Diskussion über Mehrfamilienhäuser

"Wir müssen verdichtet bauen"

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Bürgermeister Paul Iacob: „Wir sind sehr dafür, dass solche Grundstücke in dieser Weise bebaut werden.“

Füssen – 18 Fußballfelder werden pro Tag in Bayern verbaut. Um diesen Flächenverbrauch entgegen zu wirken, sind die Kommunen angehalten ihren Siedlungsraum zu verdichten. Doch was Füssen dafür bereit ist in Kauf zu nehmen, darüber haben die Mitglieder des Bauausschusses jetzt diskutiert. 

Konkret ging es um zwei Projekte für Mehrfamilienhäuser, die die Räte zwar grundsätzlich begrüßten. Gleichzeitig sah Stadtrat Magnus Peresson (UBL) aber auch eine Gefahr auf die Stadt zukommen.

In Weißensee möchte ein Bauherr ein Wohnhaus abreißen und stattdessen drei Mehrfamilienhäuser bauen. Mit Blick auf die umliegenden Häuser kam die Füssener Bauverwaltung zu dem Schluss, dass sich „eine gewisse Reduzierung der Gesamtgröße nicht vermeiden lassen wird“, erläuterte Bauamtsleiter Armin Angeringer zu der Voranfrage. Und auch bei den Stellplätzen sah er Handlungsbedarf. Zwar möchte der Antragsteller eine gemeinsame Tiefgarage für alle drei Häuser errichten, will aber auf Besucherstellplätze außerhalb der Garage verzichten. 

Dabei wäre auf dem Grundstück noch Platz, den ein oder anderen Stellplatz unterzubringen, meinte Stadträtin Uschi Lax (CSU). Sie konnte zwar nachvollziehen, dass ein so großes Grundstück heute dichter bebaut werde als in vergangenen Jahrzehnten. Die Geschossflächenzahl (GFZ) dürfe sich aber trotzdem nicht zu stark von den umliegenden Gebäuden unterscheiden. Zudem sollten die Häuser nicht mehr als zwei Geschosse plus Dachgeschoss umfassen. „Das sieht die Planung schon vor“, sagte Angeringer. 

Grundsätzlich sei die Stadt aber „sehr dafür, dass solche Grundstücke in dieser Weise bebaut werden“, teilte Bürgermeister Paul Iacob (SPD) mit. „Wir müssen verdichtet bauen. Wir müssen solche Vorhaben zunächst einmal positiv begleiten.“ Die Details werde die Stadt dann noch mit den Antragstellern besprechen. 

„Verdichtung ist gut“, meinte auch Stadtrat und Architekt Magnus Peresson (UBL). Gleichzeitig warnte er aber vor einem Präzedenzfall, der Tür und Tor für große Gebäude öffnen könnte. „Wir machen da (bei der Geschossflächenzahl – Anmerk. d. Red.) einen Sprung von über 100 Prozent. Jeder, der da ein Gebäude kauft, wird das auch machen.“ 

Durch die Kombination verschiedener Werte und die absolute Kubatur (das Volumen eines Bauwerks) werde die Stadtverwaltung die maximale Größe der Gebäude beschränken, erklärte Angeringer. Aber: „Eine gewisse Mehrung der GFZ wird sich nicht vermeiden lassen. Dem Innenverdichtungsansatz muss man hier Rechnung tragen.“ 

Ausschuss lehnt ab 

Ähnlicher Meinung war Jürgen Doser (FW). „Die Gebäudekubaturen sind maßgebend.“ Daneben sei der Antragsteller aber jemand, „der schon lange da ist. Mit dem kann man, glaube ich, reden.“ Genau das will jetzt die Stadtverwaltung machen, kündigte Bürgermeister Iacob an. Denn die Stadträte stellten zwar die Befürwortung in Aussicht, lehnten die Bauvoranfrage allerdings unter anderem aufgrund der Stellplätze und der Gesamtgröße ab. 

Anders verhielt es sich mit dem Bauantrag für zwei Mehrfamilienhäuser mit jeweils sieben Wohnungen und einer gemeinsamen Tiefgarage, die ein Bauwerber in der Weidachstraße errichten will. Eines der Häuser werde im Vergleich zu früheren Unterlagen zwar etwas größer geplant, aber das habe das Landratsamt Ostallgäu als noch verträglich eingestuft, erklärte Angeringer. Der Grund: Die Familie des Antragstellers wolle diese Wohnungen selbst nutzen, während die übrigen vermietet werden. 

Ein größeres Problem hatte die Stadtverwaltung dagegen mit den Besucherstellplätzen. Diese halten teilweise nicht die festgeschriebenen Abstände zur Straße ein, so Angeringer. Und auch die Größe der Zufahrt weiche von der städtischen Stellplatzsatzung ab. 

Doch Jürgen Doser schätzte das nicht als Problem ein, zumal in dem Areal nur Tempo 30 erlaubt sei. „30 Prozent Besucherstellplätze, das macht Sinn. Das können wir nur begrüßen.“ Und auch die Gebäude selbst hielt er für „architektonisch gelungen.“ Zudem seien Mietwohnungen für Füssener Familien positiv. „Die Tiefgarage ist groß. Man bringt was rein. Das ist wünschenswert und sinnvoll.“ 

Gleicher Meinung war Uschi Lax (CSU). Die Häuser seien fast schon Mehrgenerationenwohnhäuser. „Das ist eigentlich sinnvoll.“ Lothar Schaffrath (SPD) fand sie gar ein „super Beispiel für Verdichtung.“ 

Peresson warnt 

Gegen Verdichtung hatte Magnus Peresson (UBL) zwar nichts. Doch er warnte erneut vor einem Präzedenzfall. Die geplanten Häuser hätten eine GFZ von 0,78. Die Gebäude in der Nachbarschaft dagegen nicht mehr als 0,35. „Wir lösen eine Flut von Vergrößerungen aus, die für das Viertel nicht gut ist.“ Damit öffne man das Feld für Spekulanten, die die alten Häuser aus den zwanziger Jahren kaufen, weil sie auf das gleiche Grundstück ein doppelt so großes Gebäude bauen dürften. „Und Spekulanten bringen keine gute Architektur mit“, so Peresson. 

Seine Bedenken konnte Jürgen Doser (FWF) zwar ein Stück weit nachvollziehen. Er war allerdings der Meinung, dass man sich die Größe der umliegenden Gebäude anschauen müsse. Und hier würden die Häuser reinpassen. Auch Georg Waldmann (SPD) sprach sich für eine Einzelfallbetrachtung aus. Grundsätzlich fand er eine Erhöhung der GFZ „nicht schlecht.“ Am Ende sprachen sich die Ratsmitglieder einstimmig für den Antrag aus.

Katharina Knoll

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