Armut gibt es nicht nur in Afrika

Krise und Chance, vor allem all das, was einhergeht mit der Krise und der aktuellen Situation, das waren die Themen beim diesjährigen Neujahrsempfang der beiden Kirchen und der politischen Gemeinde in Nesselwang. Prominentester Redner war dabei Prälat Dr. Peter Neher, seit 2003 Chef des Deutschen Caritasverbandes. Daneben begrüßte Pfarrer Heribert Stiegler als Hausherr den CSU-Bundestagsabgeordneten Stefan Stracke (CSU) und dessen Parteikollegin und Bezirksrätin Ursula Lax (CSU) sowie den Ostallgäuer Landtagsabgeordneten Dr. Paul Wengert (SPD) und Bürgermeister benachbarter Gemeinden.

Am Dreikönigstag hatte Nesselwang zum Empfang im Gemeindezentrum geladen, wo sich neben politischen Gästen auch Firmenvertreter und die Träger der goldenen Nessel vergangener Jahre eingefunden hatten. Stiegler übernahm es, die Gäste zu begrüßen und den Hauptredner vorzustellen. Seit nunmehr sieben Jahren ist der Theologe Dr. Peter Neher der Präsident des deutschen Caritasverbandes, einer kirchlichen Einrichtung mit mehr als 500000 Mitarbeitern in über 25000 Einrichtungen bundesweit und somit größter Arbeitgeber in Deutschland. In seiner Rede sollte es dann auch darum gehen, dass Evangelium und Politik untrennbar miteinander verbunden sind. Neher sprach darüber, die Armut, auch und vor allem in Deutschland zu bekämpfen und die Teilhabe zu fördern in dem man Impulse für die Sozial- und Bildungspolitik gibt. Neher, gebürtiger Pfrontener und gelernter Bankkaufmann, führte in seiner Rede dabei vor Augen, dass Armut nicht unbedingt gleichzusetzen sei mit Indien oder Afrika. Auch in Europa und Deutschland gebe es Armut, relative Armut, wobei die Betroffenen unter dem Existenzminimum lebten, in der Bundesrepublik immerhin mehr als sieben Millionen Menschen, die von Harz IV leben müssen, darunter mehr als zwei Millionen Kinder. Und dabei gehe es gerade um unsere Zukunft, die Kinder und um die Befähigungs- und Bildungsgerechtigkeit. "Mehr als nur lesen" Bildung sei mehr als nur lesen, schreiben rechnen können, so Neher. Es gehe auch darum, der Jugend die Chance für eine berufliche Qualifikation zu eröffnen, denn die sei eine Möglichkeit, sich aus der Situation Armut zu befreien. Nehers protestantischer Amtskollege, der Pfrontener Pfarrer Thomas Weinmair nannte dann auch die aktuelle Krise eine Situation der Entscheidungen, wo gerade Jesus wie ein Leuchtfeuer den Weg zeige. Auch Bürgermeister Erhart hatte sich Gedanken zur Situation gemacht, es gehe nun darum, die Segel richtig zu setzen. Den Wind könne man nicht ändern, so Erhart, deshalb müsste man eben durch geschicktes Manövrieren und „kreuzen am Wind“ vorankommen. Wohlstandsjahre vorbei? Dazu bedürfe es aber auch der Gespräche, oft seien es Kleinigkeiten die man aus einem Gedankenaustausch mitnähme und die man verwende könne, so Erhart, der sich auf das Gespräch mit seinen Amtskollegen aus Pfronten und Eisenberg sowie aus Nesselwängle in Tirol freute. Dabei resümierte Erhart, dass die Wohlstandsepoche wohl vorbei sei und verwies auf die lokalen Unternehmer, einer hatte 2009 als das ungewöhnlichste Jahr seit Firmenbestehens bezeichnet. Man müsse nun auch in Nesselwang umdenken, dennoch aber „vorwärtsleben“. Als Markt werde man jedenfalls an den gesteckten Zielen festhalten.

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