"Das war kein Spaziergang"

Die Füssener Polizeihauptmeisterin Andrea Fronius ist die erste Bootsführerin des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West

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Vom Wasser aus haben die Polizisten einen besseren Blick auf das Ufer des Forggensees und das dortige Landschaftsschutzgebiet als von Land.
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Vom Wasser aus haben die Polizisten einen besseren Blick auf das Ufer des Forggensees und das dortige Landschaftsschutzgebiet als von Land.

Füssen – „Ist das ein gekentertes Boot?“ An Bord herrscht plötzlich Anspannung. Monoton brummend hat WSP 8 bisher seine Bahnen über den Forggensee gezogen. Doch nun blicken Bootsführerin Andrea Fronius und ihr Kollege Thomas Meiler von der Füssener Wasserschutzpolizei gespannt nach Backbord. 

Am Ufer einer kleinen Landzunge kurz hinterm Kraftwerk liegt ein größerer grün-rosa schimmernder Haufen Plastik. „Das ist eine aufblasbare Badeinsel“, sagt Meiler und lässt das Fernglas wieder sinken. Die Polizeihauptmeisterin drückt den Gashebel nach vorne und das Boot setzt seine Fahrt am Westufer des Sees in Richtung Nord-Osten fort.

„Heute ist nicht viel los“, sagt Thomas Meiler. Tatsächlich ist der Himmel an diesem Vormittag leicht bewölkt und diesig, nur ab und an blitzt die Sonne durch. Auf dem türkis schimmernden See sind nur einige wenige Segler, Fischerboote und hin und wieder ein Stand-up-Paddler zu sehen. Die Wassertemperatur: knapp 18 Grad. Für den Nachmittag sind außerdem Gewitter vorhergesagt. Vieles spricht für einen relativ entspannten Tag an Bord von WSP 8. 

Und doch ist diese Patrouille der Wasserschutzpolizei eine besondere. Denn gesteuert wird das Boot von Andrea Fronius, 31 Jahre alt, Polizeihauptmeisterin und erste Bootsführerin im Bereich des gesamten Polizeipräsidiums Schwaben Süd überhaupt. Da der See im vergangenen Jahr kein Wasser hatte, ist es eine ihrer ersten Fahrten auf dem See. „Meine Idee war das eigentlich gar nicht“, lacht die junge Frau. „Aber mein Dienststellenleiter war der Meinung, das es mal an der Zeit ist, dass eine weibliche Person das macht.“ Lange überlegen musste sie nicht, wie sie sagt. Als ehemalige Leistungsschwimmerin hatte sie ohnehin schon immer eine besondere Beziehung zum Wasser. „Ich fühle mich auf und im Wasser einfach wohl“, erzählt sie. „So verbinde ich meine Freizeit mit meinem Beruf.“ Und was könne einem schließlich Schöneres passieren als in so einem Bereich wie dem Forggensee „Streife zu fahren“. 

Tatsächlich machen Fronius und Meiler genau das: Streife fahren. Nur eben nicht im Polizeiauto auf den Straßen rund um Füssen, sondern mit dem Boot der Füssener Wasserschutzpolizei, WSP 8, auf dem Forggensee. Bei WSP 8 handelt es sich um ein 7,5 Meter langes Aluminium-Sport-Boot, Typ Buster der FISCARS-Werft aus Finnland. Angetrieben wird das Boot von einem 150 PS starken Außenbordmotor, der WSP 8 bei Bedarf auf bis zu 60 km/h beschleunigt. „Wichtiger ist die Power aber, wenn man einen gekenterten Segler aufstellen will“, erklärt Thomas Meiler. Befähigt, dass Boot zu führen, sind neben Polizeihauptmeisterin Fronius noch sechs weitere Bootsführer der PI Füssen. 

Auf dem Forggensee Streife zu fahren hat die 31-Jährige, die seit 2011 bei der PI Füssen ist, im vergangenen Jahr auf einem Lehrgang in Nürnberg gelernt. Sechs Wochen lang hieß es neben der praktischen Ausbildung auf dem Main-Donau-Kanal auch die Theorie des Bootsführens zu lernen. „Das war Neuland für mich“, erzählt sie. Dazu kamen drei schriftliche und eine praktische Prüfung. „Das war kein Spaziergang“, erinnert sich die junge Frau. 

Verschiedene Vorrangregeln lernen

Unter anderem musste sie die verschiedenen Vorrangregeln für das Steuern eines Boots auf einem Gewässer lernen. Vorrang hat beim Kreuzen grundsätzlich, wer von steuerbord, also rechts, kommt. Andererseits gilt: Backbord-Bug vor Steuerbord-Bug. Aber: „Bei Segelbooten kommt es darauf an, von wo der Wind kommt.“ Boote mit gelber Flagge – etwa die Ausflugsdampfer der Forggenseeschifffahrt – haben dagegen immer Vorfahrt. Motorboote hingegen müssen wiederum Segler und Ruderboote Vorrang lassen. Wissen muss Fronius das alles, weil sie als Wasserschutzpolizistin fast dasselbe machen muss wie als Streifenpolizistin an Land. Etwa beim Zusammenstoß von zwei Segelbooten untersuchen, wie es zu dem Unfall gekommen ist – genau wie ihre Kollegen an Land bei einem Autounfall. 

