Geplanter Krötentunnel sorgt für Kopfschütteln

Massive Kritik an Kemptener Bauamt

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Dass das Staatliche Bauamt hier an der B17 einen Krötentunnel bauen will, stößt bei Schwangauer Kommunalpolitikern auf deutliche Kritik.

Schwangau – Bereits im Fasching hat der geplante Bau eines Krötentunnels an der B17 auf Höhe des Bannwaldsees eine Rolle gespielt. Als Bürgermeister Stefan Rinke nun im Gemeinderat die Details des Krötentunnels vorstellte, hagelte es massive Kritik am Vorgehen des Staatlichen Bauamtes und am Zeitpunkt der Baumaßnahme – während der Krötenwanderung.

Von Ostern bis Pfingsten müssen sich die Verkehrsteilnehmer auf erhebliche Einschränkungen im Bereich der B17 einstellen (der Kreisbote berichtete). In drei Bauabschnitten will das Staatliche Bauamt Kempten auf einer Länge von 830 Metern eine feste „Amphibienschutzeinrichtung mit zugehörigen Straßenquerungen“ – wie es im Amtsdeutsch heißt – herstellen.

Dafür wird die Bundesstraße zwischen dem 23. März (der Mittwoch vor Ostern) bis zum 12. April komplett für den Verkehr gesperrt.

In der Zeit zwischen 13. April und 26. Mai (die Woche nach Pfingsten) soll die Straße für den Nord-Südverkehr in Richtung Füssen halbseitig geöffnet werden. Um die Deckenbauarbeiten zu koordinieren, wird anschließend die Straße nochmals komplett gesperrt bis voraussichtlich 6 . Juni.

Langer Umweg

 Während der Vollsperrung soll der Verkehr über Lechbruck und Steingaden geleitet werden. Hier hakte Timo Raschke als erster ein und meinte, dass die Maßnahmen gut und in Ordnung sei. Allerdings vertue man hier die Chance, die in diesem Bereich besonders unfallträchtige Bundesstraße zu entschärfen, insbesondere die Kurven im Bereich des Bannwaldsees. Allein 2015 hätten sich dort neun und im Jahr davor 17 schwere Unfälle ereignet. 2013 habe es sogar einen Toten gegeben, so der Polizeibeamte.

Raschke stieß sich aber auch an der Umleitung. Viele Schwangauer und Füssener würden in Buching arbeiten, etwa bei der Firma Bihler und müssten nun einen enormen Umweg von etwaa 25 Kilometer über Roßhaupten anstatt rund zehn Kilometer auf sich nehmen. Dem konnte sich Bürgermeister Rinke nicht verschließen.

 Er gab aber zu bedenken, dass die Gemeinde an den Planungen überhaupt nicht beteiligt worden sei. Die Baumaßnahme liege komplett in der Hoheit des Staatlichen Amtes in Kempten. Auch Gemeinderat Rupert Gebler ärgerte sich über dieses Vorgehen, dass die Kommunen „gar kein Mitspracherecht haben“ und man vor vollendete Tatsachen gestellt werde. Er sei dagegen, dass man für eine solche Maßnahme eine halbe Million Euro ausgebe, ohne ansonsten die Bundesstraße zu entschärfen.

Von Norden nicht zu erreichen

 Für wichtiger noch erachtete Peter Helmer die Tatsache, dass man mit der Baumaßnahme noch in den Osterferien beginnen und weit nach Pfingsten, so es die Witterung überhaupt zulasse, fertig werden wolle. In dieser Zeit sei Schwangau von Norden so gut wie nicht zu erreichen. Die B17 sei komplett abgeschnitten, so der Betreiber des Campingplatzes am Bannwaldsee.

 Das seien Argumente, so Stefan Rinke, die man offenbar beim Bauamt alle berücksichtigt habe, wie die Reaktion der Kemptener auf Einsprüche seitens der Gemeinden Halblech und Schwangau zeigen würden. Gemeinderat Peter Helmer ging sogar noch eine Schritt weiter und nannte den Krötentunnel – ein vergleichbares Bauwerk gibt es entlang der Staatsstraße Füssen-Hopfen – eine Gefahrenquelle für den Verkehr, insbesondere für die Motorradfahrer.

Auch den für die Krötentunnel scheinbar erforderlichen großflächigen Kahlschlag entlang der B17 bis Buching hieß Helmer nicht gut. Forstdirektor Robert Berchtold, der ihm beipflichtete, nannte es eine Rodung und schüttelte angesichts der Abholzaktion nur den Kopf. Auch Klaus Mielich meldete sich zu Wort, dem die Baumaßnahme zum jetzigen Zeitpunkt nicht einleuchtete. „So was macht man im Herbst.“

Denn die Krötenwanderung habe schon begonnen und wahrscheinlich würden während der Arbeiten mehr Tiere getötet als man mit dem Tunnel retten könne. Er verwies darauf, dass es nach dem Bundesnaturschutzrecht verboten sei, Hecken, lebende Zäune, Gebüsche und andere Gehölze in der Zeit vom ersten März bis zum 30. September abzuschneiden oder auf den Stock zu setzen, weil in dieser Zeit die Vögel brüteten. Hier aber beginne man genau dann mit den Bauarbeiten.

Oliver Sommer

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