Lob für Bürgermeisterin Kritik am Landratsamat

Bauarbeiten in Pfronten: "Es trifft uns alle ziemlich hart"

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Die andauernden Bauarbeiten in der Meilinger Straße in Pfronten machen den Einzelhändlern dort schwer zu schaffen.

Pfronten – Seit Anfang April wird in der Meilinger Straße gebaut – und ist deshalb für den Verkehr nahezu voll gesperrt.

Das hat Auswirkungen auf die Geschäftsinhaber dort. „Ich hab damit kalkuliert“, sagte Beatrix Specht, Inhaberin des Spielwarengeschäfts. „Aber es trifft uns hier in der Meilinger Straße alle gleichermaßen ziemlich hart“. Voraussichtlich bis Mitte/ Ende Oktober ist die Meilinger Straße in Pfronten-Ried noch nahezu komplett gesperrt. 

Die Bauarbeiten gehen nach Angaben des Landratsamtes Ostallgäu als Bauträger von der Einmündung Allgäuer Straße an der Meilinger Straße bis zur Achweg-Brücke Richtung Pfronten-Meilingen und auf der Kreisstraße OAL 2 bis hinter der Einmündung zum V-Markt. Dort werden die Wasserleitungen erneuert und neue Kabel verlegt. Da die Sanierung der beiden in die Jahre gekommenen, maroden Brücken unwirtschaftlich sei, werden diese neu errichtet. Die Gemeinde Pfronten investiert in diesem Zug im Bereich der Faulen Ach in Hochwasserschutz-Maßnahmen. „Ich geh mal davon aus, dass es eher November oder noch später wird“, meinte einer der direkt betroffenen Geschäftsinhaber vorsichtig pessimistisch.

 Seit Beginn der Baumaßnahmen sei der Umsatz in den betroffenen Geschäften durch die Vollsperrung um 50 Prozent und mehr zurückgegangen. Das treffe die Geschäfte in der Meilinger Straße ziemlich hart, auch wenn sie damit gerechnet habe, sagte Beatrix Specht, Inhaberin des Spielwarengeschäfts. „Jeder will sauberes Wasser und schnelles Internet, aber keiner will die Baustelle vor seiner Tür“, so Specht weiter. Sie lobte die Arbeiter der Baufirma, die sich die größte Mühe geben, die Zugänge zu den einzelnen Geschäften zu gewährleisten. „Das Oster- und Pfingstgeschäft war ziemlich mau, ebenso ist es mit dem derzeitigen Sommergeschäft.” Was ihr und allen anderen Gewerbetreibenden in der Meilinger Straße fehle, sei die Laufkundschaft und der Durchgangsverkehr. Der eine oder andere habe doch spontan gehalten und quasi im Vorbeifahren seine Einkäufe erledigt.

Keine Kontrollen

„Die Einheimischen kommen gezielt zu uns und halten uns in der schwierigen Situation die Stange“, zeigt sich Bettina Kurrle von „D‘ Schublad” dankbar für die Unterstützung der Pfrontener. „Die Touristen bleiben weg, denn wer will schon in eine Baustelle fahren. Wir hoffen daher alle, dass die Baufirma die Termine einhält“. Ihr Blick geht schon auf die Planung in der Vorweihnachtszeit und die Probleme der Geschäftsinhaber, falls die Bauarbeiten länger dauern.

Daneben forderten die Anwohner bei einer Informationsveranstaltung Geschwindigkeitskontrollen. Während der Bauarbeiten ist das Tempo auf zehn km/h beschränkt, aber viele Autofahrer hielten das nicht ein. Diese Forderung sehen die Geschäftsleute allerdings kritisch. „Wer erwischt und bestraft wird, ist frustriert und mitunter auch genervt und hält dann nicht unbedingt an und erledigt seine Einkäufe“, meinen diese. Allerdings legen viele Autofahrer auch ein rücksichtsloses Verhalten an den Tag. Diese drängeln sich zwischen den Baufahrzeugen und Baugruben durch und sorgen für teilweise gefährliche Verzögerungen. „Ich hab mir schon ein paar Mal gedacht, jetzt knallt‘s gleich“, so Bettina Kurrle. Sie lobte die Besonnenheit der Baugeräteführer, die in solchen brenzligen Situationen Ruhe bewahren. 

Zwischenzeitlich ist der obere Bereich der Meilinger Straße bis zum Bahnübergang teilweise für den Verkehr freigegeben. „Ich hab während der Asphaltierungsarbeiten für zwei Tage nicht geöffnet“, erzählte Elke Fritsch von der dortigen Teestube. Sie freut sich über die wieder zunehmende Laufkundschaft. Der kleine Laden hatte während der Bauarbeiten in dem Bereich mit nahezu täglich wechselnden Zugängen zu kämpfen. 

Ein großes Lob sprechen alle Gewerbetreibenden jedoch der Pfrontener Bürgermeisterin Michaela Waldmann (CSU) aus. „Sie gibt sich große Mühe und informiert uns regelmäßig über den Fortschritt und die Maßnahmen“, so der einhellige Tenor. „Frau Waldmann und Herr Fäustle (Technischer Leiter Bauwesen – Anm. der Red.) kümmern sich vorbildlich um uns“, sagte Gemeinderat Fritz Brunhuber (CSU), Senior-Chef einer KFZ-Werkstatt, die ebenfalls von den Bauarbeiten betroffen ist. „Wenn notwendig wird die Straße bis zu dreimal täglich zur Staubbindung gewässert“, so Brunhuber. „Die beiden versuchen alles möglich zu machen, was geht“. Er dankte auch den Arbeitern der Baufirma, die sich dafür einsetzen, dass der Lieferverkehr nicht beeinträchtigt wird. „Über 34 Jahre ist es her seit den letzten Baumaßnahmen. Es war jetzt höchste Zeit. Wir hatten erst vor ein paar Tagen die letzten Wasserrohrbrüche kurz hintereinander im Abstand von nur wenigen Metern“. 

Ärger über Telekom

Dagegen kritisierten viele Anlieger die Telekom. So hatte „Die Räderei” drei Wochen lang eine offene Baugrube vor der Tür, „weil die ein Kabel nicht hergebracht haben. Das kann‘s ja wohl nicht sein. Das hat bei denen aber keinen interessiert“, ärgerte sich ein Gewerbetreibender über den Telekommunikations-Konzern. Viele bedauerten auch die Informationspolitik des Landratsamtes. „Vor Beginn der Bauarbeiten ist einer mal durchgegangen und hat uns gesagt, das es bald losgeht“, sagte Elke Fritsch von der Teestube. „Aber das war‘s dann auch schon“. 

Große Unzufriedenheit herrscht auch bei einigen Anwohnern des Birkenwegs und des Unterriedwegs. Seit die Bauarbeiten begonnen haben führt durch diese beiden engen Straßen der Umleitungsverkehr in einer Einbahn-Regelung. Die Anwohner hatten jedoch während der Bauzeit eine Sperrung für den Durchgangsverkehr gefordert. „Aber wenn das durchgegangen wäre, hätte es das Ende für uns bedeutet“, meinte Specht. „Dann hätten wir gar keine Kundschaft mehr“. Die Gemeinde Pfronten versucht deshalb zu vermitteln und die hochkochenden Emotionen zu beschwichtigen. Bei den 14 betroffenen Gastgebern in dem Bereich erhalten die Gäste von Pfronten Tourismus einen Eintritt in das Pfrontener Alpenbad oder eine Präsent als kleine Entschädigung.

Herbert Hoellisch

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