Ohne Wettbewerb keine Förderung

Ideenwettbewerb für den ZOB

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Der Füssener ZOB ist baulich und optisch nicht im besten Zustand. Ein Realisierungs- und Ideenwettbewerb soll nun Lösungen aufzeigen.

Füssen – Vergammelnde Bänke, keine überdachten Wartehäuschen, rissiger Asphalt – der ZOB am Bahnhof steht schon lange in der Kritik. Im Zuge von ISEK soll sich das ändern und dem gesamten Bahnhofsumfeld als „Visitenkarte“ der Stadt ein attraktiveres Erscheinungsbild verliehen werden.

Den nächsten Schritt in diese Richtung machte jetzt der Stadtrat vergangener Woche mit: Mehrheitlich verständigte sich das Gremium auf die Bedingungen und Kriterien für einen Realisierungs- und Ideenwettbewerb. Ziel des Wettbewerbs ist laut Monika Beltinger vom Memminger Planungsbüro LARS Consult, „ein übergreifendes Gestaltungskonzept“ für den Busbahnhof und den Freyberg-Park zu entwickeln, um das gesamte Areal attraktiver zu gestalten. 

Grundlage dafür ist ein Konzeptentwurf des Planungsbüro Kölz. Dieser sieht unter anderem barrierefreie Übergänge, 22 „Park and Ride“ (P+R)-Parkplätze inklusive einem Behindertenstellplatz, sieben bis acht Halteplätze für Anruf-Sammeltaxis (AST), sichere Fahrradabstellplätze – auch für E-Bikes – sowie acht bis zehn ÖPNV-Bushaltestellen und Buswartepositionen vor (der Kreisbote berichtete). 

Dabei gilt es zwischen dem Realisierungswettbewerb und dem Ideenwettbewerb zu unterscheiden, erläuterte Beltinger. Während erster konkret die Gestaltung des neuen ZOB beinhaltet, geht es im Ideenwettbewerb vorerst um eine Untersuchung der Möglichkeiten für den Freybergpark. Vor allem sollen dabei Vorschläge erarbeitet werden, wie die Spiel- und Aufenthaltsflächen verschönert, die Wege neu verlegt und Platz für Händlermärkte geschaffen werden können. Dies alles unter der Voraussetzung, dass der Baumbestand möglichst geschont wird. 

15 Teilnehmer

Teilnehmen an den Wettbewerben können Arbeitsgemeinschaften aus Architekten und Landschaftsarchitekten aus ganz Europa, wobei die Beteiligung von Experten für Tiefbau und Tragwerksplanung empfohlen wird. Die Zahl der Teilnehmer ist auf 15 begrenzt, wobei zehn anhand ihrer Referenzen ausgewählt und fünf eingeladen werden. Bis Herbst soll das Vergabeverfahren abgeschlossen sein. Über das beste Konzept entscheidet ein Preisgericht, bestehend aus Fachleuten, fünf Stadträten und Bürgermeister Paul Iacob (SPD). Die Kosten für Wettbewerbe und anschließendes Vergabeverfahren schätzt Beltinger auf rund 115.000 Euro. Bis zu 60 Prozent der Planungs- und Wettbewerbskosten werden aber gefördert. 

Grundsätzliche Zweifel an diesem Vorgehen äußerte in der jüngsten Sitzung des Stadtparlaments in der vergangenen Woche Stadträtin Christine Fröhlich (FW). „Ich bin der Meinung, wir könnten das ohne Wettbewerb durchziehen“, sagte sie. Das würde die Stadt Geld und Zeit sparen. 

Sowohl Beltinger als auch Bürgermeister Iacob machten aber nachdrücklich deutlich, dass der Wettbewerb Voraussetzung für eine Förderung durch die Regierung von Schwaben sei. „Wir sind diesen Weg im Einverständnis mit der Regierung von Schwaben gegangen“, erklärte der Bürgermeister. Beltinger ergänzte: „Wir haben intensiv diskutiert. Die Gesprächsergebnisse waren eindeutig!“ 

Skepsis bei den FW Fröhlichs Fraktionsvorsitzende Dr. Anni Derday zeigte sich ebenfalls skeptisch. Schließlich gehöre der ZOB zum Bebauungsplan W43, der derzeit aber unter anderem wegen der Arbeiten am Hotel „Sonne“ nicht voran komme. Da stelle sich die Frage, ob es Sinn mache, den ZOB ohne Gesamtkonzept anzugehen, so Derday. 

Bürgermeister Iacob entgegnete, dass das Bauamt am W43 arbeite und dieser heuer dem Stadtrat vorgelegt werden soll. Wegen des Umbaus des Hotels könne aber ohnehin heuer nichts davon umgesetzt werden. Georg Waldmann von der SPD warf an dieser Stelle ein, dass mit der provisorischen Fußgängerampel in der Luitpoldstraße bereits viel erreicht worden sei und der W43 daher keine Priorität habe. „Am ZOB ist dagegen akuter Handlungsbedarf“, betonte er. „Die Kinder dort stehen im Regen.“ 

Fehler nicht wiederholen

CSU-Stadtrat Dr. Christoph Böhm machte den Vorschlag, dass auch Füssener Architekten angefragt und berücksichtigt werden sollten. Magnus Peresson (UBL) warnte dagegen eindringlich davor, die Fehler, die seiner Meinung nach beim Bahnhof („Ein banales Geschäftshaus“) gemacht worden seien, zu wiederholen. Durch die Bauweise der vergangenen 20 bis 30 Jahre „versauen wir das Stadtbild“, schimpfte der Architekt. „Nur der Dumme lernt aus gemachten Fehlern nicht!“

Daher erwarte er besondere Ideen und Entwürfe für diese wichtige Stelle, die von den mit dem Zug kommenden Touristen als erstes wahrgenommen werde. „Wir wollen keinen Wald- und Wiesen-ZOB, sondern etwas Besonderes“, mahnte der Stadtrat. Genau deshalb schreibe man ja einen Wettbewerb aus, konterte Beltinger, während Bürgermeister Iacob gereizt auf Peressons Kritik reagierte. „Komischerweise kommen jedes Jahr mehr Menschen in diese versaute Stadt“, ätzte er.

Matthias Matz

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