Ende Juli soll der nächste Schritt erfolgen

Füssener Mammutprojekt nimmt Form an

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Die Grund- und Mittelschule soll in den kommenden sechs bis acht Jahren aufwändig saniert und umgebaut werden. Dazu gehört auch ein anspruchsvolles Energetisches Konzept.

Füssen – Welche Technik genau zum Einsatz kommen, ist zwar noch unklar, fest steht aber: Die Grund- und Mittelschule soll im Zuge ihrer Sanierung ein energetisches Konzept deutlich über dem Mindeststandard bekommen.

. Das entschied der Stadtrat vergangene Woche bei einer Gegenstimme von Dr. Christoph Böhm (CSU) in einer weiteren Sondersitzung. Ende des Monats sollen in der letzten Sitzung vor der Sommerpause dann auch konkrete Zahlen über die Kosten des über 20 Millionen Euro teuren Mega-Projekts vorgelegt werden. Nach der Festlegung des Raumbedarfs für die Grund- und Mittelschule Füssen Ende Juni (der Kreisbote berichtete) erfolgte vergangene Woche im Stadtrat der nächste Schritt: Die Vorstellung der Eckpunkte der Entwurfsplanung durch Philip Leube vom Kemptener Architekturbüro f64. 

In diesen Vorentwurf sei der jüngst ermittelte Raumbedarf mit künftig insgesamt sechs Klassen mehr bereits eingearbeitet worden, erklärte Leube. „Wir sind kurz vor dem Ende des Vorentwurfs.“ Ziel sei eine finale Entscheidung in der Stadtratssitzung Ende Juli, damit möglichst bald mit den Arbeiten begonnen werden kann. 

Klar ist neben dem künftigen Raumbedarf jetzt auch, dass die Energetische Sanierung deutlich über dem Mindeststandard liegen soll. Welche Technik dabei genau zum Einsatz kommen soll, muss aber noch entschieden werden. Einig waren sich die Ratsmitglieder auch darin, eine Einrichtung zur Raumtemperierung (rund 200.000 Euro Mehrkosten) sowie eine Photovoltaikanlage auf dem Dach zu installieren. Nur Stadtrat Dr. Christoph Böhm (CSU) stimmte gegen die Energetische Sanierung, da dies laut Tagesordnung nicht vorgesehen gewesen sei: „Ich fühle mich überrumpelt“, ärgerte er sich.

Lange Bauzeit

Die Bauarbeiten sollen bekanntlich in den kommenden sechs bis acht Jahren während des laufenden Schulbetriebs stattfinden und werden es in sich haben, wie Architekt Leube und sein Team vergangene Woche nochmals deutlich machten: Unter anderem sollen im Zuge der Sanierung eine Dreifach-Turnhalle, eine Tiefgarage und zusätzliche Klassenräume errichtet werden. Dazu eine gemeinsame Pausenhalle für beide Schulen und eine Küche, in der rund 350 Essen zubereitet werden sollen – und das alles barrierefrei. 

Entsprechend gängiger pädagogischer Konzepte sollen die einzelnen Klassenräume großzügig und offen gestaltet werden. Was später im Bedarfsfall die Möglichkeit eröffne, die Räume durch Einbauten wieder zu verkleinern und dadurch zusätzliche Zimmer zu schaffen, wie Leube auf Nachfrage von Dr. Martin Metzger (BfF) erklärte. Allerdings hat die Polizei mit den offenen Räumen –„Cluster“ genannt – anscheinend Probleme, wie Metzger weiter nachhakte. „Was ist bei einer Amoklage?“ Diese Frage müsse diskutiert werden, mahnte er. Tatsächlich soll es zu diesem Thema eine Gesprächsrunde mit Vertretern von Polizei und Landratsamt geben, hieß es dazu vonseiten der Verwaltung. 

Kein Problem in dem Konzept sah hingegen SPD-Stadtrat und Lehrer Wolfgang Bader. „Es kommen sicherlich mehr Schüler durch Mütter zu Schaden, die ihre Kinder zur Schule bringen, als durch Amokläufe“, sagte er. Fraktionskollege Georg Waldmann verwies darauf, dass immer nur auf die jüngste Tat mit Sicherheitskonzepten reagiert werden könne. „Aber wer weiß, wie der nächste Verrückte vorgeht?“ 

Neuer Dachstuhl

Umfassend ertüchtigt werden müssen im Zuge der Sanierung auch die Dächer der einzelnen Gebäudetrakte. In mindestens einem muss sogar der Dachstuhl neu gemacht werden, haben statische Überprüfungen ergeben. Ein Grund dafür ist neben dem Alter offenbar eine Energetische Sanierung der Schule vor einigen Jahren. Weil das Dach gedämmt wurde, blieb der Schnee in der Folge länger liegen, was die Dachkonstruktion stärker belastetet habe. Aber auch in den Gebäudetrakten der Grundschule hat die Energetische Sanierung von damals ihre Spuren hinterlassen. Da seinerzeit neue, größere Heizkörper angebracht wurden, verjüngten die damaligen Planer kurzerhand die Stützen zwischen den Fenstern – zu Lasten der Tragfähigkeit, wie ein Statiker herausgefunden habe. „Die müssen saniert werden“, sagte Leube. 

Bei den Stadträten sorgte diese Information für Empörung. „Das ist, vorsichtig ausgedrückt, seltsam“, sagte beispielsweise Dr. Metzger, während Magnus Peresson (UBL) mit Blick auf die damaligen Planer, Architekten und Statiker von „einem Team von Dilettanten“ sprach. Wie er, warf auch Zweiter Bürgermeister Niko Schulte (CSU) die Frage der Gewährleistung in den Raum.

 Parallel zum Entwurf für die beiden Schulen wird auch an einem Verkehrskonzept für das Schulzentrum gearbeitet, berichtete Architekt Philipp Müller, ebenfalls von f64. Nachgedacht wird demnach über eine Haltebucht für bis zu fünf Schulbusse vor der Schule, „um die von der Straße zu bekommen“. Denkbar wäre auch eine „Kiss and Run“-Bucht, wo Eltern ihre Kinder mit dem Auto abladen können. „Für die Helikopter-Eltern ist das sicherlich super“, so Müller. „Das ist aber eine politische Entscheidung“, betonte der Kemptener Architekt.

mm

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