Mehr Bewegungsfreiheit durch Carsharing

Arbeitskreis Mobilität diskutiert über Carsharing- und flexibles Ortsbussystem in Pfronten

Hinweisschild, das zum Carsharing führt.
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Über ein Carsharing- und flexibles Ortsbussystem für die Gemeinde Pfronten hat jetzt der Arbeitskreis Mobilität diskutiert.

Pfronten - Über ein Carsharing- und flexibles Ortsbussystem für Pfronten hat jetzt der Arbeitskreis Mobilität diskutiert, den die Gemeinde Pfronten ins Leben gerufen hat. Zwölf Teilnehmer berieten sich in einer Online-Sitzung zu den Themen, bei der Clemens Deyerling von der Omobi Gmbh sowie die beiden Vorstandsvorsitzenden von Carsharing Kaufbeuren e.V. Hartmut Meier und Christian Vavra über ihre Erfahrungen sprachen.

„Das übergeordnete Ziel eines ganzheitlichen Mobilitätskonzeptes ist es, die Lebensqualität in Pfronten zu erhöhen, den Autoverkehr zu reduzieren und allen eine flexible Mobilität auch ohne eigenes Auto zu ermöglichen“, sagte Jan Schubert, der als Leiter der Stabstelle Ortsentwicklung die Sitzung moderierte. Dies gehöre heute und in der nahen Zukunft zur Grundversorgung einfach mit dazu. Auch Touristen erwarten zunehmen solch ein Angebot, betonte er.

Wichtig für den Pfrontener Bürgermeister Alfons Haf (Pfrontner Liste) ist es, bei diesem Thema möglichst viele mit einzubinden. „Wir sind jetzt schon 24 Teilnehmer“, freut sich Haf. „Jeder Tatkräftige, der etwas vorantreiben möchte, kann sich hier einbringen. Ich freue mich auch sehr über junge Leute“, ermutigt er.

Ein flexibler Bus auf Abruf

Dass Alternativen zum eigenen Auto auch auf dem Land erfolgreich sein können, zeigt das Ortsbussystem Omobi in Murnau. Der Bus fährt täglich zwischen 6 und 20 Uhr und funktioniert auf Abruf. „Feste Haltestellen und feste Uhrzeiten wie beim klassischen Linienverkehr gibt es nicht. Das macht es so einfach“, informierte Clemens Deyerling. Jeder könne per App oder Telefon bei Bedarf den Fahrer kontaktieren. Leere Fahrten gebe es somit nicht. Eine Fahrt kostet einheitlich zwei Euro. Eine intelligente Software von „Door2Door“ aus Berlin berechnet innerhalb von Sekunden, welche Routen die effizientesten sind, um Fahrgäste ein- und aussteigen zu lassen und um Fahrgäste, die eine ähnliche Route haben, zu bündeln.

„Der Bus wird ausgesprochen gut angenommen und ist sehr gut ausgelastet“, erklärte Deyerling. Er unterstrich, dass ein solcher Ortsbus keine Konkurrenz zu den örtlichen Taxiunternehmen darstellt, sondern diese in das System integriert werden können, wenn das gewünscht ist. Gerade für Jugendliche oder ältere Menschen bedeute das ein Mehr an Freiheit und Sicherheit auf der Straße.

Carsharing funktioniert auch auf dem Land

Mit bald sieben Autos in Kaufbeuren und anderen Allgäuer Gemeinden und einer guten Auslastung beweist der Kaufbeurer Carsharing-Verein, dass ein solches System auch auf dem Land funktionieren kann. „Wichtig dabei ist nur, dass es Ehrenamtliche gibt, die sich hier engagieren und sich beispielsweise um die Autos kümmern“, erklärt Hartmut Meier. Denkbar wäre das auch für Pfronten, so Meier. So könnten auch Gastgeber Vereinsmitglieder werden und die Fahrzeuge dann ihren Gästen zur Verfügung stellen.

Die meisten Autos werden elektrisch betrieben – ein Plus für die Klimabilanz. Weiterer Vorteil: „Dieses Prinzip ,Leihen statt Besitzen‘ ist um einiges billiger, als persönlicher Besitz und entspricht einem erstarkenden Trend“, resümiert Vávra.

Alternative Mobilität kann den Bedarf an Stellplätzen senken

Ein Angebot an Carsharing-Autos verschiedener Größe, einem flexiblen Ortsbussystem und einem Erstarken der Fahrradkultur könnte den Bedarf an Parkplätzen für Autos senken, ist der Arbeitskreis überzeugt. Ein Stellplatz für ein Carsharing Auto ersetze demnach mehrere Privat-Pkw-Stellplätze, ebenso haben auf einem Auto-Stellplatz mehrere Fahrräder Platz.

Bauträger neuer Wohnbaugebiete oder größere Beherbergungsbetriebe könnten dadurch ihren Bedarf an Parkplätzen reduzieren und somit die Flächenversiegelung verringern. Als Beispiel führt der Arbeitskreis die Stadt Freiburg im Breisgau auf. Sie habe bereits in ihrer Stellplatzsatzung die Anzahl der benötigten Stellplätze verringert, wenn in Wohnanlagen ein Mobilitätskonzept vorhanden ist beziehungsweise ein örtliches Angebot an Carsharing-Autos besteht.

Eine Fahrradachse durch Pfronten

Bürgermeister Alfons Haf, der bereits vor seiner Amtszeit als Vorsitzender des Pfrontener Forums ein Radkonzept für Pfronten mitentwickelt hatte, will ein solches nun in die Tat umsetzen. „Ich möchte die aktuellen hohen Fördermöglichkeiten, die es für den Ausbau der Fahrradinfrastruktur derzeit gibt, heuer und in den kommenden Jahren voll ausschöpfen und würde mich freuen, wenn sich dadurch noch mehr dazu ermutigt fühlen, öfter mal das Auto stehen zu lassen“, so Haf.

Über das Parkraummanagement als vierten Pfeiler des Pfrontener Mobilitätskonzeptes beraten die Gemeinderäte derzeit.

kb

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