Selbst ob einer der Bootsführer Alkohol getrunken hat, muss sie dann kontrollieren. Wie im Straßenverkehr gilt auch auf dem Wasser die 0,5 Promille-Grenze. 

Wildcamper aufspüren 

Darüber hinaus ist es ihre Aufgabe, Ausschau nach nicht oder nicht korrekt gekennzeichneten Booten zu halten. Denn die müssen jedes – wie ein Auto ein Nummernschild – eine eigene Nummer haben. Zu schauen, ob die Boote einen Motor haben und ob dieser vom Landratsamt genehmigt wurde, gehört ebenfalls zu ihren Pflichten. Denn grundsätzlich sind Motorboote auf dem Forggensee verboten und die Höchstgeschwindigkeit ist auf 20 km/h beschränkt. Das zu kontrollieren ist jedoch schwierig, da es auf dem Wasser keine Messgeräte wie im Autoverkehr gibt. 

Im Vergleich zur Straße gehe es auf dem See aber selbst im Hochsommer bei viel Verkehr viel entspannter zu, berichtet sie. „Hier hilft einer dem anderen. Es pocht nicht jeder auf sein Recht.“ Böse Worte bei Bootskontrollen habe sie im Gegensatz zum Straßenverkehr auch noch nie gehört. Zu den wichtigsten Aufgaben von Fronius und ihren Kollegen gehört aber vor allem, Angler und Fischer zu kontrollieren und sicher zu stellen, dass niemand gegen die Bestimmungen des Landschaftsschutzgebiets (LSG) verstößt. Dazu gehört auch die Überwachung der Zufahrtsstraßen zum See. Dafür sei das Boot viel besser geeignet als eine normale Streife. 

„Vom Wasser aus sehe ich einfach mehr“, erklärt sie. Etwa, ob am Ufer ein Feuer gemacht und gegrillt wird oder ob Zelte oder Autos widerrechtlich dort stehen. „Das kontrollieren wir sehr genau!“ Von der Straße aus könne das aber keine normale Streife erkennen. Daher wollen die Beamten der Füssener Wasserschutzpolizei heuer auch im Dunklen kontrollieren. Weil die Wasserschutzpolizisten die bei Wildcampern beliebtesten Plätze mittlerweile kennen, hält Fronius an diesem Vormittag nach dem Ablegen von WSP 8 aus der kleinen Bootshütte der Polizei bei Dietringen gleich Kurs auf den Illasbergsee. „Jetzt ist die Chance noch hoch, dass Wildcamper noch da sind“, erklärt die Polizeihauptmeisterin. Kollege Meiler ergänzt: „Mit der Zeit bekommt man ein Gespür. Das ist wie bei der Fahndung oder den Grenzkontrollen.“ Diesmal ist aber niemand da. Vielleicht liegt es daran, dass es am Tag zuvor geregnet hat. Dafür hatte eine andere Besatzung einige Tage zuvor mehr Erfolg und in der Nähe einige Wildcamper erwischt. Die müssen nun mit einem saftigen Bußgeld vom Landratsamt rechnen. Eine Gruppe war sogar mit dem Camper über die Wiesen direkt bis ans Wasser gefahren. „Eine Unverschämtheit“, schimpft Thomas Meiler. Im schlimmsten Fall drohen den Sündern bis zu 10.000 Euro Bußgeld. 

Bis zu 30 Meter Tiefe 

Fronius wendet unterdessen das Boot und fährt das Ostufer ab. Aber auch hier ist heute niemand zu sehen. Deshalb drückt sie den Gashebel etwas stärker nach vorne und das Boot beschleunigt sofort spürbar. Kurz darauf kreuzt es auf der anderen Seite vor dem Festspielhaus. Dort legen die „MS Füssen“ und die „MS Allgäu“ gerade gleichzeitig ab. Von hier aus überwacht die Wasserschutzpolizei die Königswinkel-Open-Air, erzählt die Bootsführerin. Dann müssen zum Beispiel bei Einbruch der Dunkelheit die Segelboote, von denen aus der Musik gelauscht wird, zu ihren Anlegeplätzen zurück geschickt werden. Auf dem See herrscht Fahrverbot im Dunklen. 

Vom Festspielhaus aus geht es am Westufer entlang zurück in Richtung Dietringen. Unterwegs sichtet Fronius plötzlich den grün-rosa Haufen Plastik am Ufer, der sich aber als Badeinsel entpuppt. Auch auf Höhe des Riedener Tierheims schauen die beiden Polizisten noch genauer hin als sonst. Denn in die kleine Bucht dort darf kein Boot hinein fahren. 

Viel Treibholz 

Weil auch hier alles in Ordnung ist, steuert Fronius zum Schluss dieser ersten Fahrt an diesem Tag noch den Staudamm bei Roßhaupten an. Hier heißt es aufpassen: vor der Staumauer haben sich viele treibende Baumstämme und anderes Treibholz gesammelt. Die Instrumente von WSP 8 zeigen eine Wassertiefe von annähernd 30 Metern an. Ein Unfall hier könnte fatale Folgen haben. Weil bis auf einen einsamen Badenden im Unterholz am Ufer nichts besonderes zu sehen ist, beschließen die beiden zurück zur Anlegestelle nach Dietringen zu fahren. Vielleicht ist nach der Pause am Nachmittag ja mehr auf dem See los.

Matthias Matz

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