Ein begeistertes Publikum

Das Ludwig²-Musical feiert eine gelungene Premiere im Festspielhaus

+
Jan Ammann als König Ludwig II. in der diesjährigen Premiere des Ludwig-Musicals.

Füssen – Jubel herrschte am Donnerstagabend nach der Musical-Premiere 2018 in Ludwigs Festspielhaus Füssen. Der Chor hatte den Treue-Song des für „Ludwig²“ zusammengestellten Ensembles kaum zu Ende gesungen, da erhob sich schon das Publikum.

Auf den Beifall im Stehen folgten Reaktionen, wie sie nur Begeisterung für die gerade erlebte Inszenierung auslösen kann. Das Musical erntete wildes Fußgetrampel, das den Zuschauersaal minutenlang zum Beben brachte. Knapp 60 weitere Aufführungen mit vielen Stars in den Hauptrollen werden folgen. Auch bekannte Gesichter aus der Region spielen hier munter mit. Das Untergangsmärchen unterhält gut, kann aber auch sehr nachdenklich machen. 

Regisseur Benjamin Sahler ist nicht genug zu danken, dass nach „Sehnsucht nach dem Paradies“ von Stefan Barbarino nicht auch noch das zweite Füssener Ludwig-Musical in der Versenkung verschwand. Sahler genoss den Beifall des Premierenpublikums. Im Zentrum ganz vorne standen Hauptdarsteller Jan Ammann und der talentierte Bub Til Meixner, dem eine anrührende Darstellung als Prinz Ludwig gelang. Til glänzte im harmonischen Zusammenspiel mit Monika Staszak, die als Sybille Meilhaus ein Publikumsliebling werden könnte. 

Das Lied „Mein Ritter schlaf und träume“, das Amme Sybille dem für Lohengrin schwärmenden Prinzen Wiggerl singt, wird auch wieder von Suzan Zeichner zu hören sein. Sie erntete in den ersten Aufführungen des Musicals Bravorufe. In dieser Rolle ist demnächst als Gast auch eine derzeit besonders erfolgreiche Darstellerin aus Amsterdam zu erleben: Pia Douwes. Mit anderen Worten: Sahler ist es gelungen, Musicalstars für die Aufführungen in der neuen Spielzeit nach Füssen zu locken. Dazu gehört Matthias Stockinger als König. Seine Königs-Figur faszinierte erstmals das Publikum, als das Musical für eine Saison nach Kempten verlegt worden war. 

Im Ludwigs Festspielhaus hat die Regie am Premierenabend die technischen Möglichkeiten der Bühne genutzt, um frische Ideen in eindrucksvollen beweglichen Bildern zu präsentieren. Eine zusätzliche hohe Qualität der Neuinszenierung ist die Spielfreude des Ensembles. Dem Ensemble unter Sahlers Regie gehören erneut auch Akteure aus dem Allgäu an. Dazu gehören die vielseitig eingesetzten Günther Kirchner und Philip Sattelberger. 

Voller Lob für die Inszenierung 2018 war Autor Rolf Rettberg. „Das Musical ist noch besser geworden“, sagte Rettberg dem Kreisbote im Foyer wenige Minuten vor der Premiere. Er hatte die Generalprobe gesehen. Beim Schlussapplaus stand der Autor oben bei den Akteuren. Rettberg umarmte Jan Ammann. Das war kein Theater. Das kam von Herzen. 

Der Spielfilm „Ludwig II.“, der am morgigen Donnerstag, 10. Mai, um 12 Uhr auf 3SAT ausgestrahlt wird, wurde für eine originelle Idee heftig kritisiert: Zwei Schauspieler verkörpern im Verlauf der Geschichte den König: der eine jung, großgewachsen und schlank, der andere – kurz vor der Entmachtung – aufgedunsen in einer erschreckenden Körperfülle. Das Ludwig-Musical kommt dagegen mit einem Darsteller aus. Ammann, der vor 16 Jahren in Füssen sein Debüt feierte, ist jetzt Anfang 40. Ihm gelang, die nachvollziehbare Entwicklung vom jugendlichen zum reifen König.

Glänzend auch die Idee des Regisseurs, mit dem großartigen Darsteller Alexander Kerbst keinen graubärtigen Dr. Gudden auftreten zu lassen. Der Psychiater will in der damals noch „jungen Wissenschaft“ seine Karriere fortsetzen. Klinikchef Gudden lässt sich daher als Komplize der Gruppe aus Ministerium und Wirtschaft darauf ein, mittels eines vorformulierten Gutachtens Ludwig den Thron zu nehmen. Kerbst, der als „Falco“ Erfolge feiert, zeigt den Gudden als extrem tragische Figur. 

William Cohn, der inzwischen ein bekanntes Fernseh-Gesicht geworden ist, war als Waffenhändler Kaspar wieder in seine Paraderolle geschlüpft. Dazu tritt er noch als namenloser Uniformierter auf. Sein Monolog mit Blick aufs Schlachtfeld unterstreicht die pazifistische Botschaft des Musicals.Gänsehaut löst die Arie des „Schattenmanns“ aus: diesmal gesungen von Dennis Henschel. Der gebürtige Gelsenkirchener ist bekannt geworden durch seine Rollen im Musical „Das Wunder von Bern“. 

In Füssen dürfte Henschel seine Fangemeinde weiter vergrößert haben. Als „Schattenmann“ tritt auch Kevin Tarte auf, der im Festspielhaus nicht mehr vorgestellt werden muss. 

Humorvoll inszeniert

Einen Millionenpublikum bekannt wurde Anna Hofbauer in der TV-Show „Bachelorette“. Sie ist die Erstbesetzung der Sisi. Diese hat im Buch von Rolf Rettberg eine eher niedrige Bedeutung für den Fortgang der hochdramatischen Geschichte. Abgesehen von ihrem schönen roten Abendkleid ist Hofbauers Auftritt auf der Festspielhausbühne erstaunlich blass geblieben. 

Gelobt wurden – als sich der Kreisbote bei den Premierengästen umhörte – die neuen Kostüme der Damen beim höfischen Ball. Anklang fand, dass es einen recht unterhaltsamen Wechsel von schockierenden und zum Schmunzeln einladenden Szenen gibt. Humorvoll inszeniert: der König, der am technischen Fortschritt interessiert ist, führt sein allererstes Telefongespräch und lernt den unvollständigen künstlichen Regenbogen eines Erfinders kennen. „Am Bogen arbeiten wir noch“, entschuldigt sich Timo Pfeffer als Mächler. Die Inszenierung von Sahler dagegen ist als rundum gelungenes Werk zu genießen.

cf

Auch interessant

Meistgelesen

Sting und Shaggy sorgen für Partystimmung am Forggensee
Sting und Shaggy sorgen für Partystimmung am Forggensee
Schifffahrt und Fischer freuen sich über Aufstau des Forggensees
Schifffahrt und Fischer freuen sich über Aufstau des Forggensees
Feuerwehrmann beim Streckensichern angefahren
Feuerwehrmann beim Streckensichern angefahren
Bei der "Player`s Night" zum Abschluss der Stadtolympiade geht es hoch her
Bei der "Player`s Night" zum Abschluss der Stadtolympiade geht es hoch her

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.