Bürgermeister Iacob verteidigt Bauverwaltung gegen Kritik

"Sind keine Schildbürger"

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Schildbürgerstreich oder komplexes Bauvorhaben? Die Sanierung des alten Landratsamtes in der Augsburger Straße sorgt für Diskussionen.

Füssen – Schilda ist eine tatsächlich existierende Gemeinde im südlichen Brandenburg. Schilda ist aber auch die Stadt, in der Erich Kästner seine „Schildbürger“ ihr Unwesen treiben ließ.

Dorthin versetzt fühlt sich Stadtrat Dr. Martin Metzger (BfF), wenn es um die Sanierung des alten Landratsamtes geht. Mit deutlichen Worten hatte er im Bauausschuss das dortige Vorgehen der Stadtverwaltung kritisiert. Aus Sicht von Bürgermeister Paul Iacob (SPD) ist die Kritik jedoch ungerechtfertigt, wie er und die Spitzen der Bauverwaltung in einem Pressegespräch in der vergangenen Woche deutlich machten. „Meine Mitarbeiter sind keine Schildbürger“, betonte er. 

Zwar sei auch er davon ausgegangen, dass die Arbeiten schneller abgeschlossen werden könnten. „Aber wir haben hier gewissenhaft gearbeitet“, erklärte Iacob und wies damit die Kritik von Dr. Metzger zurück. Dieser hatte sich zuvor im Bauausschuss über allerlei anhaltende Provisorien auf der Baustelle geärgert (der Kreisbote berichtete). 

Wie mehrfach berichtet, muss im alten Landratsamt in der Augsburger Straße – in dem mittlerweile Arztpraxen und die „Kleiderkiste“ untergebracht sind – der Brandschutz erneuert werden. Denn unter anderem war im Zuge der jüngsten Umnutzung und den damit verbundenen Umbauarbeiten (eine Arztpraxis erweitert) aufgefallen, dass im Brandfall keine Evakuierung aus dem Erdgeschoss und dem 1. Stock möglich ist – es fehlte der sogenannte 2. Fluchtweg. Im Ernstfall wäre das alte Gebäude so womöglich zur Todesfalle geworden. Bürgermeister Iacob drohte im Sommer sogar damit, die Arztpraxis notfalls kurzfristig zu schließen. Daraufhin wurde in einer umstrittenen Aktion eine jahrhundertealte Esche gefällt, um zumindest eine Evakuierung per Feuerwehr-Drehleiter zu ermöglichen. 

Eine Nutzungsänderung für die mittlerweile seit vielen Jahren dort ansässigen Büros und Praxen war ebenfalls nie beantragt worden. Diese Versäumnisse aus der Vergangenheit müssten nun bereinigt werden, erklärte Iacob. „Auch deshalb dauert es etwas länger.“ 

Komplexe Arbeiten 

Füssens Bauamtsleiter Armin Angeringer verwies in diesem Zusammenhang auf die alte Substanz des Gebäudes, die die Arbeiten komplexer machen würden. „Die Zwischenböden der Decken mussten zum Beispiel auch untersucht werden“, erklärte er die Dauer der Arbeiten. „Damals hatte man beim Brandschutz nicht den Standard von heute.“ Mittlerweile sind die Arbeiten am und im Gebäude in vollem Gange – und werden länger dauern als zunächst gedacht. „Wir haben ein komplexes Bauvorhaben“, erklärte die verantwortliche Architektin Dorothea Babel-Rampp und verwies auf die Kombination als Alt- und Neubau. 

Der Notausstieg für die „Kleiderkiste“ sei mittlerweile bereits errichtet. Derzeit sei ein Statiker im Gebäude und man versuche einen Überblick über die Kosten zu bekommen. Außerdem soll das Gebäude im Zuge der Arbeiten auch energetisch modernisiert werden, erläuterte Babel-Rampp. Die geforderte Rettungstreppe an der Außenseite des Gebäudes soll schließlich im Frühjahr oder Frühsommer angebracht werden. 

Derzeit werden die Kosten für die Sanierung auf mindestens 500.000 Euro geschätzt. Bei dem derzeit von außen zu sehenden Gerüst handle es sich übrigens nicht um einen provisorischen Rettungsweg, sondern um das Baugerüst, betonten sowohl Iacob als auch Babel-Rampp. Gleiches gelte übrigens auch für einen der beiden Behindertenparkplätze. Dieser sei nur vorübergehend während der Bauarbeiten gesperrt. 

Nach deren Abschluss stehe er wieder wie gewohnt zur Verfügung. Über das gesamte Maßnahmenpaket zur Ertüchtigung des zum Teil über hunderte Jahre alten Gebäudes soll nun der Stadtrat im Dezember entscheiden.

Matthias Matz

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