Landesregierung stellt Studie über Pilotphase vor - Fahrverbote haben sich bewährt

Fahrverbote für laute Motorräder im Außerfern bleiben bestehen

Landeshauptmann-Stellvertreterin Ingrid Felipe (2.v.r.) stellt zusammen mit Studien-Co-Autor David Schnaiter (v.l.), dem Vorstand der Abteilung Emission Sicherheitstechnik Anlagen (ESA), Christoph Lechner und dem Leiter der Landesverkehrsabteilung, Markus Widmann, die Ergebnisse der Studie zur Wirksamkeit der Fahrverbote für Motorräder mit einem Nahfeldpegel über 95 dB im Bezirk Reutte vor.
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Gemeinsam mit Studien-Co-Autor David Schnaiter (v.l.), dem Vorstand der Abteilung Emission Sicherheitstechnik Anlagen (ESA), Christoph Lechner und dem Leiter der Landesverkehrsabteilung, Markus Widmann, präsentiert Landeshauptmann-Stellvertreterin Ingrid Felipe bei einer Pressekonferenz die Ergebnisse der Studie zur Wirksamkeit der Fahrverbote für laute Motorräder im Bezirk Reutte.
  • vonKatharina Knoll
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Außerfern - Künftig werden jedes Jahr vom 15. April bis 31. Oktober Fahrverbote für Motorräder mit einem Nahfeldpegel über 95 dB auf bestimmten Strecken im Außerfern gelten. Das hat jetzt die Tiroler Landesregierung bekannt gegeben, nachdem die Pilotphase im vergangenen Jahr ausgewertet und die betroffenen Bürger befragt wurde. Das Ergebnis: Die Motorradfahrverbote kamen gut bei der Bevölkerung an. Außerdem ist die Anzahl der Motorräder über ein Drittel zurückgegangen.

„Die gesetzten Maßnahmen zeigen Wirkung und finden auch bei der Bevölkerung im Außerfern große Zustimmung“, präsentierte heute Landeshauptmann-Stellvertreterin Ingrid Felipe (Die Grünen) die Ergebnisse der Studie, die die Wirksamkeit der Fahrverbote überprüft hat. „Zudem ist die Anzahl der Motorräder um über ein Drittel zurückgegangen. Dies alles spricht für eine Beibehaltung der gesetzten Maßnahmen, auch in den kommenden Jahren.“ Die Studienergebnisse beruhen laut Tiroler Landesregierung auf den Verkehrszahlen, die zwischen dem 10. Juni und 31. Oktober erhoben wurden, und auf einer repräsentativen Befragung der Bevölkerung, die dort wohnt.

Wie schon bei der Motorradlärmstudie 2019 wurde auch bei der Evaluierung der Fahrverbote für Motorräder mit einem Nahfeldpegel über 95 dB die Verkehrszahlen der fünf betroffenen Straßenabschnitte mit den Ergebnissen einer Umfrage verschnitten, bei der 250 Personen in 19 Gemeinden im Außerfern befragt wurden. Darüber informierte der Vorstand der Abteilung Emission Sicherheitstechnik Anlagen (ESA), Christoph Lechner. Er erklärte: „Wir haben dazu die Daten von fünf automatischen Dauerzählstellen im Zeitraum von 1. Juni bis 30. September ausgewertet. Insgesamt konnte eine Reduktion um durchschnittlich 36 Prozent – am Hahntennjoch sogar um 50 Prozent – an Sommersonntagen im Vergleich zu 2017 festgestellt werden, was einer Lärmpegelminderung bei den Motorrädern von durchschnittlich 2 dB entspricht.“

Wenige Verstöße gegen Fahrverbot

Im Studienbericht wurde auch die derzeitige Pandemie berücksichtigt. Denn: „Die Corona-Pandemie hatte selbstverständlich auch einen Einfluss auf das Motorradaufkommen“, betonte Lechner. „Definitive Aussagen über die Höhe dieses Einflusses auf die Motorradanzahl auf den betroffenen Straßen sind allerdings nicht möglich. Die Einschätzung der Betroffenen dazu wurde hingegen mit einem eigenen Themenkomplex abgefragt und in die Studie integriert.“

