Bebauungsplan W43: Stadtrat segnet Verkehrskonzept ab

"Ein wichtiger Schritt für Füssen"

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Der Luitpoldkreisel am Prinzregentenplatz soll im Zuge des Bebauungsplans W43 umgebaut werden.

Nach Jahren der Diskussion ist der Stadtrat beim Bebauungsplan (B-Plan) W43 – Ottostraße, Bahnhofstraße und innerstädtische Verkehrsplanung einen entscheidenden Schritt weitergekommen. Die Räte befürworteten das neue Verkehrskonzept, das den innerstädtischen Verkehr zügiger abfließen lassen soll. 

Gleichzeitig segneten sie den Vorentwurf der ersten Änderung des B-Plans ab, so dass jetzt die Öffentlichkeit und die Behörden beteiligt werden können. Parallel dazu sollen Fragen der Bürger bei einer Informationsveranstaltung geklärt werden.

Die Untersuchungen der Experten ergaben, was viele Füssener wohl schon selbst in den vergangenen Monaten bemerkt hatten: Mit der neuen Ampel an der Luitpoldstraße, die seit Juni den Zebrastreifen ersetzt, fließt der Verkehr deutlich zügiger ab, erklärte Markus Schaible von der Planungsgruppe Kölz. Diese hatte den Verkehr bei einem Monitoring im Mai und Juni dieses Jahres beobachtet. Das Ergebnis: Sobald Fußgänger den Zebrastreifen überquert hatten, führte das „sofort dazu, dass es sich sehr schnell am Luitpoldkreisel durch staut“, so Schaible. Und das hatte auch „massive Auswirkungen auf den nächsten Knotenpunkt.“ Zwischen 15 und 19 Uhr ergab sich somit ein „über 400 Meter langer Rückstau bis zur Glückstraße/Ottostraße“, erklärte der Ingenieur. 

Mit der Ampel befinde man sich schon jetzt auf einem „ganz anderen Niveau“, wie die Untersuchungen zeigen. So reduziere sich der morgendliche Rückstau in der Spitze um 20 Prozent und der abendliche um 25 Prozent bzw. an der Einmündung Von-Freyberg-Straße sogar um 40 Prozent. „Da sieht man, was allein dieser Schritt ausmacht“, sagte der Verkehrsplaner. Und das obwohl bei der zweiten Messung im Juni ca. 1000 Fahrzeuge mehr in der Luitpoldstraße und ca. 1500 Fahrzeuge mehr in der Bahnhofstraße/Kaiser-Maximilian-Platz unterwegs waren. 

Sonderfall Bypass 

Wie das Ganze in 13 Jahren ausschauen könnte, zeigten in der Sitzung drei Simulationsvideos mit den prognostizierten Verkehrsmengen für das Jahr 2030. Im ersten Szenario bestand noch der Zebrastreifen am Luitpoldkreisel, allerdings war bereits die Bahnhofstraße für Busbegegnungen ausgebaut. Das Ergebnis: „Ein Rückstau von weit über 500 Meter“, so Schaible. Dieser „geht bis in die Kemptener Straße.“ Die Folge: Viele würden über die Innere Kemptener Straße und südliche Luitpoldstraße ausweichen. Daneben würden die Autos in der Von-Freyberg-Straße bis zur Einmündung Glückstraße stehen. 

Das zweite Szenario zeigte die jetzige Situation mit der Ampel in der Luitpoldstraße, aber schon mit ausgebauter Bahnhofstraße. „Das ist schon mal ein Quantensprung“, erklärte Schaible. „Die ersten 200 bis 300 Meter an Stau sind gespart.“ 

Noch besser präsentierte sich das dritte Szenario mit Ampel, ausgebauter Bahnhofstraße und „Bypass“-Spur am Luitpoldkreisel. Im Vergleich zum zweiten Simulationsvideo verkürze sich der Stau noch einmal um ca. 160 Meter, erklärte Prof. Gunter Kölz von der Planungsgruppe Kölz. 

„Die Regierung von Schwaben kann sich durchaus Variante drei vorstellen“, so Kölz. Allerdings müsse das Verkehrsamt in München noch mitspielen. Denn diese „Bypass-Spur ist nicht in der Literatur zu finden. Sie ist ein Sonderfall“, so Kölz. Mit ihrer Hilfe sollen sich die Fahrzeuge schon vor dem Luitpoldkreisel in Linksabbieger oder Geradeausfahrer sortieren. Daneben soll der Aufstellbereich in Richtung Kaiser-Maximilian-Platz so aufgeweitet werden, dass große Fahrzeuge beide Fahrstreifen nutzen können. Außerdem soll der Innenkreisradius des Luitpoldkreisels um ca. einen Meter verkürzt werden. Mit diesen Maßnahmen ergebe sich ein größerer Stauraum und ein zügigerer Abfluss am Kaiser-Maximilian-Platz, ist auch die Regierung von Schwaben überzeugt. Aber: Dafür müsse der Gehweg vor dem Hotel Sonne verschmälert werden. „Die Nutzbarkeit der Arkade für die Fußgänger muss daher gewährleistet werden“, fordert die Regierung von Schwaben. 

