Bauausschuss segnet Umgestaltung des Platzes an der Lechhalde ab

Linde muss für Umbau weichen

+
Die Linde an der Lechhalde versperrt den Blick auf die historische Spitalkirche. Für die Umgestaltung des Platzes vor dem EWR-Gebäude (links) muss sie nun gefällt.

Füssen – Die Linde an der Lechhalde kommt weg. Das hat am Dienstag der Bauausschuss mit 8:1 Stimmen beschlossen.

Grund dafür ist die Umgestaltung des Vorplatzes beim EWR-Gebäude. Da halfen auch die 200 Unterschriften nicht, die die Baumfreunde Füssen gesammelt hatten. Denn der Baum versperre den Blick auf die historische Spitalkirche – eine der „bekanntesten Fassaden im Allgäu“, sagte Bürgermeister Paul Iacob (SPD). 

Ein Baum oder ein Stück Geschichte? Was von beiden wichtiger ist, darüber haben am Dienstag die Stadträte diskutiert. Denn nach der Sanierung des EWR-Gebäudes habe sich die Stadtverwaltung Gedanken gemacht, wie man den Platz davor mit Blick auf die historische Spitalkirche neu gestalten könne, erklärte Bürgermeister Iacob. Denn der Bereich sei ein „wesentlicher Bestandteil dieser Stadtentwicklung.“ 

Hier stand einst das Lechtor, über das Besucher die Stadt Füssen betraten, nachdem sie den Lech überquert hatten. Wie dieses Stück Geschichte wieder sichtbar gemacht werden könnte, darüber hat ich Stadtrat, Architekt und Historiker Magnus Peresson (UBL) Gedanken gemacht. Das Ganze solle „möglichst schlich“ werden, so Peresson – eben so wie die Füssener immer gewesen seien. Sein Entwurf sieht für die Lechhalde eine Rampe vor, die der Steigung des Gehsteigs nördlich des EWR entspricht. 

Sie soll die vier Treppenstufen am EWR-Gebäude ersetzen, damit künftig auch Passanten mit Rollator den Platz benutzen können. Ihr Verlauf soll durch zwei parallele Mauern, die im rechten Winkel zum Gebäude errichtet werden, entstehen. Auf diese könnten sich Passanten dann auch hinsetzen. Dafür möchte Peresson die Steine des alten Füssener Bahnhofs verwenden.

 Lokale Steinmetze hätten damals aus den Steinen des Kalvarienbergs „wunderbare große Stücke hergestellt“, so der Architekt. „Es wäre absolut einmalig das alte Material wieder zu verwenden“, sagte Peresson. 

Wertvolle Steine

Das dürfte laut Bürgermeister Paul Iacob wohl kein Problem werden. Die Steine „waren zu wertvoll, um sie einfach wegzuwerfen“, betonte der Füssener Rathauschef. Deshalb lagern sie im städtischen Bauhof und bei der Firma Hubert Schmid in Marktoberdorf. Sparen könnte die Stadt auch bei der Planung, meinte Peresson. Dafür „brauchts kein großes Büro“.

 Es reiche ein Mitarbeiter und er selbst. Dann könne man das „zu einem relativ günstigen Preis machen“, so der Architekt. Ein Modell aus Bronze könnte zudem an das ehemalige Lechtor erinnern. Doch bei den Plänen gibt es ein Problem: Die Linde dort muss für die Rampe weichen. Während die meisten Ausschussmitglieder damit kein Problem haben, sprach sich Dr. Christoph Böhm (CSU) für einen Kompromiss aus. Schließlich hätten die Baumfreunde 200 Unterschriften gesammelt. 

„Es geht darum den Baum zu erhalten“, so Böhm. Zwar fand er die Situation auch nicht optimal. Der Baum sei wie alles unter Bürgermeister Otto Wanner nur für den Augenblick und nicht für die Zukunft geplant worden, meinte Böhm. Trotzdem appellierte er dafür, den Entwurf zu modifizieren, um die Linde unterzubringen und so den Baumfreunden entgegen zu kommen. 

So viele Bäume wie nie

Doch mit dieser Haltung stand er alleine da. Der Baum sei einfach zu groß, meinte Lothar Schaffrath (SPD). Besucher könnten nicht von der Lechhalde auf die Spitalkirche schauen, weil die Linde im Weg sei. „Das ist fundamental für jedes Bild, das da unten gemacht wird.“ 

Außerdem sei der Baum erst in den achtziger Jahren beim Umbau des alten Gasthofs „Löwen“ zum heutigen EWR-Gebäude angepflanzt worden, erklärte Bauamtsleiter Armin Angeringer. Nach Erklärungen von Museumsleiter Dr. Anton Englert wäre man früher „nicht auf die Idee gekommen, dort einen Baum zu pflanzen.“ 

Das sah auch Michael Jakob (CSU) so: „In solchen Gassen gehören gar keine Bäume hinein.“ „Es ist ein Armutszeugnis, dass solch schöne Blicke zuwachsen“, sagte der Rathauschef auch mit Blick auf den Pfarrhof in Weißensee. Und an Bäume mangle es wahrlich nicht im Allgäu. Heute stünden hier so viele Bäume wie seit Jahrhunderten nicht mehr, fügte Iacob an. „Auf dem Kalvarienberg stand nicht ein richtiger Baum.“ 

Zu guter Letzt müsse man sich auch die Unterschriftenliste etwas genauer anschauen, fügte Angeringer an. Zwar sei es wichtig, dass sich Bürger beteiligen. Aber: Ein „wesentlicher Bestandteil“ der Unterzeichner stamme gar nicht aus Füssen. Von der ersten Liste wohnen nur 45 Personen in der Lechstadt und 73 seien Auswärtige. Auf der zweiten Liste hätten 36 Einheimische und 52 Auswärtige unterschrieben. „Ich möchte das nicht überbewerten.“ Man müsse diese Tatsache aber entsprechend einstufen.

Am Ende befürworteten die Stadträte mit 8:1-Stimmen die Fällung des Baums. Zudem soll die Stadtverwaltung zusammen mit Magnus Peresson die Pläne weiter vorantreiben sowie die Kosten für den Umbau ermitteln und in den Haushaltsplan einstellen.

kk

Auch interessant

Meistgelesen

Video
So finden Sie das richtige Parkett für Ihr Zuhause
So finden Sie das richtige Parkett für Ihr Zuhause
"Ein unzumutbarer Zustand"
"Ein unzumutbarer Zustand"
"Lotterie für die Stadt Füssen"
"Lotterie für die Stadt Füssen"
Ab jetzt wird geblitzt
Ab jetzt wird geblitzt

Kommentare