»Die großen Löcher sind fehl am Platz«

Ausschuss genehmigt Umbau eines historischen Gebäudes in der Altstadt – Kritik an Gestaltung

Franziskanergasse 7 in Füssen
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Franziskanergasse 7 in Füssen.

Füssen – Grünes Licht für den Umbau des ehemaligen „Wohn- und Geschäftshauses Baur“ hat jetzt der Planungs-, Bau-, Umwelt- und Verkehrsausschuss gegeben. Zwar freuten sich die Räte, dass ein 700 Jahre altes Gebäude in der Altstadt zum neuen Leben erweckt wird. Allerdings waren manche Ratsmitglieder, allen voran Magnus Peresson (UBL) und Dr. Christoph Böhm (CSU), nicht mit der Gestaltung der Gauben und zweier Fenster einverstanden. Deshalb soll die Stadtverwaltung noch einmal Gespräche mit dem Bauherren führen.

Wo in den vergangenen Jahrzehnten Färber, Buchdrucker, Lautenmacher, Floßer, Kalkbrenner und Bedienstete des Klosters St. Mang wohnten, sollen künftig Wohnungen und Gewerbeflächen entstehen. Bereits im Dezember hatte der damalige Bauausschuss einstimmig den Antrag bewilligt mit der Auflage, die Gauben und Fenster mit dem Landesamt für Denkmalpflege (LfD) abzustimmen (der Kreisbote berichtete). Nun kam der Antrag erneut rein – und die Räte störten sich erneut an der durchgängigen Gaube und zwei großen Fenstern. Denn die Bauherren wünschten sich, die Gauben so breit lassen zu dürfen, informierte Bauamtsleiter Armin Angeringer.

Ein beauftragtes Technikbüro habe in einem Schreiben erklärt, dass es durch Schnee zu Bauschäden kommen könnte, wenn die Gaube in einzelne aufgeteilt werde. Schneeverwehungen könnten ins Stockwerk darunter fallen. „Im Landratsamt wird die Begründung nicht mitgetragen.“ Und auch die Stadt sei überzeugt, dass hier andere Lösungen möglich sein müssten. Zudem weicht die durchgängige Gaube, die sich auf der Rückseite des Gebäudes befindet, von der städtischen Baugestaltungssatzung ab. Ausnahmen davon habe die Stadt in diesem Areal aber schon einmal erlaubt, so der Bauamtsleiter weiter.

„Das ist ein tolles Gebäude. Es ist höchst lobenswert, dass die Bauherren das machen wollen“, meinte Magnus Peresson (UBL). Aber: „Man sollte das nicht um jeden Preis tun.“ So ließ der Architekt die Schnee-Argumentation nicht gelten. „Auf den steilen Dächern bleibt so gut wie kein Schnee liegen. Auch in den Zwischenräumen gibt‘s keine Schneeverwehungen.“ Und Angst, dass der Schnee in den Laubengang darunter falle, sei nicht angebracht. „Da passiert überhaupt nichts!“

Zweifel bei Böhm 

Dr. Christoph Böhm (CSU) störte sich ebenfalls an der Gaube. „Die Gaube sieht man“, meinte er – zumal das Landratsamt den Hinterhof des Gebäudes erlebbar machen möchte. Daneben schaffe eine durchgängige Gaube keine zusätzliche Wohnqualität, da der Bauherr laut den Plänen nicht in die Dachbalken eingreifen will. Deshalb könne die Stadt hier leicht einzelne Gauben fordern.

Einer Meinung sind Bauherr und Stadträte dagegen, dass Sprossen bei den beiden großen Fenstern schöner wären. Und das sei auch aus Sicht der Behörden möglich, wenn vor der Fensterbank eine Absturzsicherung angebracht werde, weiß Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU) aus einem Telefonat. Daneben waren sie einigen Räte aber zu überdimensioniert. „Die großen Löcher sind fehl am Platz“, meinte Peresson und warnte davor, dass beim Ausheben der Fenster das historische Mauerwerk herausbrechen könnte. Stattdessen könnte der Bauherr auch jeweils zwei kleinere anbringen. Oder mit Hilfe eines breiteren Rahmens so tricksen, dass sie kleiner wirken, schlug Dr. Martin Metzger (BfF) vor, der die geplanten Fenster auch als „Fremdkörper in der Fassade“ empfand.

Gegen Ausnahmen

Bereits in der vergangenen Sitzung hatte die Stadtverwaltung erklärt, dass die Öffnung nach Angaben des Bauherren so groß sein müsste, um Möbel in das historische Gebäude transportieren zu können. Doch dieses Argument ließ Stadtrat Böhm nicht gelten. „Das Treppenhaus wird doch neu gebaut. Da bringe ich einen Flügel hoch.“ Die Verwaltung sei zudem bereit, dem Bauherren bei der Ablöse der Parkplätze entgegenzukommen und acht Stellplätze für fünf Wohnungen abzulösen, was laut Sitzungsvorlage eine städtebauliche Aufwertung sei. Da das Areal aber im Sanierungsgebiet liegt, fallen dafür nur 1000 Euro pro Stellplatz an. „Ich kann mich mit der Stellplatzablöse anfreunden“, so Böhm. Wenn die Stadt dem Bauherren aber so entgegenkomme, sollte er „uns optisch auch entgegenkommen.“ Er betonte: „Niemand will das Vorhaben behindern.“ Aber: „Wir wollen einen Qualitätstourismus.“ Und das bedeute, die Qualität in der Altstadt zu erhalten. „Da kann man nicht ständig Ausnahmen genehmigen.“

Anders sah Jürgen Doser (FWF) den Fall. „Wenn wir wollen, dass die Füssener etwas in der Altstadt machen, dann brauchts einen Kompromiss.“ Bei diesem Projekt sei das LfD von Anfang an mit im Boot gewesen. „Da gehört schon viel Herzblut für Füssen dazu, um das so umzubauen.“ Beharre die Stadt zu 100 Prozent auf ihren Vorgaben, könnte es sein, dass so ein Projekt keine Nachahmer finde. „Dann bleibt die Altstadt vielleicht so wie sie ist, aber das ist nicht unbedingt schön.“

Auch Christoph Weisenbach (CSU) sprach sich dafür aus, das Bauvorhaben zu unterstützen. „Die Familie nimmt viel Geld in die Hand, um eines der ältesten Gebäude in der Stadt zu reaktivieren und Wohnungen zu schaffen!“. Ähnlich sahen das wohl die meisten Ratsmitglieder, denn sie segneten bei einer Gegenstimme von Böhm den Bauantrag ab.

Katharina Knoll

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