Verhärtete Fronten

Am Breitenberg soll ein Klettersteig entstehen – Naturschützern passt das gar nicht

Breitenberg Pfronten
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An der Nordseite des Breitenbergs vom Gleitschirmplatz „Engerle” quer bis hoch zur Ostlerhütte könnte auf 800 Meter Länge der geplante Klettersteig entstehen. Die Naturschützer sind jedoch gegen das Projekt.

Pfronten – Ein gesamtes Gebiet am Breitenberg als Klettersteig für die ganze Familie? Über diese Idee wird in der Gemeinde seit einiger Zeit heftig diskutiert. Gegenüber stehen sich touristische Interessen auf der einen, sowie der naturschutzfachliche Bedenken auf der anderen Seite. 

Dabei ist die Idee eigentlich nicht neu, wie Bürgermeister Alfons Haf (Pfrontner Liste) im Gespräch mit dem Kreisboten erklärt. Demnach wird die Idee eines Klettersteiges in Pfronten bereits seit vielen Jahren immer wieder von verschiedenen Akteuren verfolgt, konnte aber bisher nicht in einem Konsens aller Beteiligten umgesetzt werden.

Besonders der Tourismus und der Naturschutz des Ortes stehen sich laut Haf in dieser Frage gegenüber.

Im Jahre 2017 wurde im Rahmen der Bergwaldoffensive mit großer Beteiligung bereits ein „Interessensausgleich Wald-Jagd-Naturschutz und Tourismus“ diskutiert. Dabei kamen die Beteiligten zu dem Ergebnis, dass der Schwerpunkt der touristischen Nutzung im Gemeindegebiet auf dem Breitenberg liegen soll. Dies griffen 2018 die Pfrontener Bergführer und die Breitenbergbahn mit Unterstützung der Gemeinde auf, erinnert der Bürgermeister.

Es folgten Begehungen auf der Nordseite des Breitenberges, eine frühzeitige Einbeziehung der Behörden und Grundstückseigentümer, eine Machbarkeitsstudie „Natur und Landschaft“ sowie die Erstellung eines wildbiologischen Gutachtens. Der mögliche Klettersteig würde demnach auf einem Felsstreifen konzipiert, der komplett auf Gemeindegrund liegt und keinerlei Schutzstatus aufweist.

Im August des vergangenen Jahres arbeiteten die Beteiligten schließlich in größerer Runde und unter Einbeziehung der unteren Naturschutzbehörde einen Kompromiss aus. Dieser sah einen Steig mit absperrbarer Leiter und einem Einstieg abseits der Wechselpfade des Wildes vor. Der Steige soll vom Gleitschirmplatz „Engerle” quer zur Ostlerhütte führen. Angedacht ist eine Länge von etwa 800 Metern mit leichtem bis mittleren Schwierigkeitsgrad und damit ideal für Familien. Die Nutzungszeiten sollten auf die Betriebszeiten der Breitenbergbahn und auf wenige Sommermonate beschränkt bleiben, erläutert der Rathauschef.

Mit großer Mehrheit beauftragte der Gemeinderat schließlich am 29. Oktober des vergangenen Jahres die Verwaltung, das Projekt weiter zu detaillieren und voranzutreiben. Der Beschluss fiel in nichtöffentlicher Sitzung, da der Grundstückseigentümer im Zustiegsbereich des Klettersteiges zu diesem Zeitpunkt noch keine Entscheidung zu dem Projekt treffen konnte.

Als Maßnahmenträger fungiert aktuell die Gemeinde. Die Umsetzung und der laufende Betrieb des Klettersteiges sollen dann mit den Projektinitiatoren vertraglich geregelt werden, berichtet Haf. „Für mich ist wichtig, dass zur Finanzierung vor allem die beitragen sollten, die vom Steig profitieren könnten“, sagte er gegenüber unserer Zeitung.