Damit der Verkehr fließend durchfahren kann, müsse aber auch die Bahnhofstraße verbreitert werden, die zum Zentralen Omnibusbahnhof führt, sagte Schaible. Denn bisher können dort keine zwei Busse aneinander vorbeifahren. Die Straßenbreite soll deshalb von 5,97 Meter auf 6,35 Meter anwachsen. Daneben soll der Parkstreifen am Luitpoldparkhotel um einen Meter erweitert werden, damit hier künftig Reisebusse zum Be- und Entladen halten können. Die nötige Fläche dafür, will man vom nordseitigen Gehsteig abzwacken. Der soll so auf eine Breite von 2,18 bzw. 1,62 Meter verkleinert werden. 

Kritik am Gehsteig 

Doch das bereitete Wolfgang Bader (SPD) Bauschmerzen, wie er erklärte. Denn schließlich sollen Fußgänger künftig verstärkt diesen Gehweg benutzen. Gleicher Meinung war da Peter Hartung (CSU). Nach diesem Prinzip sollte der südliche Gehweg verschmälert werden und nicht der nördliche. „Der südliche wäre zu schmal dafür“, hielt jedoch Bürgermeister Paul Iacob (SPD) dagegen. Diesen können Fußgänger häufig jedoch gar nicht benutzen, wenn dort Reisebusse ihr Gepäck ausladen, erklärte Georg Waldmann (SPD).„Müssen wir überhaupt zulassen, dass die Touristenbusse in die Innenstadt fahren?“, wollte er wissen. 

„Wir wollen beim W43 weiterkommen, weil wir Baurecht für den Bypass schaffen wollen“, erwiderte Stadtplaner Prof. Dr. Dr. Lothar Zettler von LARS consult. Das Thema kenne er aus anderen Kommunen und wisse deshalb, dass sich diese Diskussion einige Jahre hinziehen könne. Daneben werde der nördliche Gehsteig durch diese Reduzierung nur von einem überbreiten zu einem normal breiten, erklärte Zettler. Denn ein durchschnittlicher Gehsteig sei ca. 1,50 Meter breit. „Wir sind der Auffassung, dass Sie mit dieser Lösung mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen.“

Auch Niko Schulte (CSU) sah hier kein Problem. Der Bürgersteig an der Augsburger Straße sei deutlich schmaler, der Verkehr dafür aber viel stärker. „Das ist in Ordnung, was man da macht“, meinte er. 

Ein anderes Problem hatte Dr. Martin Metzger (BfF). Ihm ging es um die Detailplanung. „Da ist einiges noch zu machen, wenn wir die Fußgänger und Radler stärken wollen“, erklärte er. Zum Beispiel müsse man klären, wie man Radler, die von der südlichen Luitpoldstraße kommen, in den fließenden Verkehr der nördlichen Luitpoldstraße einführen könne. Auch sei „bis heute keine Sicherung der Fußgänger beim Luitpoldkreisel geschaffen worden“, monierte er. 

Hostels verhindern 

Die Planungsgruppe Kölz werde zunächst die Verkehrsplanung mit den wesentlichen Eckpunkten in den Bebauungsplan integrieren, erklärte Zettler. Anschließend gehe es in die Ausführungsplanung, in der diese Details eingearbeitet werden. Und diese werde „bei ihnen nochmal vorgelegt.“ Nicht um den Verkehr, sondern um die Bebauung ging es Dr. Anni Derday (FWF). Sie wollte den B-Plan als „Chance nutzen, eine bestimmte Art der Bebauung“ zu regulieren. Konkret ging es ihr um „die unerwünschte Entwicklung der Hostels, die die Qualitätsoffensive, die FTM seit Jahren anstrebt, widerspricht.“ Diesen Auftrag habe sie vom Marketing-Ausschuss erhalten. 

„Wir werden diese Anregung aufnehmen“, sagte Iacob. Auch wenn es im Mischgebiet schwierig werde, da der Gesetzgeber nicht differenziere, wie Bauamtsleiter Armin Angeringer erklärte. „Wir werden es mit einer juristischen Begleitung versuchen zu entwickeln.“ 

Am Ende segneten die Räte mit einer Gegenstimme den Umbau des Luitpoldkreisels mit Bypass-Spur und die weiteren Maßnahmen des Verkehrskonzepts ab. Außerdem beschlossen sie die feste Installation der Ampel an der Luitpoldstraße. Sie soll zudem eine Countdown-Anzeige erhalten.

Katharina Knoll

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