In Schwerpunkteinsätzen kontrollierte die Polizei die Fahrverbote mehrfach die Fahrverbote, betonte der Leiter der Landesverkehrsabteilung, Markus Widmann. „Die Zusammenarbeit mit der Landesverkehrsabteilung und den Bezirkskommandos Reutte und Imst hat hier hervorragend funktioniert. Die Zahl jener Motorradlenker, die mit zu lauten Motorrädern unterwegs waren, war im gesamten Geltungszeitraum konstant gering.“ Die Beamten überprüften demnach 8917 Motorräder, von denen 135 gegen die Lärmverordnungen verstießen. „Allerdings gab es rund 800 sonstige Delikte wie Geschwindigkeitsüberschreitungen, verbotenes Überholen oder ‚Kurven schneiden‘, die im Zuge der Kontrolltätigkeiten geahndet wurden“, so Widmann.

Positive Rückmeldung aus der Bevölkerung

Nachdem die lärmbeschränkenden Verordnungen ausgelaufen sind, wurden die Bürger, die entlang der beliebten Motorradstrecken wohnen, zu den Auswirkungen der Fahrverbote, ihren Wahrnehmungen und zum weiteren Umgang mit lauten Motorrädern befragt. „Mehr als zwei Drittel der Befragten geben an, dass der Motorradlärm in ihrer Wahrnehmung abgenommen hat“, fasste Studien-Co-Autor David Schnaiter zusammen. „Nahezu gleich viele sprechen sich auch für die Beibehaltung der spezifischen Fahrverbote aus. Insgesamt steht eine deutliche Mehrheit den getroffenen Maßnahmen positiv gegenüber.“ Erfreulich sei die Rücklaufquote von 89 Prozent, die das Interesse der Bevölkerung am Thema widerspiegelt und eine hohe Repräsentativität der Studienergebnisse sicherstelle.

Motorradhersteller sollen leisere Maschinen produzieren

„Bemerkenswert ist zudem, dass sich das Meinungsbild von Motorradfahrenden – immerhin knapp ein Drittel aller Befragten – in geringerem Ausmaß von den Nicht-Motorradfahrenden unterscheidet als vielfach angenommen“, hebt Schnaiter hervor. Die Umfrageteilnehmer wurden auch zu möglichen weiterführenden Maßnahmen interviewt. „Unter anderem wünschen sich 81 Prozent aller Befragten – selbst 74 Prozent der Motorradfahrenden – gesetzliche Maßnahmen, um die Motorradhersteller zur Produktion von leiseren Motorrädern zu zwingen“, so Felipe. „Um möglichst viele Menschen vor ungebührendem Lärm zu schützen, gleichzeitig aber den Motorradbegeisterten nicht mit partiellen Fahrverboten das Fahrvergnügen zu nehmen, braucht es klare Vorgaben für die Hersteller.“ Über dieses Thema habe sie bereits mit Interessensvertretern der Motorradcommunity und der Industrie gesprochen. „Wir waren uns einig, dass dies der Weg für ein lärmärmeres Miteinander auf und entlang der beliebten Motorradstrecken sein muss.“

„Die vorliegenden Ergebnisse bestätigen, unabhängig von den erheblichen Einflüssen der Corona-Pandemie auf das Verkehrsaufkommen, die gewählte Vorgehensweise der vergangenen Pilotsaison, weshalb wir die Fahrverbote für Motorräder mit einem Nahfeldpegel über 95 dB vom 15. April bis 31. Oktober eines jeden Jahres auf den fünf Straßenzügen mit einer Gesamtlänge von 126 Kilometer verordnen“, betonte Felipe.

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