Spielplatz ist Stadträten zu klein

Wohnprojekt in Füssen: Bauherren müssen nachbessern

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So wie in diesem Modell sollen die vier geplanten Häuser (Mitte) in der Borhochstraße einmal aussehen.

Füssen – „Da bin ich entsetzt, da kann ich nicht zustimmen“, kritisierte Uschi Lax (CSU) am Dienstag im Bauausschuss scharf das Bauprojekt, das das Siedlungswerk Füssen und die BSG Allgäu in der Borhochstraße umsetzen möchten.

Konkret monierte sie den geplanten Kinderspielplatz. Dieser sei ihrer Meinung nach mit 80 Quadratmeter viel zu klein für die 45 Wohnungen, die hier in vier Häusern entstehen sollen. Eine Meinung, mit der sie nicht allein da stand. 

Zu hoch, zu nah und die Tiefgaragen-Zufahrt auf der falschen Seite: Seit das Siedlungswerk Füssen und die BSG Allgäu das Bauprojekt in der Borhochstraße angestoßen hatten, bekamen sie einige Kritik zu hören – hauptsächlich von Nachbarn (der Kreisbote berichtete mehrfach).

Einige befürchteten unter anderem, dass die geplanten vier Häuser mit insgesamt 45 Wohnungen zu nah an die Gebäude in der Mariahilfer-Straße heranreichen. Doch ihre Bedenken wurden nach einer Informationsveranstaltung 2016 im weiteren Verlauf berücksichtigt, wie Architekt Martin Hofmann im Oktober im Stadtrat erklärt hatte. So wurde die Tiefgaragen-Zufahrt von Norden nach Süden verlegt, erklärte Bauamtsleiter Armin Angeringer bei der Vorstellung der Bauanträge. 

Auch die Kubatur der drei viergeschossigen und ein fünfgeschossiges Gebäude befände sich „in einem vertretbaren Rahmen“ und durch eine geringfügige Verschiebung zweier Häuser falle die Belastung für die Nachbarn im Norden geringer aus, so Angeringer. Daneben werde in dem Gebäude des Siedlungswerks eine Wohnung mehr entstehen.

Damit kann das Siedlungswerk nun zwölf statt elf Wohnungen sozialverträglich vermieten, was nach Ansicht der Füssener Stadtverwaltung besser sei. Dagegen werde es eine Eigentumswohnung weniger geben. Diese entstehen in den restlichen Gebäuden. Auch gegen die Fassade des fünfgeschossigen Gebäudes hatte der Füssener Bauamtsleiter nichts einzuwenden. Durch die versetzten Balkone entstehe eine „durchaus interessante Gestaltung.“ Deshalb empfahl er den Abweichungen vom Bebauungsplan, der für dieses Areal aufgestellt wurde, zuzustimmen. Damit könnte das Bauprojekt einen weiteren Schritt in der Genehmigungsphase machen. 

Derzeit sei der städtebauliche Vertrag unterschriftsreif. Danach könnte die Bekanntmachung des Bebauungsplans folgen, informierte Angeringer. Doch davor wollte Uschi Lax (CSU) noch wissen, wie groß der Kinderspielplatz werden soll – und war über die Antwort empört. „80 Quadratmeter – da bin ich entsetzt. Das geht einfach gar nicht. Da kann ich nicht zustimmen.“ Auch, dass die BSG anscheinend Familien nicht zur „breiten Schicht der Bevölkerung“ zähle, kritisierte sie. „Auch Eigentumswohnungen brauchen Spielplätze – das ist kein Kriterium.“ 

Pläne im Stadtrat präsentieren

Ähnlicher Meinung war Dr. Martin Metzger (BfF), der zudem die Gestaltung einer Fassade kritisierte. Er bedauerte, dass sein Vorschlag vor zwei Jahren, die Größe von Spielplätzen bei bestimmten Bauvorhaben festzuschreiben, nur belächelt worden war. Das Gremium sollte sich überlegen diese Regel einzuführen, „dann würden wir uns solche Diskussionen sparen.“ Den Begriff „angemessene Größe“ fasse schließlich jeder unterschiedlich auf. Bei diesem großen Projekt mit 45 Wohnungen könnten die Bauherren auch zwei Spielplätze bauen: Einen für die kleinen Kinder mit Sandkästen und einen für die aktiveren Acht- bis 14-Jährigen. Insgesamt sollten Familien hier entsprechend geachtet und gewürdigt werden. 

Damit die Bauherren das auch tatsächlich tun, schlug Michael Schmück (CSU) vor, den Bauantrag erst abzusegnen, wenn die Bauherren beim Spielplatz nachgebessert hätten. Doch Füssens Bürgermeister Paul Iacob (SPD) sah das anders. „Ich möchte nicht, dass das ganze Verfahren abgebremst wird durch den Kinderspielplatz.“ Deshalb schlug er vor, das kommunale Einvernehmen zu erteilen. Die Pläne für einen Spielplatz in einer akzeptablen Größe könnten die Bauherren dann der Stadtverwaltung oder dem Bauausschuss vorlegen. 

Ein Schritt, den auch Dagmar Rothemund (SPD) mitgehen konnte. Aber nicht Lax: „Herr Bürgermeister, uns fehlt dann jede Grundlage. Was heute gesagt wurde hat dann keine bindende Wirkung mehr. Ein Spielplatz ist kein Pipifax.“ Zwar wolle auch sie das Verfahren nicht unnötig verzögern. Aber die Stadträte könnten die Bauanträge nur dann absegnen, wenn die Spielplatzfrage zur Zufriedenheit aller geklärt sei. Das könnten sie auch in der kommenden Stadtratssitzung. Nur: „Heute kann ich das nicht“, so Lax. So begrüßte das Gremium das Bauprojekt grundsätzlich und stellte das kommunale Einvernehmen in Aussicht, wenn die Bauherren bei den Spielplätzen nachbessern. 

kk

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