Firma Glass will Gesamtkonzept für Magnuspark erstellen

"Ein großer Fortschritt"

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90 Mieter, darunter hauptsächlich Existenzgründer aber auch Fortbildungsinstitute, Logistikunternehmen und Künstler, sind derzeit im Magnuspark beheimatet. Was fehlt sind jedoch Wohnungen, erklärte Architekt Thomas Meusburger. Diese könnten punktuell an den Einfahrtsbereich des Magnusparks gesetzt werden.

Füssen – Eigentlich sollte die Firma Glass den denkmalgeschützten Mühlkanal am Magnuspark bis zum 31. Juli in Teilen wieder herstellen.

So lautete die Forderung des Landratsamtes Ostallgäu. Doch daraus wird erst einmal nichts. Denn die Firma möchte ein Gesamtkonzept für die weitere Entwicklung des Areals auf den Weg bringen. Das sieht unter anderem Wohnungen vor, wie Architekt Thomas Meusburger von „f64 architekten“ bei der Vorstellung am Dienstag im Stadtrat erklärte.

Die Firma Glas wollte im vergangenen Jahr die alten Hanfwerke am Lech wieder auf Vordermann bringen. Deshalb ließ sie Bäume fällen, Büsche roden und das Bachbett des ehemaligen Mühlbachs verfüllen und verrohren. Dagegen hatte allerdings das Landratsamt etwas: Denn der 230 Jahre alte Kanal ist ein in der Denkmalliste eingetragenes Baudenkmal und dient darüber hinaus bei Hochwasser als Retentionsraum (der Kreisbote berichtete mehrfach).

Deshalb sollte Glass den Kanal bis Ende Juli wieder herstellen. Das Problem dabei: Bis auf weiteres hätte man nicht mehr auf das Areal fahren können, erklärte Bauamtsleiter Armin Angeringer. 

Gesamtkonzept erwünscht

In weiteren Gesprächen mit dem Landratsamt wurde klar, dass man eigentlich ein Gesamtkonzept für das Areal möchte, das den historischen Hintergrund und die „zwingenden Anforderungen des heutigen Städtebaus“ berücksichtigt. Zudem will die Stadtverwaltung das ganze Areal in das Integrierte städtebauliche Entwicklungskonzepte (ISEK) hineinbekommen, das derzeit erstellt werde, um Fördermöglichkeiten zu erhalten, erklärte Bürgermeister Paul Iacob (SPD). 

Wenn jetzt aber die Frist für die Wiederherstellung des Mühlkanals ablaufe, ohne das was passiere, müsste das Landratsamt handeln. „Wir brauchen eine Fristverlängerung“, sagte der Rathauschef, damit das Gesamtkonzept auf den Weg gebracht werden könne. 

Was dafür bereits getan wurde, stellte Architekt Meusburger vor. Seit Mai erarbeite sein Büro ein Strukturkonzept bzw. einen städtebaulichen Rahmenplan für den Magnuspark. Dabei hätten seine Mitarbeiter erst einmal die Grundlagen gesichtet und sich mit den zuständigen Behörden abgesprochen. Und es wurde klar, dass Auflagen im landschaftspflegerischen Bereich, beim Denkmalschutz und beim Retentionsraum Lech zu berücksichtigen seien. 

So sage die Landschaftspflege, dass die Bäume entlang des Flusses erhalten werden müssten. Gleiches gelte für den Denkmalschutz. „Im wesentlichen ist dieser auf die Kanäle beschränkt“, so Meusburger. Daneben gebe es noch einige Bodendenkmäler. Bei den Gebäuden falle jedoch nur der Kopfbau unter diesen Schutz. Beim Retentionsraum nehme das Wasserwirtschaftsamt derzeit eine Neubewertung vor, erklärte der Architekt. Die Ergebnisse liegen aber noch nicht vor.

Insgesamt sei der Magnuspark wie eine kleine Stadt. „Was fehlt sind Wohnungen und der ein oder andere Laden.“ Zudem mangle es in Füssen an freien Wohnungen. Und im Magnuspark gebe es „sicher attraktive Lagen“ dafür. 

