Einsatz mit dem Helikopter

Premiere mit Exklusivstatus am Tegelberg

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Die Azubis mit ihren Ausbildern (v. l.) Thomas Bader, Mathias Thannheimer, Aron Haye, Jakob Wiedemann und Andreas Ebert vor einem Aufbau zum Lawinenschutz.

Schwangau/Sonthofen – Am Aufbau der Lawinenschutz-Vorrichtungen am Tegelberg haben sich auch die Auszubildenden des Forstbetriebs Sonthofen der Bayerischen Staatsforsten (BaySF) mit ihren Ausbildern beteiligt.

Diese Ausbildungskooperation zwischen der Fachstelle Schutzwaldmanagement des Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kempten (AELF) und dem Forstbetrieb ist einmalig in Bayern und es gibt sie nur im Allgäu. An diesem Tag sollten die Forstwirt-Azubis zum ersten Mal Konstruktionen zum Schutz vor Lawinen im Berg befestigen. 

Zukünftig wird das Thema Allgäuer Bergwald, Schutzwaldmanagement und Schutzwaldsanierung im Lehrplan der jungen Forstwirte fest verankert. Denn im Allgäu wird besonderes Wissen für die Forstwirtschaft und den Naturschutz benötigt. „Ein sehr hoher Bedarf an Facharbeitern in der Forstwirtschaft und der Holzverarbeitung besteht“, weiß Forstdirektor Klaus Dinser vom AELF Kempten. Dieser Bedarf werde künftig noch weiter steigen. 

Jetzt, so sagte Dinser, können die Auszubildenden von dem „enormen Know-How“ der Ausbilder profitieren. Ausbilder sind die beiden Forstwirtschaftsmeister Andreas Ebert und Thomas Bader von den Forstbetriebe Sonthofen. „Die Qualität der Ausbildung muss erhalten bleiben und neu geschaffen werden“, erklärte Dinser. Denn diese Ausbildung benötige insbesondere im Allgäu ein spezifisches Wissen über den Bergwald und die Gebirgslandschaft. Die Gefahren im Bergwald seien um einiges größer als im Flachland. Auch das Wetter beeinflusse die Arbeit und Sicherheit in größerem Maße als in der Ebene.

Die Schutzwaldsanierung im Bergwald sei ebenso wenig mit der im Flachland zu vergleichen. Die Bäume wachsen unter anderen Bedingungen und sie wachsen deutlich langsamer. Der Standort und von Bepflanzung und dementsprechend die Auswahl der Arten seien mit keiner anderen Waldlandschaft zu vergleichen. Der Forstdirektor betonte: „Der Wald soll den Lawinenschutz wieder übernehmen.“ Um dieses Ziel zu erreichen benötige es derart zusätzliche Spezifizierung in der Ausbildung der Forstwirte. Das Ziel der Kooperation sei es, qualifizierten Nachwuchs zu erhalten, sagte Dinser. 

Ausbilder Ebert berichtete, dass es sehr schwer sei geeignete Bewerber zu finden. Hitze, Kälte, Gefahren und harte körperliche Arbeit erwarten die jungen Menschen. Außerdem müssten sie ein hohes Maß an Flexibilität mitbringen. Nicht nur, da der Blockunterricht in der Berufschule in der Oberpfalz stattfindet. Der 18-jährige Jakob Wiedemann aus Weitnau, drittes Lehrjahr, der 17-jährige Aron Haye aus Immenstadt, zweites Lehrjahr, und der 16 Jahre junge Mathias Thannheimer aus Oberstdorf, der im zweiten Lehrjahr ist, haben sich dieser Herausforderung gestellt. Mit ihren Ausbildern stellten die Azubis die verbauten Elemente (Rechen) her und waren bei der Vorbereitung für den Transport mit dem Helikopter (der Kreisbote berichtete) zur Stelle der Verbauung involviert. Am Tag der Baumaßnahmen zum Lawinenschutz begann es schon vormittags stark zu regnen. 

Der härteste Einsatz

Deshalb eingestellt wurde die Arbeit nicht. Thannheimer findet es gut so viel draußen in der Natur zu sein. Im Nachhinein gaben die Azubis Lothar Poltmann, Forstamtsrat, Fachstelle Schutzwaldmanagement am AELF Kempten, gegenüber jedoch zu: Das war der härteste Einsatz bisher. Der Forstbetrieb Sonthofen bildet seit September 2017 wieder Forstwirte aus. 2005 wurde die Ausbildung innerhalb der BaySF auf wenige Forstbetriebe konzentriert. Grund war der hohe Aufwand, den die Forstbetriebe mit der Ausbildung haben. Zwischen 2005 und 2016 wurde im Allgäu bei den BaySF nur am Forstbetrieb Ottobeuren ausgebildet.

Da der Bestand an Forstwirten mittlerweile zu einem großen Teil der Rente nahe ist, muss auch aber in Sonthofen wieder Nachwuchs herangezogen werden. Während der dreijährigen Ausbildung lernen sie den Umgang mit Motorsäge und anderen Werkzeugen, verschiedene Arbeitstechniken, ergonomisches Arbeiten, die Holzbearbeitung und die Holzverarbeitung. Ebenso bilden sich die Azubis in Fachbereichen der Artenkenntnis, Naturschutz und ökologische Zusammenhänge. Der Sonthofener Forstbetriebsleiter Jann Oetting sagte, dass die Noten für eine Bewerbung eher zweitrangig seien. Egal ob Haupt- oder Realschule, „handwerklich begabt und wetterfest“ sollten die Bewerber sein. 

Dies können sie in einem Praktikum beweisen, das über die Eignung entscheidend wäre. Einen erfolgreichen Absolventen gibt es bereits und zum Ausbildungsjahr fangen heuer vier neue Auszubildende an. Die Übernahmechancen seien auch sehr gut, sagte der Forstbetriebsleiter. Das Interesse den qualifizierten Nachwuchs zu behalten sei groß. „Die jungen Menschen heute sind wesentlich flexibler als früher. Die Bayerischen Staatsforsten sind zwar ein attraktiver Arbeitgeber, aber bei Leibe nicht der einzige“, so Oetting.

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