Zunehmend mehr Asylbewerber in Füssen gehen arbeiten

"Der Sonnenschein im Betrieb"

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Arbeitet in der Restaurantküche des „Haus Hopfensee“: Negasi Fresehaye aus Eritrea.

Füssen – Die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Füssener Arbeitskreises Asyl versuchen weiterhin gemeinsam mit Brigitte Pecher von der Stadt Füssen Asylbewerbern, die arbeiten dürfen, eine Brücke ins Berufsleben zu bauen.

„Das ist im November schwerer geworden. Es gibt aber viele gute Beispiele dafür, dass sich nach dem Abschluss des Arbeitsvertrags auch langfristige Perspektiven ergeben“, so Pecher im Gespräch mit dem Kreisboten.

In den monatlichen Treffen im „Haus der Begegnung“ bei der Christuskirche geht es darum, Kontakte in gemütlicher Atmosphäre zu knüpfen. Wiederkehrende Themen sind Deutschkurse, Praktika zum Einstieg ins Berufsleben und – natürlich – richtige Jobs. Durch die Vermittlung von ehrenamtlichen Mitgliedern aus dieser Gruppe haben schon zahlreiche im Stadtgebiet wohnende Asylbewerber Arbeit gefunden.

Schnell eingearbeitet

Ein Beispiel ist Negasi Fesehaye, Jahrgang 1993. Er arbeitet mit einem anderen Asylbewerber aus Eritrea als Küchenhelfer bei Uli Pickl im „Haus Hopfensee“. In seiner Heimat Eritrea hat der neue Mitarbeiter des Restaurants in der Landwirtschaft gearbeitet. Dass er sich schnell in dem neuen Aufgabenbereich „Gastronomie“ entwickelt hat, demonstriert er lächelnd beim Zubereiten eines „Toast Hawaii“ und von Salattellern.

„Wir nehmen uns hier einfach die Zeit, um ein berufsbezogenes Deutsch zu lernen“, so Uli Pickl. Dabei erfahren die Küchenhelfer zum Beispiel, dass Eimer und Kübel denselben Gegenstand bezeichnen.

Zufriedene Chefs

 Ebenfalls seit geraumer Zeit in der Gastronomiebranche im Einsatz ist Mahmood Tariq. Der 31-jährige Pakistani – Absolvent einer Wirtschaftsschule – arbeitet im Service bei Saray Kebab. Murat Eroglu, der Chef des Pakistani, ist „sehr zufrieden“ damit, wie der Neuling seit zehn Monaten mit den Gästen umgeht.

Zur Belegschaft der Füssener Baufirma Scheibel gehört Dabo Karamo aus dem Senegal. Auch Elvis Williams ergriff seine Chance. Der 23-Jährige aus Uganda machte es dem Chef von Elektro Waitl in Füssen leicht, ihn nach zwei Tagen Probe in sein Team aufzunehmen. „Er ist absolut pünktlich, zeigt sich fachlich interessiert, lernt schnell und ist mit seiner immer guten Laune der Sonnenschein im Betrieb“, sagt Franz Brekl über den „lieben Kerl“ aus Afrika, der mit dem Radl kommt, um 7.30 Uhr auf der Matte steht und auf der Baustelle bis 16.30 Uhr durchhält.

Erfolgreicher Torwart

Aladji Tandjigora, genannt Ibrah, aus Mali hat in Rieden am Forggensee bei Pro Metall eine Anstellung gefunden. Am Wochenende steht er natürlich nicht an einer Maschine, sondern im Tor des örtlichen Fußballclubs in der Kreisklasse. Die Kontakte zu den Arbeitgebern kommen stets über einem Königsweg zustande.

Ingun Homrighausen vom Arbeitskreis Asyl betont die besondere Bedeutung eines Praktikums. Obwohl die Mitarbeiter im Arbeitskreis Asyl vor Praktikumsbeginn darauf hinweisen, dass dieses Hineinschnuppern in den Betrieb keine Garantie auf eine spätere Beschäftigung sein könne, ist die Enttäuschung sehr groß, dass es nur bei der Orientierungsphase geblieben ist.

Praktika helfen

Doch es handelt sich um keine verlorene Zeit. Der Arbeitskreis, erklärt Homrighausen, habe „einen Bewertungsbogen für Praktikanten angefertigt“. Das ausgefüllte Formular kann zum Vorteil im Rahmen der weiteren Arbeitsuche werden. Bei Praktika, Probearbeit oder Festanstellung verläuft – nach Angaben des Arbeitskreises Asyl – die Zusammenarbeit mit der zuständigen Ausländerbehörde positiv, denn Marktoberdorf reagiere, so die Erfahrungen, auf die entsprechenden zahlreichen Anfragen „zeitnah und zuverlässig“.

Viele wollen, dürfen aber nicht

Viele Asylbewerber möchten gerne arbeiten, doch noch ist es ihnen untersagt. Wie ein Spotlight zeigt, verläuft die Entwicklung hier aber recht positiv. Der Besuch in einer Unterkunft in Füssen zeigt, dass bereits 35 der hier wohnenden 40 Asylbewerber zur Arbeit gehen können – sprich mit dem Radl fahren oder regelmäßig im Auto von Kollegen mitgenommen werden. In einer anderen Unterkunft stehen 15 von 25 Asylbewerbern im Arbeitsverhältnis.

 Nicht immer ist dieses Verhältnis aber so positiv, denn die Job-Chancen bei den Neuankömmlingen aus meist afrikanischen Ländern sind nicht unbedingt mit denen zu vergleichen, die bereits monatelang hier vor Ort die deutsche Sprache pauken. Es gibt aber bereits drei Berufsschüler, die beim Lernen des Unterrichtsstoffs von ihren Lernpaten unterstützt werden.

Chris Friedrich

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