und Engelbert Hipp, bemängelten das teilweise dreiste Vorgehen von Wanderen und Bikern bei der Wahl ihrer Routen. Sie verlassen Wanderwege und treten Trampelpfade auf bewirtschafteten Nutzflächen breit, die nur mit enormem Aufwand wieder renaturiert werden können. Selbst von teilweise abgerissenen Weidezäunen kann Engelbert Hipp berichten. Dabei stehe nicht der wirtschaftliche Schaden im Vordergrund, sondern auch die Gefahr, dass die Tiere die Weide verlassen. Für Biker bestehe ohnehin die Pflicht, sich an Wege zu halten, die für Fahrräder geeignet sind. Gleiches gelte auch für Rollstuhlfahrer. An Hundehalter appellierte er, auf den aus- gewiesenen Fluren die Leinenpflicht zu befolgen. 

Ein anderes Übel stelle der Hundekot dar. Es sei doch wohl selbstverständlich, dass jeder Hundehalter selbst für die Entsorgung verantwortlich ist und die Betreiber der Alpe nicht als Sammelstelle von gefüllten Plastiktüten anzusehen seien, erklärte Hipp. Dr. Franz Götz, Veterinärdirektor am Landratsamt Ostallgäu, beschrieb eindringlich die bestehenden Gefahren für die Gesundheit, wenn Hundekot in die Nahrungskette gelangt und warnte vor Verniedlichung dieses Problems. 

Polizei will öfter Streife fahren

Wird ein Umweltsünder auf seine Verfehlung angesprochen, so Cornelia Hipp, sei er oft uneinsichtig. Seine Personalien festzustellen sei oft nicht möglich. Einfach festhalten kann man ihn auch nicht, denn das könne durchaus als Nötigung geahndet werden, wie Edmund Martin, Leiter der Polizeiinspektion Füssen, aufklärte. 

Bernd Mayer, Mitglied des Rechtlerverbands Pfronten und Engelbert Hipp forderten von Ulrike Wörz ein Mitspracherecht, bevor große Wandergruppen die Genehmigung für eine beantragte Wanderroute bekommen. „Es kann nicht sein, dass eine Wandergruppe von bis zu 400 Teilnehmern 24 Stunden am Tag und auch bei Dunkelheit mit sogenannten ,Hierebiere’ durch Wald und Flur marschiert, ohne den Zustand der vorgegebenen Route zu kennen oder Hindernisse zu erkennen“. Mayer sieht darin ein erhebliches Sicherheitsrisiko, denn für den Zustand der Forstwege gemäß der Verkehrwegesicherungspflicht steht nun einmal der Pächter beziehungsweise Eigentümer in der Verantwortung. 

Ein weiteres Übel stelle das Parken auf landwirtschaftlich genutztem Boden dar. Reichen die ausgewiesenen Parkplätze nicht aus, wird oft auf Grünflächen geparkt. Steht erst einmal ein Fahrzeug da, folgen meist weitere. Polizeichef Martin kündigte deshalb verstärkt Streifenfahrten an Wochenenden an und machte darauf aufmerksam, dass „Wild-Parkern“ ein Bußgeld droht, dessen Höhe sich nach dem verursachten Schaden staffelt. cjb

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