Für ein friedliches Miteinander

Architekt stellt Machbarkeitsstudie für Füssener Jugendhaus und Sportstätten vor

Füssen aus der Luft
+
Im Sport- und Freizeitareal im Weidach wird derzeit fleißig gebaut. Ob hier auch das neue Jugendhaus der Stadt integriert werden kann, haben Architekten in einer Machbarkeitsstudie untersucht, die jetzt im Stadtrat vorgestellt wurde.

Füssen – Jugenddisko, Konzerte oder auch einmal eine Geburtstagsparty: All das ist wegen Lärmproblemen mit den Nachbarn im derzeitigen Jugendzentrum nicht möglich. Deshalb entstand die Idee, ein neues Jugendhaus dort zu bauen, wo die Jugendlichen ohnehin schon sind: Am Skate- und Bikepark. Wie der Neubau in das gesamte Sport- und Freizeitareal im Weidach eingegliedert werden könnte, hat im vergangenen Jahr das Architekturbüro f64 untersucht – und dabei gleich noch die anderen Sportstätten, die Verkehrsanbidung und die Lärmbelastung der Anwohner unter die Lupe genommen. 

Herausgekommen ist ein „episches Werk“, das Architekt Thomas Meusburger jetzt den Stadträten vorstellte. Es sei ein „einfach anmutendes Projekt“ gewesen, das doch „eine gewisse Komplexität“, mit sich bringe, erklärte der Architekt. Im vergangenen Jahr habe sein Team deshalb mit allen Vereinen gesprochen und auch die Anwohner sehr intensiv in das Projekt miteinbezogen.

Bei den Untersuchungen habe sich herausgestellt, dass die Fläche neben der B16, zwischen Skateplatz und Baseballplatz, der beste Platz für ein neues Jugendhaus wäre. Für Konzerte oder andere Veranstaltungen reichen dort aber die Stellplätze nicht aus. Es sei jedoch denkbar, in unmittelbarer Nähe auf der Fläche des Krankenhauses, neben der Stadtmauer ein dreigeschossiges Parkdeck mit 141 Parkplätzen zu errichten, das sich in das Gelände einfügt.

Entsprechende Gespräche habe die Stadt bereits mit der Klinikverwaltung aufgenommen, nun muss noch der Verwaltungsrat darüber abstimmen. Und dort könne die Verwaltung auf die Unterstützung von SPD-Stadträtin Ilona Deckwerth setzen, wie diese erklärte. Da die Fläche zudem in einem „denkmalrechtlich sensiblen Bereich“ liegt, gab es bereits Vorgespräche mit den Denkmalschutzbehörden und dem Kreisbaumeister, informierte Meusburger.

Bis das Parkdeck aber gebaut ist, soll der Parkplatz am Vereinsheim des FC Füssen im Rotwandweg provisorisch um 28 auf 84 Parkplätze erweitert werden. Da der Parkplatz im Schwedenweg nicht mehr ausgebaut werden soll, decken diese Stellplätze „die bereits genehmigten Sportsachen ab, zum Beispiel den Baseballplatz“, erklärte der Architekt. „Diese müssen errichtet werden, sonst kann der Baseballplatz seinen Betrieb nicht aufmachen“ – oder einer der anderen Sportanlagen müsste schließen, weil der nötige Stellplatznachweis fehlt. Und auch die Baugenehmigung für die Erweiterung des Skateplatzes werde die Stadt dann nicht erhalten, ergänzte Hauptamtsleiter Peter Hartl.

»Komische Situation«

Damit Besucher diese Parkplätze über die größeren Straßen auch finden und sich nicht in den kleinen Straßen im Weidach verirren, schlug Meusburger ein kleines Parkleitsystem vor. Andere Anregung, wie den Parkplatz am Schwedenweg gebührenpflichtig zu machen und die Einbahnstraßenregelung im Faigele- und Wolkensteinweg probeweise umzukehren, hat das Kommunalparlament bereits beschlossen (der Kreisbote berichtete).

Was die Sportstätten anbelangt, herrsche im Weidach eine „ganz komische Situation“, so Meusburger. „Der Sport war früher da“, erst später seien Wohnhäuser immer weiter an die Sportanlagen herangerückt – mit Folgen. Zwar habe die Stadt einst versucht, über eine Grunddienstbarkeit zu regeln, dass die Anwohner den Sport tolerieren müssen, doch das sei ein „Papiertiger“, informierte der Architekt. „Das hat im Baurecht keine Bedeutung.“

Deshalb hat ein Schallschutzgutachter die Immissionen überprüft, die von den Sportplätzen aus auf die Nachbarschaft einwirken. Zusammen mit den Vereinen haben die Experten ein Nutzungs- und Betriebskonzept erarbeitet, das regelt, wann hier Sportveranstaltungen und der normale Trainingsbetrieb stattfinden dürfen. So sollen die Sportanlagen unter der Woche spätestens um 22 Uhr schließen. Deshalb sollen sie künftig eingezäunt und nur über Drehkreuze erreichbar sein. Hinweisschilder werden zudem auf die Nutzungsverordnungen aufmerksam machen, deren Einhaltung auch das Ordnungsamt kontrollieren soll.