Mit einem Klettersteig am Breitenberg würde die 13-Dörfer-Gemeinde ihr Angebot an an sicheren und kontrollierten Klettermöglichkeiten vom Kinderspielplatz über den Hochseilgarten bis zum alpinen Gelände. „Somit hätte Pfronten sowohl für Einheimische als auch für Touristen ein weiteres, noch fehlendes Mosaiksteinchen im Freizeitangebot“, ist Haf überzeugt.

Kritik wird laut

Große Bedenken wurden schließlich ab März an den Bayerischen Umweltminister und die Höhere Naturschutzbehörde herangetragen, die eine Genehmigung nur bei Nachweis von funktionierenden und kontrollierbaren Ausgleichsmaßnahmen an anderer Stelle für möglich hielten. Diese seien jedoch nur schwer zu erreichen, erklärt der Rathauschef das Problem.

Widerstand kommt auch vonseiten der Ökologisch Demokratische Partei (ÖDP). „Der geplante Klettersteig am Breitenberg lockt nur noch mehr Tagestouristen nach Pfronten“, so Kreisvorsitzender Roland Brunhuber. Der Pfrontener mahnt an, dass sich in Sachen ÖPNV in Pfronten und im südlichen Ostallgäu nichts bewege. „Immer noch mehr Autos und eine Belastung der Bevölkerung vor Ort kann nicht der Sinn für nachhaltigen Tourismus sein!“ Bereits jetzt müssten zusätzliche Grünflächen für die Erweiterung von Parkplätzen herhalten. Der Klettersteig werde den Verkehrsdruck nur noch erhöhen.

Einen anderen Aspekt hebt Helmut Scheel, Vorsitzender der ÖDP Füssen/Altlandkreis, hervor, in dem er auf die großen Menschenmengen auf den Bergen hinweist. „Die vielen Menschen, welche bereits jetzt auf dem Breitenberg anzutreffen sind, drängen die Tiere immer weiter zurück. Genau unterhalb des geplanten Routenverlaufs finden diese aber derzeit noch ein Rückzugsgebiet, welches mit der Errichtung des Klettersteiges vernichtet würde.“

Sogar ein Verstoß gegen das besondere Artenschutzgesetz liege in Bezug auf die in diesem Gebiet lebenden bedrohten Birkhühner vor. Zu diesem Ergebnis seien die Stellungnahmen und Gutachten gekommen, die eingeholt und teils im Auftrag der Gemeinde erstellt wurden. Die beiden Vorsitzenden kommen daher zum einhelligen Schluss, dass der geplante Steig abzulehnen sei und fordern die Gemeinde auf, dem Gemeindenetzwerk „Allianz für die Alpen“ beizutreten. „Unsere Landschaft und Natur ist unser Kapital für den Tourismus der Zukunft“, resümiert Brunhuber. „Diese muss erhalten und geschützt werden.“

Suche nach Lösungen

Auch vor Ort finden die Kritiker Zustimmung mit ihren Bedenken und einige Bürger positionieren sich gegen die Planung des Klettersteigs am Breitenberg. Die Organisation „Pro Natur Pfronten“ sucht Mitbürger, die mit ihrer Unterschrift die Petition unterstützen und damit auf demokratischem Weg gegen den Bau des Steigs im Rückzugsgebiet vieler Tiere stimmen.

Diese Bedenken nehme der Gemeinderat sehr ernst, betont Bürgermeister Haf. Zeitweise stand demnach sogar ein Bürgerbegehrens im Raum. Diese halte er aber für unnötig.

Tatsache sei aber auch, dass der bisher festgestellte Rückgang verschiedener Wildtier-Arten nicht vom Klettersteig kommen könne, so dass unabhängig davon Maßnahmen zur Verbesserung ergriffen werden müssten. „Unser Ziel ist es, gemeinsam mit den verschiedenen Akteuren, mit Beschilderung, Aufklärung und Information über ein umweltschonendes Verhalten, sowie mit einem Parkplatzkonzept eine wirksame Besucherlenkung zu erreichen“, sagt der Bürgermeister. „Und dann kann das weitere Vorgehen abgewägt werden.“

Emily Foitzik

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