Pläne des WAF für Hotel-Neubau in Hohenschwangau stoßen auf Kritik und Ablehnung

Enttäuschung auf allen Seiten

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Das Lisl-Alpenrose-Areal von Schloss Hoehnschwangau aus gesehen. Verschwinden werden/sollen das Thoma-Haus (zwischen „Lisl“ und „Galeria“) sowie die „Galeria“ (hinter dem Bräustüberl) um Platz zu machen für die Neubauten. Gut zu erkennen ist der unterschiedliche Baustil der Gebäude  zwischen „Alpenrose“ (rechts) und dem „Lisl“ (links). Davor steht das Jägerhaus, ein alter Bettentrakt, der erhalten werden soll.

Schwangau – Weder konnte noch wollte Schwangaus Bürgermeister seine Gefühle und die seiner Ratskollegen im Bauausschuss verhehlen: „Wir sind schon etwas enttäuscht“, beschrieb Stefan Rinke die Stimmung angesichts der Pläne des Wittelsbacher Ausgleichsfonds (WAF) für den Umbau Hohenschwangaus.

Dabei fielen unter anderem auch Begriffe wie Zimmercontainer, krasser Kontrast, einfallslose Fassade und Vergleiche zu Hinterhofbauten. Da die zu treffende Entscheidung Generationen betreffe, vertagten die Ausschussmitglieder eine Entscheidung. Nun muss der Architekt nachbessern.

Michael Weissenbach war der erste, der nach der Präsentation des Architekten Johannes Wegmann (siehe eigener Artikel) das Wort ergriff und den Finger in die Wunde legte. Neben der zunächst nicht beantworteten Frage der Stellplätze kritisierte der Gemeinderat die fehlende Qualität der Fassade. Eine Ansicht, der sich auch Robert Berchtold anschloss. Die Pläne seien zwar funktionell gut durchdacht.

 Aber auch er bemängelte die Erscheinung und verwies auf die alten Gebäude, die gut gegliedert seien und wo sich nicht Fenster an Fenster reihe. Und entgegen Wegmann, der zuvor betonte hatte, dass der gut 60 Meter lange Gebäuderiegel neben dem „Lisl“ nicht auffalle, meinte er: „Der Block ist vom Schloss Hohenschwangau zu sehen!“ Als beispielhaft sei dagegen der Galeria-Bau zu sehen, so Berchtold. „Der hat sich angepasst“, so der Forstdirektor, und füge sich in das Ensemble zwischen „Lisl“ und „Alpenrose“ ein.

Auch Gisela Lederer sprach von einem krassen Kontrast. So bemängelte sie, dass an den Neubauten jegliche Gliederung und auch die Fensterläden fehlten.

Scharfe Kritik

 Auch anderen Gemeinderäten ging es vor allem um das Erscheinungsbild des Vorhabens. Unter anderem wurde der Vergleich gezogen „mit dem, was der Hubert Schmid im Hinterhof Füssens baut“.

Man müsse sich mehr an die vorhandene Substanz annähern, forderte Ratsmitglied Lederer. Architekt Wegmann lehnte Elemente wie Holz, Zinnen oder kleine Balkone wie an den benachbarten Gebäuden allerdings ab. Ein Kontrast an sich, so die Räte weiter, sei zwar in Ordnung. Aber man müsse darauf Rücksicht nehmen, dass Hunderttausende Touristen und Gäste tagtäglich vom Schloss Hohenschwangau auf die Neubauten schauen würden.

 Zwar gefiel den Räten die Idee, mit Hilfe der großen Fenster nicht nur das Licht, sondern auch das Umfeld nach drinnen zu holen, wie es Wegmann erläutert hatte. Dennoch stieg genau diese Fensterfassade bzw. Panoramafenster ebenso auf Ablehnung wie die weißen Fassadenplatten, die der Planer angedacht hatte.

Dabei fiel auch der Begriff „einfallslos“ im Hinblick auf die „Zimmercontainer mit Satteldach“. Hier dominiere die Funktion über die Gliederung, die die Räte immer wieder – bei privaten Häuslebauern – fordern. Robert Berchtold fügte an, dass man mit der Galeria ein „schönes Haus“ abbreche, während danach ein Zweckbau komme. Zeit wird knapp Anregungen, die Architekt Johannes Wegmann zur Kenntnis nahm, während er sichtbar bemüht war, seine eigenen Enttäuschung nicht zu sehr zu zeigen.

Man könne natürlich keine Stilelemente aus der Historie übernehmen, gab er zu bedenken, gleichwohl werden er und sein Team nun nachbessern müssen. Und die Zeit drängt, sollen nicht wertvolle Fristen verstreichen.

Doch damit hatten die Räte ihr Pulver noch nicht verschossen. Denn wie Weissenbach eingangs bemerkte, war Wegmann nicht auf die Stellplatzfrage eingegangen. Und die ist aus Sicht der Räte ein weiterer Stein des Anstoßes. Denn der Architekt hatte die notwendigen 117 Parkplätze der Einfachheit halber auf dem nahegelegenen Alpseeparkplatz untergebracht.

„Der Nachweis ist nicht die Frage. Aber entsprechen oberirdische Parkplätze der Qualität des Standortes?“, fragte Michael Weissenbach. Seit Jahren versuche die Gemeinde Schwangau ein Konzept für Hohenschwangau zu erarbeiten.

Wobei alle Beteiligten bislang versucht hatten, den Ort zu beruhigen und so weit als möglich Stellplätze nach außen zu verlagern. Nun werde das Gegenteil geplant. „Es wäre gut, wenn sie weg wären“, sagte Gemeinderat Weissenbach. Robert Berchtold ergänzte: „Wir graben halb Hohenschwangau um und verbauen weiß Gott was alles im Untergrund“. Aber man schaffe keine Parkmöglichkeit im Untergrund.

 „Ist das die Qualität, die man will?“, wollte Berchtold wissen. Nachdem sich die Räte einig waren, die vorgelegten Pläne so nicht absegnen zu wollen, wurde beschlossen, eine weitere Bauausschusssitzung innerhalb von vier Wochen anzuberaumen. Innerhalb dieser Zeit muss Wegmann nun umfassende Änderungen einarbeiten und die beanstandeten Planungsmängel beseitigen. „Die Auftragstellung ist klar“, sagte er.

Oliver Sommer

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