Bauherr hat Wandgemälde überstrichen

"Das ist skandalös"

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Der Götterbote Hermes, gemalt von dem Füssener Heimatpfleger Josef Lorch, zierte bis vor kurzem das ehemalige Sparkassengebäude in der Reichenstraße.

Füssen – „Das ist skandalös, was da betrieben wurde“. Mit deutlichen Worten, hat Bürgermeister Paul Iacob (SPD) am Dienstag im Bauausschuss die Arbeiten am ehemaligen Sparkassengebäude in der Reichenstraße kritisiert. In dem Gebäude soll ein Hotel im zwei bis drei Sternebereich entstehen. 

Dafür wird bereits fleißig gewerkelt. Doch bei den Arbeiten ist jetzt etwas passiert, was nicht nur beim Rathauschef für Entrüstung sorgte. Beim Streichen der Fassade übermalten die Arbeiter auch ein Wandgemälde, wie Bauamtsleiter Armin Angeringer berichtete. Das hatte in den siebziger Jahren der Füssener Maler, Restaurator und Heimatpfleger Josef Lorch auf die Fassade des damaligen Sparkassengebäudes aufgebracht. Es stellte nicht nur den Götterboten Hermes dar, sondern war auch ein Teil der städtischen Baukultur, wie Iacob erklärte. Für sein Wirken in der Stadt Füssen wurde Lorch einst mit der Füssener Bürgermedaille ausgezeichnet. Daneben erhielt er auch die Denkmalschutzmedaille. 

Dass dieses Gemälde nun ohne Genehmigung übermalt wurde, „ist ein absoluter Skandal. Es stinkt mir. Das ist ein absolut unverschämtes Vorgehen“, sagte Iacob. Denn als der Bauwerber die Neugestaltung der Fassade beantragt hatte, habe die Stadt gefordert, dass das Gemälde in Originalfarben restauriert werden soll, erklärte der Füssener Bauamtsleiter. Und auch in den weiteren Abstimmungsgesprächen mit der Denkmalpflege am Landratsamts sei „nie besprochen worden, dass das Gemälde verändert oder entfernt werden darf“, wie Angeringer aus Gesprächen mit dem Kreisbaumeister Anton Hohenadl weiß. 

Daneben habe der Bauherr auch gegen die städtische Baugestaltungssatzung verstoßen, mit der Füssens Baukultur geschützt werden soll, informierte Angeringer. 

Gemälde wieder herstellen 

„Ich möchte nicht, dass ein Teil unserer Kultur durch andere kaputt gemacht wird“, ereiferte sich deshalb der Rathauschef. Der Künstler Lorch sei mit diesem Vorgehen in seiner Würde verletzt worden. „Die Kultur, die wir hier haben, dürfen wir nicht einfach wegschmeißen“, sagte Iacob. Zugezogenen, „müssen sie nicht verstehen, sie müssen sie aber akzeptieren.“ 

Deshalb forderte der Rathauschef, dass das Gemälde wieder freigelegt bzw. wieder hergestellt werde. Was davon technisch machbar sei, soll bei einem Termin mit dem Bauherren geklärt werden, fügte Angeringer hinzu. Insgesamt empfahl er, den neuen Antrag des Bauherren zur Fassadengestaltung und Werbeanlagen abzulehnen. Denn neben den Verstößen fehlen noch wichtige Unterlagen für die Werbeanlagen, so der Bauamtsleiter. 

Die Räte hatten nichts dagegen auszusetzen und lehnten den Antrag einstimmig ab. „Wir müssen erhalten, was da ist“, stimmte Michael Jakob (CSU) dem Rathauschef zu. Dass das geht, sehe man am alten Mögelehaus. Dort wurde das alte Wandgemälde in „vorbildlicher Weise in Szene gesetzt“, sagte Michael Jakob. 

Bau wurde eingestellt 

Auch Dr. Christoph Böhm (CSU) gab Rathauschef Iacob in dessen Empörung „vollkommen recht.“ Iacobs Ansprache, könnte man „als Vorwort in unserer Altstadtsatzung aufnehmen“, so Böhm. Allerdings hätte er die schon beim Bauvorhaben in der Hinteren Gasse erwartet, als dort ein Bodendenkmal ungenehmigt entfernt worden sei, meinte Böhm. „Da wäre die Empörung angemessen gewesen.“ Zu diesem könne er ad hoc nichts sagen, so Iacob. Allerdings habe er sich beim Hotel Sonne „sehr dafür eingesetzt“, dass das dortige Turmfragment erhalten oder in andere Weise dargestellt werde. 

Ein anderer Aspekt beschäftigte Dr. Anni Derday (FWF). Sie fragte sich, ob die Stadt das Vorgehen des Bauherren nicht sanktionieren könne. Das sei bereits geschehen, informierte Iacob. Als der Verstoß bekannt wurde, habe die Stadt beim Landratsamt erreicht, dass die Arbeiten am alten Sparkassengebäude eingestellt werden. „Der Baustopp ist ab heute wirksam“, sagte der Füssener Rathauschef. Und das wolle man auch kontrollieren. 

Katharina Knoll

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