Lechuferweg: Stadt will Grundstücke für extra Radweg kaufen

"Die Situation ist absolut prekär"

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Was dieses Schild bedeutet, weiß offenbar kaum jemand. Denn mit „angepasster Geschwindigkeit“ radeln nur wenige den Lechuferweg entlang.

Füssen – Die Stadt Füssen will den Lechuferweg entlasten. Langfristig soll das über einen getrennten Fuß- und Radweg erfolgen.

Kurzfristig wollen die Räte mit Alternativen für eine Entzerrung sorgen. Dafür hat sich jetzt der Verkehrsausschuss einstimmig ausgesprochen. Denn rasende Radler werden auf dem Fußweg, der für Radler frei ist, zunehmend zum Problem (derKreisbote berichtete)

Eine Frau mit Kind an der Hand macht es eigentlich schon deutlich. Das Schild sagt: Das ist ein Fußweg. Der Zusatz „Radler frei“ erlaubt, dass Fahrradfahrer den Weg mit „angepasster Geschwindigkeit“ benutzen dürfen, erklärte Manfred Schweinberg vom städtischen Verkehrsamt. Doch das scheinen nur die wenigsten zu wissen: Immer wieder beklagen sich Fußgänger über rücksichtslose Radler. Manche werden sogar beschimpft (der Kreisbote berichtete). 

„Du kannst da fast zu Fuß nicht mehr gehen“, meinte auch Wolfgang Bader (SPD). Vor allem der Anteil der E-Biker habe in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Eine Anwohnerin habe dort einmal 175 E-Biker in 45 Minuten gezählt. „Das packt der Weg einfach nicht“, sagte Bader. 

Gleicher Meinung ist auch Heinz Hipp (CSU). Nach einem Artikel im Kreisbote sei er von vielen darauf angesprochen worden, dass sie über das Schild „Radler frei“ „noch nie nachgedacht haben“, sagte Hipp. Da herrscht „große Unkenntnis“, so der CSU-Fraktionsvorsitzende. Um diese Regel allgemein bekannt zu machen und die Situation schnell zu entschärfen, hatte er einen Antrag bei der Stadtverwaltung eingereicht. 

Darin schlug er vor, schnellen Radlern einen Alternativweg anzubieten. Diese könnten nach dem Aufstieg zum Überlandwerk durch Schilder zum Schwedenweg bis zur Weidachstraße und in umgekehrter Richtung ab dem Bootshafen auf diese Strecke geleitet werden. „Dabei könnte Schwedenweg und Weidachstraße als Radstraße gewidmet werden. Da das gesamte Weidach ohnehin Tempo-Zone-30 ist und rechts vor links gilt, wäre dies ohne Probleme. Anzubringen wäre lediglich einige Markierungen zur Hebung der Aufmerksamkeit“, so Hipp. 

Daneben würde dort auch gleich der Verkehr beruhigt werden. Hinweise an den Fußgängerschildern am Sportplatz und beim Hotel Sommer würden zugleich die Schilder näher erklären. „Somit kann der Nutzer zwischen zwei Möglichkeiten wählen und wird mit einem Appell an Fairness und verkehrsgerechtes Verhalten erinnert“, so Hipp. 

Weg ist zu attraktiv

„Ich weiß, die Situation ist absolut prekär“, erklärte Bürgermeister Paul Iacob (SPD) daraufhin. 

Doch die Aufsplittung des Radverkehrs dürfte in der Praxis kaum Wirkung zeigen, hieß es von Seiten der Stadtverwaltung. Denn der Lechuferweg sei einfach die attraktivere Verbindung als der Weg durch das Wohngebiet.

Zu einem ähnlichen Schluss kam auch Tourismusdirektor Stefan Fredlmeier. „Von einem Verbot der Radnutzung oder weiteren Verlegungen auf die Weidachstraße etc. raten wir ab.“ Letzteres werde wohl zu keiner wesentlichen Entlastung führen, da der Lechuferweg dafür zu attraktiv sei. Ein Verbot wiederum müsste kontrolliert werden. 

Doch „die Weidachstraße als zusätzliche schnelle Route anzubieten, kann keinesfalls schaden. Zielsetzung wäre nicht primär eine Reduzierung der Frequenz, sondern ein respekt- und rücksichtsvolles Miteinander“, so Fredlmeier. Als langfristige Maßnahme empfahl er jedoch den Weg zu verbreitern, Fußgänger und Radler zu trennen und Blickbeziehungen zum Lech freizuschneiden.

Promenade anlegen

Dieses Ziel verfolgt die Stadtverwaltung ohnehin bereits, wie Iacob erklärte. Die Stadt möchte den Weg zur Promenade mit getrenntem Fuß- und Radweg ausbauen. Das Problem: Die nötigen Grundstücke gehören vielen unterschiedlichen Besitzern. „Zum Teil sind wir schon im Gespräch oder müssen noch“, so der Rathauschef. Da sowas aber immer länger dauert, hatte Hipp die kurzfristige Lösung ausgearbeitet.

 Denn „die Situation muss bis zum Frühjahr 2018 deutlich verbessert werden“, fordert Hipp. „Ich finde die Idee gut“, meinte Dr. Martin Metzger (BfF) dazu. Aber: „Das muss ganz klar kommuniziert sein. Dann macht das Sinn.“ 

Ähnlich sah das auch Andreas Ullrich (FWF), der vorschlug, einen Übersichtsplan mit der genauen Wegführung aufzustellen. Kritik richtete Metzger dann aber noch in Richtung Stadtverwaltung. Diese hatte in ihrer Sitzungsvorlage die vorgeschlagene Fahrradstraße abgelehnt. 

Einer der Gründe: Die bestehenden Fahrradstraßen im Stadtgebiet würden „auf wenig Anklang bzw. bisher ausschließlich negative Rückmeldungen“ stoßen. „Ich höre komischerweise nur positive Rückmeldungen. Ich bitte diesen Stil schleunigst einzustellen“, sagte Metzer. „Solche Kommentare sind nicht angemessen. Sie führen zur Polarisierung.“

 „Wir kriegen andere Rückmeldungen“, erwiderte Schweinberg. Zudem müsste der Bauhof rund 20 Einmündungen beschildern, wenn die Fahrradstraße eingerichtet werde. Deshalb müsse sich der Stadtrat genau überlegen, ob das „das richtige Instrumentarium sei“, so Schweinberg. 

Am Ende sprach sich der Ausschuss einstimmig dafür aus, Alternativen aufzuzeigen, die einen geregelten Radverkehr ermöglichen und gleichzeitig Fußgänger priorisieren. Der Rathauschef empfahl, sich dafür mit Füssen Tourismus und Marketing zusammenzusetzen. Zudem soll die Stadtverwaltung den Grunderwerb am Lechuferweg weiter forcieren.

Katharina Knoll

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