Das Konzept sieht derzeit Wohnbebauung direkt am Wasser vor. Betriebe und Industrie sollen sich dagegen entlang der Tiroler Straße ansiedeln. Der Bereich dazwischen könne als Vernetzung zwischen den beiden Bereichen dienen. Aber: „Das Nadelöhr ist vorne die Mühlbachöffnung.“ Durch diese werde der Manguspark erschlossen; hierdurch müssten die Verkehrsströme gelenkt werden. 

Und dafür gebe es verschiedene Varianten: Entweder könnte der gesamte Verkehr über eine Zufahrtsbrücke gelenkt werden. Oder diese könnte nur für Fußgänger und Radler geöffnet werden und der übrige Verkehr werde über eine Straße parallel zur Tirolerstraße geleitet.

 Eine andere Möglichkeit wäre die Fußgänger und Radler am Lech entlang zu führen und somit einen anderen Blick auf die Stadt zu ermöglichen – „ein sehr, sehr spannendes Thema“, so der Architekt. Eine weitere Variante wäre, den Mühlkanal komplett zu öffnen und damit auch den Fuß- und Radweg zu verlegen.

Überhaupt soll der historische Kanal nicht einfach nur ausgegraben, sondern in ein „Freiraum- und Landschaftskonzept“ eingebettet werden, erklärte der Architekt. 

Weiter sieht er für den Eingangsbereich „punktuellen Wohnungsbau“ mit Tiefgaragen vor. 

Alle Alternativen zeigen

Derzeit sei sein Team dabei „alle Alternativen aufzuzeichnen, vorzudenken und mit verschiedenen Akteure abzustimmen“, erklärte der Architekt. „Es geht darum, dass Sie wissen, was da unten im Großen und Ganzen passiert“, bekräftigte Iacob.

 Das Landratsamt wisse Bescheid und sei damit einverstanden. Um diesen Weg weitergehen zu können, müsse der Stadtrat aber sein „Okay“ geben. Inhaltliche Details seien dabei noch nicht wichtig, sagte Angeringer. Diese müssten im Zuge von ISEK zunächst mit der Regierung von Schwaben abgestimmt werden. Sonst bestehe die Gefahr, dass das Projekt aus der Förderung falle. 

Insgesamt kam das Gesamtkonzept gut bei den Stadträten an. „Wenn wir diesen Schritt mitgehen, haben wir in absehbarer Zeit ein Quartier, das der Stadt Füssen zur Ehre gereicht“, meinte Andreas Ullrich (FW). Deshalb sprach er sich grundsätzlich dafür aus. 

Keine Verpflichtung

Grünes Licht gab auch Ursula Lax (CSU). Sie hatte allerdings ein Problem mit dem vorgestellten Zeitplan. „Wenn wir das heute beschließen und diesen Zeitplan nicht einhalten können und wollen, sind wird dann gebunden?“, wollte sie wissen. 

Das sei nicht der Fall, sagte Iacob. Der Stadtrat könne diesen immer noch abändern oder ganz aus dem Projekt aussteigen. Derzeit komme es nur auf die „grundsätzliche Ebene“ an, erklärte Hauptamtsleiter Andreas Rist. Dieser Beschluss sei für das Landratsamt wichtig.

 Eine Formulierung hielt dagegen Dr. Christoph Böhm (CSU) für irreführend. Der Mühlkanal müsste auf Grundlage der denkmalrechtlichen Vorgabe und nicht auf Grundlage des städtebaulichen Rahmenplans wieder hergestellt werden. Ihm kam die in den Plänen eingezeichnete Öffnung aber zu kurz vor. „Wir sind an die Grundlagen gebunden“, erklärte der Meusburger.

Wenn das Denkmalamt die Vorgaben ändere, werden diese entsprechend eingezeichnet. Am Ende sprach sich das Gremium einstimmig für das Grundsatzkonzept und die Absprachen mit der Regierung von Schwaben aus – ein „großer Fortschritt“ und „ein ganz gewaltiger Schritt“ in der weiteren Entwicklung des Areals, beurteilte Iacob diese Entscheidung.

Katharina Knoll

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