Treffen der Pioniere

Mitglieder der Lawinenkommission besprechen sich in Schwangau

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Oberregierungsrat Ralf Kinkel vom Landratsamt Ostallgäu dankte Andreas Keck für dessen über 40-Jährige Arbeit für die Lawinenkommission.

Schwangau – Das Treffen der ehrenamtlichen Mitglieder der Lawinenkommissionen aus dem Ober- und Ostallgäu mit den Verantwortlichen des Landratsamtes und Vertretern aus der Warnzentrale in München hat mittlerweile Tradition.

Bei diesjährigen Treffen in Schwangau wurden nicht nur zwei „Urgesteine“ für ihre Arbeit geehrt, Hans Konetschny, Leiter der Lawinenwarnzentrale berichtete über Neuerungen, die vor allem den Service betreffen. Das Ereignis, das vor über 50 Jahren zur Gründung des Lawinenwarndienstes in Bayern führte, dürften wohl die wenigsten noch in Erinnerung haben: Es war der verheerende Lawinenabgang an der Zugspitze, der zehn Menschenleben forderte. 

Jetzt, im November endet das Jubiläumsjahr, erinnerte Hans Konetschny die Anwesenden. Im gleichen Atemzug machte er auf die Konstanz der Arbeit der Lawinenwarnzentrale aufmerksam machte, die seit fünf Jahrzehnten dafür sorgt, dass ähnliche Katastrophen weitgehend vermieden werden. Dafür werden Tourengänger und Freerider mit umfassenden Informationen versorgt und Sicherheitsbehörden wie Gemeinden oder die Exekutive maßgebliche Daten der aktuellen Situation an die Hand gegeben, um vorbeugend handeln zu können. 

Zu dieser Konstanz gehöre außerdem auch der Kontakt zu den über 350 Ehrenamtlichen der mittlerweile 33 Lawinenkommissionen vor Ort, ohne deren Einsatz die Warnzentrale ihrer Arbeit nicht nachkommen könnte. Diese Arbeit bestehe vor allem in der Beurteilung der Lage auf Basis der Messwerte vor Ort und vieler weiterer Faktoren. Aufgrund dieser informiere die Warnzentrale auch die Öffentlichkeit. Dabei gehört die bayerische Lawinenwarnzentrale zu den Pionieren, was die Information angeht. Bereits 1998 ging die Homepage der LWZ online. Seitdem habe die Institution die Information immer weiter verbessert, so Konetschny. 

Seit April ist der neueste Internetauftritt online, der die Informationen standardisiert wiedergibt – egal, ob der Nutzer über PC oder Smartphone darauf zugreift. Seit neuestem gibt es den Lagebericht auch nicht mehr erst morgens ab 7.30 Uhr, sondern schon am Vortag ab 17.30 Uhr, berichtete Konetschny. Damit gebe die Einrichtung den Nutzern noch mehr Möglichkeiten an die Hand, ohne dabei die Tagesaktualität zu verlieren. „Wir haben den Anspruch, die Qualität beizubehalten“, machte Konetschny den Spagat deutlich zwischen früherer Information und aktueller und ausgewogener Information. 

Neu sind im Internetauftritt vor allem Icons, also Bildsymbole für die Lawinensituation. Über Jahre hinweg habe die bayerische Lawinenwarnzentrale, die am Landesamt für Umwelt untergebracht ist, mit den entsprechenden Diensten der anderen Alpenanrainerstaaten, der Schweiz, Österreichs, Frankreichs und Italiens, gerungen, um allgemeingültige Standards zu schaffen. „Der eine beurteilt die Situation so, der andere wieder ganz anders“, so Konetschny. Nun aber kann jeder Interessierte die Berichte der Warndienste lesen und kennt die aktuelle Situation, egal ob er französisch, italienisch oder englisch spricht.

Wichtiger Datensammler

Entsprechend wurden auch die Anwenderberichte für die Angehörigen der Lawinenkommissionen verbessert. Während die Zentrale alle Informationen aus dem Alpenraum, also Schneehöhen und Beschaffenheit, die Wetterberichte und viele weitere Daten sammelt und die Lage entsprechend beurteilt, müssen die Lawinenkommissionen vor Ort die Empfehlungen umsetzen, etwa was die Sprengung oder Auslösung einer Lawine in einem Skigebiet angeht oder geben den Sicherheitsbehörden in den Gemeinden Handlungsempfehlungen. Oder etwa, dass eine Straße oder ein Gebiet wegen akuter Gefahr gesperrt werden sollte. 

Darüber hinaus ist die Lawinenkommission Ansprechpartner für die Rettungsdienste sowie für die Polizei, wenn deren Alpine Einsatzgruppe nicht greifbar ist. Wie sonst sollte etwa ein Dienststellenleiter, der sich noch nie mit dem Thema befasst habe, eine Situation einschätzen, merkte einer der Vertreter der Polizeidirektion an. 

Dafür hatten die Polizeibeamten der Alpingruppe im vergangenen Winter relativ wenig zu tun. Nur drei dokumentierte Abgänge gab es, ohne nennenswerte Schäden, vor allem ohne Verletzte oder Tote. Die Alpingruppe der Polizei muss Abgänge dokumentieren und auch, falls erforderlich, Untersuchungen einleiten. 

Zwei scheiden aus

Dabei agieren sie oft in doppelter Funktion, wie zum Beispiel Günther Stadler, langjähriger Polizeidienststellenleiter in Füssen. Er war 1983 der Lawinenkommission in Schwangau beigetreten und auf eigenen Wunsch nun nach über 30 Jahren ausgetreten. Noch länger, seit 1976, gehört auch Andreas Keck der Lawinenkommission in Schwangau an. Damit ist Keck ein Gründungsmitglied, wie Oberregierungsrat Ralf Kinkel vom Landratsamt Ostallgäu erinnerte.

 Ihm oblag die Ehrung der beiden Ehrenamtlichen, die beide nun aufgrund persönlicher Gründe nicht mehr in der Lawinenkommission arbeiten. Keck sei darüber hinaus ein Vierteljahrhundert Obmann der Lawinenkommission gewesen, erläuterte Kinkel, und bis 2016 auch Messfeldbetreuer am Tegelberg. Er selbst habe an der Umstellung des Messfeldes auf einen automatisierten Betrieb mitgeholfen, so Kinkel.

gau

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