"Längst überfällig"

Pankraz Walk hat den Bau miterlebt. „Heutzutage dauert der Bau einer Brücke die gleiche Zeit wie die der Kraftwerksanlagen vom Forggensee. Und hält vielleicht die Hälfte…“ Foto: Berkmüller

Füssen – Die Sicht der Techniker ist zuweilen eine andere als die von Anwohnern. Im Fall der Ausstellung „60 Jahre Forggensee“ gewährt sie einen Einblick in die Entstehung des Stauwerkes. Für zwei Monate werden im Walderlebniszentrum Ziegelwies (WEZ) Bilder gezeigt, die von Ingenieurskunst zeugen.

„Da war was los“, erzählt Pankraz Walk. Der Betreuer des Dorfmuseums Roßhaupten war seinerzeit Zeuge, als das gewaltige Bauwerk zwischen 1950 und 1954 entstand. „Alle in der Gegend haben davon profitiert“, betont er. Und das nicht nur von den neuen Straßen, die im Zuge der Arbeiten zusätzlich entstanden. „Die Kantine war DAS Ausflugsziel, vor allem an den Wochenenden“, erinnert sich Walk. Schwärmerisch leuchten die Augen des Roßhaupteners Walk, wenn er sich an die dort gefeierten Faschingsbälle erinnert. Aber auch die Leistung der für den Forggensee Bauarbeiter und Ingenieure beeindrucken ihn bis heute. 

Diese Faszination hat sicherlich auch Walter Altmannshofer inspiriert. Der pensionierte Elektriker fand im Archiv seines Arbeitgebers, der Bayerischen Wasserkraftwerke AG (BAWAG), Fotos aus der Bauzeit des Forggensees. Der leidenschaftliche Modellbauer konstruierte daraufhin ein Modell des großen Staudammes, bastelte maßstabgetreue Walzen, Bagger und Laster. So erwachen die Archivbilder schließlich zu einem bunten Leben im Miniformat. 

Mit bloßen Händen 

Die historischen Aufnahmen vom Bau des Forggensees zeigen aber nicht nur zu Baumaschinen umgebaute Lkws und anderes schweres Gerät und Maschinen, sondern auch Arbeiter mit bloßen Händen zwischen Holzkonstruktionen, die die Stollen stützen. Diese Bilder aus der Sicht von Technikern vermitteln auch den ganzen Stolz der Erbauer. „Nicht zu Unrecht“, bemerkt Walter Ganseneder, Vorsitzender des Trägerverein WAZ, bei der Eröffnung der „längst überfälligen“ Ausstellung im Füssener WEZ, „es wurden viele Superlative umgesetzt.“ 

Dass während der insgesamt vierjährigen Bauzeit an dem Stauwerk sieben Arbeiter starben, sei damals durchaus normal gewesen. Mit dem erstmaligen Erreichen der vollen Stauhöhe im Jahr 1954 sei dann schließlich die Hochwassergefahr für die heimische Region weitgehend gebannt gewesen, Wohlstand und Annehmlichkeit durch die Nutzung der Wasserenergie konnten einkehren, der Forggensee war somit geboren. ab

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