"Gesprengte Ketten" in St. Mang

Dave Bull, leidenschaftlicher „Gesprengte Ketten“-Fan, der immer auf der Suche nach Original-Drehplätzen ist, schiebt sich bei der Ausstellungseröffnung in den nachgebauten Fluchttunnel, so wie die Darsteller im Film. Foto: Lang

Die Sonderausstellung „Hollywood in Füssen“ wurde kürzlich im Stadtmuseum eröffnet und ist noch bis 5. Januar zu sehen. Die Außenaufnahmen des Filmklassikers  „The Great Escape, in deutschen Kinos unter dem Titel „Gesprengte Ketten" gezeigt, wurden vor fünfzig Jahren in Füssen und Umgebung gedreht.

Viele Füssener traten als Statisten in dem Streifen auf und Weltstars wie Steve McQueen wohnten während der sechswöchigen Dreharbeiten in Füssen, Hopfen und Umgebung. Der Film beruht auf einer wahren Begebenheit. Grundlage zum Film war das Buch des Australiers Paul Brickhill, der als Kampfpilot für Kanada und Großbritannien gegen das Dritte Reich flog.

Beeindruckt von der Ausstellung zeigte sich neben Bürgermeister Paul Iacob die Vertreter der Bavaria Filmstudios. Die Studios hatten damals im Perlacher Forst das Gefangenenlager originalgetreu aufgebaut. Marc Hauck von Bavaria-Film gestand bei seiner Rede im Kaisersaal gar, dass er im Sommer noch dachte: „Das schaffen die in Füssen nie!“ Umso gigantischer sei die Leistung, die das Team von Kulturamts- und Museumsleiter Thomas Riedmiller in nur drei Monaten geleistet habe. Nicht nur, dass Riedmillers Konzept perfekt umgesetzt worden sei, „nein, die Schreinerarbeiten sind ein Meisterwerk!“ So überlegte Hauck in seiner Rede, ob die Studios in München nicht gut daran täten, den Füssener Stadtschreiner Herbert Reichensberger abzuwerben. 

Eines dieser Werke ist ein Stück des Fluchttunnels, der durch einen Raum nachgebaut wurde. Besucher können in den Tunnel einfahren, allerdings auf eigene Gefahr, und so die Enge, die Angst und Anspannung der Gefangenen auf ihrem Fluchtweg erahnen. 

In mehreren Räumen sind Schlüssel-Szenen der Flucht der einzelnen Schauspieler dargestellt. Keine statische Fotoausstellung, sondern eine begeh- und erfühlbare Ausstellung, die dem Besucher zum einen ein Feeling für Dreharbeiten gibt, zum anderen aber auch die bedrückende Nazi-Zeit spüren lässt. 

Zu jeder räumlich dargestellten Szene, die in und um Füssen gedreht wurde, läuft die jeweilige Film-Sequenz nur mit der Filmmusik von Elmar Bernstein untermalt. Ob es das französische Café ist, von dem aus James Coburn seine Flucht zu Fuß über die spanische Grenze fortsetzt, oder das Ruderboot (eine Replik), mit dem Charles Bronson auf dem Wasser weiterfloh, die Stimmung überträgt sich auf den Besucher. Die Flucht über Füssens alte Dächer und Gassen: Beeindruckend, auch für die, die damals dabei waren. Highlight der Requisiten ist die alte Triumph, die als Ersatz-Motorrad für Steve McQueens Flucht zwischen den Stacheldrahtzäunen an der Schweizer Grenze, gedreht zwischen Hopfen und Pfronten, mit am Set war. 

Dave Bull, ein The-Great-Escape-Fan brachte sie persönlich von Schottland nach Füssen. „Leider kann Bob Watson, der Besitzer des Motorrades nicht anwesend sein, aber ich werde versuchen ihn bis zum Januar nach Füssen zu bringen. Das muss er unbedingt sehen“, versprach Dave Bull. Ohne die Hilfe und Bereitschaft vieler Füssener, dem Stadtmuseum ihre gehüteten Schätze aus der Zeit, als Hollywood in Füssen eingezogen war, zu überlassen, wäre diese Ausstellung kaum so atmosphärisch erfahrbar. Viele private Fotos und handschriftliche Widmungen vervollständigen die Ausstellung. Sogar der Baseball von Steve McQueen ist in einer Glasvitrine zu bewundern. Ergänzend zur Ausstellung wird der 165-Minuten-Film am morgigen Donnerstag, 10. Oktober, im Alpenfilmtheater gezeigt. jl

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