Antikulturelle Messlatte?

Das Festival Vielsaitig – hier das Verdi-Quartett bei seinem Konzert dieses Jahr – war ein Erfolg. Stadtrat Gabriel Guggemos fordert Infos über Kosten und Besucher, beim Kulturamt befürchtet man, dass für Kultur dann falsche Maßstäbe angesetzt werden. Foto: Archiv

Das städtische Kulturamt hat im vergangenen Jahr weniger ausgegeben und mehr eingenommen als geplant. Das gab Karina Hager von der Verwaltung am Dienstag im Kulturausschuss bekannt. Gestritten wurde im Gremium trotzdem – denn vor allem Gabriel Guggemos (Füssen-Land) forderte detailliertere Informationen über Kosten, Einnahmen und Besucherzahlen der Veranstaltungen.

212 800 Euro waren für vergangenes Jahr an Ausgaben des Kulturamts veranschlagt. „Bisher sind wir noch unter diesem Ansatz und werden ihn nicht überschreiten“, versprach Hager. Die angesetzten Einnahmen von 52000 Euro habe das Amt hingegen bereits jetzt erreicht, gab sie an. Insgesamt 120 Veranstaltungen organisierte das Amt heuer selbst, von der Kaisersaalkonzerten, über das Festival Vielsaitig bis zu Lesungen und Filmvorführungen. Insgesamt 8500 Besucher kamen in die Veranstaltungen, die in eigenen Räumen stattfanden, die Auslastung betrage 85 Prozent. Für dieses Ergebnis und für die erfolgreiche Arbeit des kleinen Kulturamt-Teams hatten die Räte auch viel Lob übrig. Gabriel Guggemos forderte allerdings detailliertere Informationen, und zwar schriftlich. „Ich kann die Veranstaltungen nicht beurteilen, warum kriegen wir das nicht auf den Tisch?“ fragte er. Bereits mehrfach habe er darum gebeten. Einen Abschlussbericht werde er Anfang kommenden Jahres bekommen, wenn auch die Zahlen des Museums vorliegen, versprach ihm Bürgermeister Paul Iacob (SPD). Er rügte Guggemos aber auch dafür, da der Weißenseer auf einer Veranstaltung seiner Gruppierung, Füssen-Land, kürzlich von sinkender Auslastung bei städtischen Veranstaltungen gesprochen habe, obwohl ihm die Infos nach eigenen Angaben fehlten. Kaufmännisch überprüfen „Ich kann Künstlerhonorare aus Datenschutzrechtlichen Gründen nicht veröffentlichen“, schränkte Karina Hager die Möglichkeit, über Kosten Auskunft zu geben, ein. Gegen das Aufrechnungen der Kosten und Gewinne pro Veranstaltung sprach sich Kulturamtschef Thomas Riedmiller vehement aus. „Das ist eine antikulturelle Messlatte“ kritisierte er. Dem widersprach Stadtrat Martin Lochbihler (CSU). Auch Kulturveranstaltungen müssen sich kaufmännisch überprüfen lassen. Sonst herrscht keine Transparenz“, erklärte er. Er kritisierte zudem, dass bereits Geld für Veranstaltungen ausgegeben werde, bevor der Haushalt verabschiedet sei. Das, erklärte Stadträtin Brigitte Protschka (SPD), sei in der Kulturarbeit nötig, da viele Künstler nur lange im voraus buchbar seien.

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