Bolzplatz ist zu laut

Größere Probleme gibt es jedoch mit dem Allwetterplatz. Dieser überschreitet die Grenzwerte um 0,5 Dezibel. Dazu kommt, dass er seiner Zeit ohne Baugenehmigung errichtet wurde. „Das war früher üblich“, erklärte der Architekt. Deshalb müsse dies nun nachgeholt werden. Die Anwohner seien jedoch nicht bereit, unter diesen Voraussetzungen den nötigen Bauantrag zu unterschreiben. Die Folge: will die Stadt den Allwetterplatz auch in Zukunft weiter betreiben, muss sie eine Schallschutzwand aufstellen. Zu viel Lärm verursacht auch die Wertstoffinsel im Schwedenweg, weshalb sie um 40 Meter versetzt oder in den Rotwandweg umziehen müsste.

Handlungsbedarf sehen die Vereine auch bei ihren Sportstätten. So sind in der 90 Jahre alten und sanierungsbedürftigen Weidachturnhalle die Sanitär-, Umkleide- und Geräteräume mittlerweile zu klein. Hier empfahl der Architekt einen Anbau. Eine andere Möglichkeit wäre, das Vereinsheim des FC Füssen zu erweitern oder aufzustocken, um hier Duschen und Umkleideräume der Füssen Royal Bavarians und Türkgücü Füssen (TGF) unterzubringen. „Türkgücü Füssen würde gerne eine Jugendmannschaft aufbauen. Das ist bei der derzeitigen Situation aber schwierig“, so Meusburger, der zudem Ideen für die künftige Beleuchtung der Sportstätten vorstellte.

Keine Abstimmung

Weiter empfahl er Radler und Fußgänger im Bereich des Skate- und Bikeparks zu trennen. „Dort ist relativ viel los.“ Sein Vorschlag lautete, den Weg zwischen Park und Spielplatz für Fußgänger auszuweisen, während für Radler eine „Schnelltrasse“ entlang der B16 angelegt werden sollte.

Die Empfehlungen des Architekten nahmen die Stadträte zwar zur Kenntnis, zu weitreichenden Beschlüssen konnten sie sich allerdings nicht durchringen. Da sie die Beschlussvorlagen nicht vor der Sitzung bekommen hatten und deshalb nicht in den Fraktionen diskutieren konnten, fühlte sich Christine Fröhlich (FWF) nach eigenen Angaben überrumpelt. In der Folge diskutierten die Stadträte, über welche Beschlüsse sie gleich entscheiden und welche sie noch überdenken müssten.

Anschließend sprachen sie sich einstimmig dafür aus, die Lage des Zauns am Baseballplatz in den Planungsunterlagen zu versetzen, um nicht den geplanten Ausbau des Lechuferwegs zu gefährden. „Wir wollten nicht von der Ausschreibung der Baseballer überholt werden“, begründete Meusburger den kurzfristigen Beschlussentwurf. Alle anderen Beschlüsse verschoben die Räte jedoch auf die kommende Sitzung.

Zuvor hatte Dr. Martin Metzger (BfF) moniert, dass in der Studie zu wenig an die Sportler der TSG Füssen gedacht werde und sich die Stadt mit dem Krankenhaus-Parkplatz einen Partner ins Boot hole, mit dem die Stadt noch ihr blaues Wunder erleben werde.

UBL-Stadtrat Magnus Peresson wies dagegen auf einen ethnischen Konflikt hin. So würden entlang der Stadtmauer, am sogenannten Blutanger, 653 Verstorbene liegen – der genaue Ort sei jedoch ungewisse. Werde hier gebaut, müssten diese würdig umgebettet werden, appellierte der Historiker.

kk

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

20 Prozent der Wohnungen sind Zweit- oder Ferienwohnungen
20 Prozent der Wohnungen sind Zweit- oder Ferienwohnungen
Corona im Ostallgäu: Inzidenzwert in Kaufbeuren steigt deutlich über 50, im Landkreis auf über 30
Corona im Ostallgäu: Inzidenzwert in Kaufbeuren steigt deutlich über 50, im Landkreis auf über 30
Corona im Ostallgäu und Kaufbeuren: Kaufbeurer Inzidenz verdoppelt – Wert im Landkreis unverändert
Corona im Ostallgäu und Kaufbeuren: Kaufbeurer Inzidenz verdoppelt – Wert im Landkreis unverändert
Soziales und Bezirksumlage verursachen Mehrkosten – Ostallgäuer Kliniken defizitär – Neuverschuldung
Soziales und Bezirksumlage verursachen Mehrkosten – Ostallgäuer Kliniken defizitär – Neuverschuldung

Kommentare