Forggensee: Arbeiten dauern bis Herbst 2019

Der Schwanenprinz sticht nicht in See

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Die Sanierungsarbeiten am Staudamm in Roßhaupten laufen. Weil jedoch bei Erkundungsbohrungen schwerere Schäden als gedacht entdeckt wurden, verzögert sich der Aufstau des Forggensees weiter.

Füssen – Dass ein Schwanenpaar am Hergratzrieder Weiher brütet, mag ein Zufall sein. Aber das Bild, das es zeichnet, spricht Bände: am nur wenige Hundert Meter entfernten Forggensee geht heuer wohl nichts mehr, nicht mal den Nachwuchs großziehen. Denn vorerst wird der Forggensee nicht aufgestaut (der Kreisbote berichtete) und auch der Schwanenprinz wird heuer nicht in See stechen.

Es ist eine Katastrophe mit Ansage: Nach den ersten Erkundungsbohrungen kann aufgrund der doch schwereren Schäden am Roßhauptener Staudamm vorerst kein Aufstau erfolgen, meldete Kraftwerksbetreiber Uniper am vergangenen Mittwoch. 

Bis zuletzt hatten viele gehofft, eine konkrete Aussage zu erhalten, bis wann der See zumindest teilaufgestaut werden kann. Diese Idee hatte Uniper entwickelt, um wenigsten für die Badegäste eine Kulisse zu schaffen.

 Der Schnee ist weg 

Doch ob heuer überhaupt noch ein See aufgestaut werden kann, dazu möchte man sich seitens des Kraftwerksbetreibers nicht festlegen: „Zu potentiellen Aufstauzeiten äußern wir uns nicht, weil jede Schätzung unseriös wäre. Es liegt am Wasserdargebot des Lechs und das kann sehr unterschiedlich ausfallen“, heißt es auf Anfrage. Dabei haben fast alle in der Region das Problem vor Augen: Der Schnee ist weg. Selbst im oberen Lechtal, in Vorarlberg und Tirol, sind die Berge mittlerweile grün.

Hier beginnt der Lech, mit rund 65 Kubikmetern Wasser in der Sekunde (im Mittel) der Hauptwasserlieferant des Forggensees. Wer in den vergangenen Tagen auf dem Seegrund spazieren gegangen ist, erkennt aber auch, dass der Fluss schon weniger Wasser führt. Um genau diesem Effekt entgegen zu wirken, dass der Fluss im Sommer weniger Wasser bringt und um die unterhalb von Roßhaupten gelegenen Kraftwerke mit Wasser zu versorgen, war der Forggensee einst gebaut worden. Hier sollte das Wasserangebot über das Jahr hinweg verstetigt werden. 

Wie allerdings bei so wenig Wasser ein Aufstau erfolgen soll und dabei die Kraftwerke noch versorgt werden können, erschließt sich dem Betrachter nicht. Allein die Hochwasserreserve, ein halben Meter Stauhöhe, entspricht über sieben Millionen Kubikmetern Wasser. Und derzeit liegt die Stauhöhe des Sees, laut Hochwassernachrichtendienst Bayern, bei etwa 765 Metern und damit gut 15 Meter unter dem normalen Stauziel.

Musical wird abgesagt

Deshalb auch nun die konkrete Absage für den Schwanenprinz. Man sehe sich „schweren Herzens gezwungen, aufgrund der weiterhin anhaltenden Sanierungsarbeiten [..] unsere Vorstellungen 2018 absagen zu müssen“, heißt es auf der Homepage des Musicals. Erst am Wochenende hatten sich die Verantwortlichen dazu entschlossen, das geplante Musical abzusagen, das um das Festspielhaus herum, auf dem Fahrgastschiff MS Füssen, dem Forggensee und nicht zuletzt am Kraftwerk Roßhaupten, der „Gralsburg“, hätte stattfinden sollen. 

Wegen der Unkalkulierbarkeit, wann der See mit einem Schiff befahrbar sei, könne man die intensiven und aufwändigen Vorbereitungen für das Musical nicht mehr weiterführen. Hatte das Musical-Team für die Premiere des Schwanenprinzen noch auf eine Wendung zum Besseren gehofft, werden aber immer mehr Stimmen, vor allem seitens der Tourismusbetriebe laut, die hinterfragen, warum die Öffentlichkeit nicht früher informiert worden sei. 

In Schwangau versucht man mit Verweis auf die weiteren Seen die Gäste zu vertrösten. Die Betriebe direkt am See, treffe es natürlich besonders hart, heißt es in der Tourist Information. Tourismusdirektorin Petra Köpf: „Der Forggensee ist eines unserer größten Freizeitparadiese und es ist schon sehr schmerzhaft. Der See ohne Wasser bedeutet große Einbußen für viele, die wirtschaftlich davon abhängen“. 

Beliebte Seeführung

Zum Renner haben sich dagegen die Gästeführungen durch den ausgetrockneten See entwickelt, bei denen Magnus Peresson die Geschichte über die Entstehung des Stausees erzählt. Selbst auf der Homepage von Uniper wird auf diese Führungen verwiesen. Daneben erkunden viele, Gäste wie Einheimische, den Seegrund auf eigene Faust, weshalb mittlerweile schon Schilder aufgestellt wurden, die auf die Gefahren der steilen Canyons im See und das mögliche Einsinken hinweisen. 

Mit weit größeren Problemen kämpfen aber die Mitarbeiter der Fachfirma am Forggenseestaudamm selbst. Hatte Uniper auf der südlichen (orografisch rechte) Dammhälfte schon mit den größten Problemen gerechnet, zeigten die Erkundungsbohrungen nun weit größere Schäden an der Nahtstelle zwischen Damm und dem anstehenden Gebirge. So fanden Arbeiter in den Bohrkernen poröses und damit wassergängiges Gestein. Auch habe das Wasser in den vergangenen Jahrzehnten „vormals dicht und wasserundurchlässig bepackte Klüfte zwischen härteren Felsschichten ausgespült“, wie Uniper auf Nachfrage sagt. 

Bis Herbst 2019 arbeiten

Der Damm wurde seinerzeit in die sogenannten Weissach-Schichten, eine gut 1300 Meter mächtige Folge aus Konglomeraten, Mergeln und Sandsteinen, gebaut. Die rund 25 Millionen Jahre alten Gesteine wurden in der alpidischen Orogenese (Gebirgsbildung) zur Murnauer Mulde gefaltet und steil gestellt. Durch die Kavernen, die durch die Ausspülung entstanden sind, kann weiter Wasser vordringen und der Damm kann nachsacken. 

Das sei, so der Uniper-Pressesprecher, ein sehr langsamer aber üblicher Alterungsprozess von Staudämmen, wie etwa auch am Sylvensteinspeicher. Über Messinstrumente werde das nun erfasst, um Gegenmaßnahmen einzuleiten zu können. Die bestehen aus Betoninjektionen. Dabei wird über Bohrlöcher Beton in den Untergrund gepresst, der dort aushärtet. Auch eine Betonschlitzwand soll gebaut werden. Sie wird den Damm durchteufen und soll mehr als 40 Meter in den anstehenden Fels gründen. Damit wollen die Fachleute im Juli beginnen. Zuvor allerdings soll es nochmals eine Pressekonferenz zu den Baumaßnahmen geben, die bis in den Herbst 2019 andauern sollen.

gau

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