Seeg tritt gegen Aufkirch an

Auf dem Honig-Erlebnisspielplatz in Seeg erläutert Bürgermeister Manfred Rinderle (rechts) der Prüfungskommission und der stellvertretenden Landrätin des Ostallgäus, Angelika Schorrer (links), die Einzelheiten. Foto: nis

Seeg – Welches Dorf im Ostallgäu hat mehr zu bieten, Seeg oder Aufkirch? Damit beschäftigte sich am Dienstag ein Gremium, da sich beide Dörfer für den Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft – Unser Dorf soll schöner werden“ angemeldet hatten. Nach den Dorfrundgängen zog das Gremium ein erstes Fazit.

Eigentlich kann man beide Ortschaften nur schwer miteinander vergleichen. Seeg ist eine Gemeinde mit 48 Ortsteilen und 2.800 Einwohnern. Sie ist geprägt von Landwirtschaft, Handwerk, Handel und Tourismus mit 70.000 Übernachtungen pro Jahr. Aufkirch dagegen gehört unter anderem mit dem Ortsteil Blonhofen zur Marktgemeinde Kaltental. Hier wohnen derzeit 453 Einwohner, dazu kommen noch die insgesamt 192 Bewohner aus Helmishofen und Eldratshofen. Auch hier gibt es vor allem Landwirtschaft. Dennoch kann sich nur eines der beiden Dörfer für den Bezirksentscheid des Wettbewerbs, das das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten ausrichtet, qualifizieren.  

Die achtköpfige Prüfungskommission bewertete bei ihren Dorfrundgängen die Entwicklungskonzepte und wirtschaftliche Initiativen des Dorfes und die sozialen und kulturellen Aktivitäten. Außerdem schauten sie sich öffentliche und private Baumaßnahmen im Verhältnis zur dörflichen Situation und Entwicklung, die Grüngestaltung und -entwicklung sowie die landespflegerischen Maßnahmen zur Einbindung in die Landschaft an. 

In einer ersten Zusammenfassung nach dem Dorfrundgang in Seeg hob die Kommission die positive Entwicklung der Infrastruktur hervor. Nichts fehle, alles sei wie in großen Gemeinden vorhanden, der Moorbahnhof binde das „Honigdorf Seeg“ bestens ins öffentliche Nahverkehrsnetz ein. Die Eigenleistung der Seeger Bürger sei bewundernswert, die Ausstattung des Schießstandes beim Trachtenverein hochmodern. Das gesellschaftliche Leben fände vorwiegend in den Vereinen statt, die keine Nachwuchsprobleme hätten. Die Altersstruktur der Vereinsvorstände spiegle das wider, auch die Jugend fände sich hier wieder und nicht „separat in einem Bauwagen“. Diese kulturelle und gemeinschaftliche Leistung sei unbezahlbar, andere Gemeinden könnten sich hier einiges abschauen. 

Umweltschutz stärker berücksichtigen 

Lobend wurde hervorgehoben, dass sich die Gemeinde Seeg seit 20 Jahren erfolgreich gegen die Errichtung eines Supermarktes wehre, der die Infrastruktur der Gemeinde stören würde. Städtebaulich sei die Entwicklung sehr gut und in die richtige Richtung gegangen. 

Das „Honigdorf Seeg“ sei ein typisch bayerisch angelegtes Dorf, mit der Kirche und dem sehr gepflegten terrassenförmig angelegten Friedhof am Rande des Dorfes. Mit der Umsetzung des Neubaugebietes im Osten des Dorfes habe man das berücksichtigt und fortgesetzt. Der Gemeinde sei ein großes Lob dafür auszusprechen, dass hier im Kaufpreis der Grundstücke die Bepflanzung beinhaltet sei. So könne dafür Sorge getragen werden, dass einheimischen Pflanzen der Vorzug gegeben werde und durch Sammelbestellung der Gemeinde die Bepflanzung für die Eigentümer billiger sei. Diese Pionierleistung sei in vielen Gemeinden zwar proklamiert, aber nie umgesetzt worden. 

Als ein „Highlight“ hob die Kommission den Erhalt der großen Grünflächen am Dorfanger hervor, zumal nicht alle Grundstücke dort in Gemeindebesitz seien. Respekt zolle man hier den privaten Besitzern, die diese Anlage so unterstützen. 

Mahnend hob die Kommission allerdings den Zeigefinger beim Umwelt- und Naturschutz und dem Dorfzentrum: Künftig müsse grundsätzlich noch viel mehr Umwelt- und Naturschutz berücksichtigt werden. Dies gelte für das gesamte Allgäu. Vieles sei jahrtausendelang gewachsen – wie die Flussmuschel – und müsse zur Heimaterhaltung noch besser geschützt werden. Eine große Lanze müsse für die Landwirte hier gebrochen werden, „das Leben dieser alten Kulturlandschaft zu erhalten“. 

Im Dorfkern müsse der „dörfliche Charakter“ besser hervorgehoben werden. Man dürfe doch nicht vergessen, den Dorfmittelpunkt mit den Augen eines Gastes zu sehen. Hier gelte es die betroffenen Bürger zu motivieren ihr Haus und Grundstück besser mit einzubringen. 

Aufkirch als ein "lebenswerter Ort" 

In Aufkirch hat die Kommission das „bemerkenswerte Gemeinschaftsleben“ so das Gremium besonders beeindruckt. Es gebe vielleicht nicht so viele Vereine wie anderswo. Die hätten dagegen „erstaunlich viele Mitglieder“. So zählt der Schützenverein FSG Römerturm Aufkirch 250 Mitglieder, „wo gibt es das heute noch“, so das Gremium. Auch der Sportverein FC Blonhofen, den sich die beiden Ortsteile Blonhofen und Aufkirch wie viele andere Vereine teilen, zählt 600 Mitglieder. 

Daneben gab es aber auch lobende Worte für die Infrastruktur mit neuen Straßen und neu verlegten Kabeln, beseitigten Engstellen und dem renovierten Gasthaus Traube mit Brauerei. Das war bis Mitte der neunziger Jahre „total verfallen“, so Bürgermeister Manfred Hauser, bis ein Bauunternehmer es gekauft und restauriert habe. 2005 wurde die angeschlossene Brauerei eröffnet. 

„Beeindruckt“ war das Gremium unter anderem von den Ideen der Hofkäserei mit angeschlossenen Hof-Bio-Laden, die ländliche Kultur zu stabilisieren. Ähnliche Wege sollten junge Landwirte im Auge behalten. 

Insgesamt zog das Gremium ein positives Fazit, es hatte aber auch kleine Kritikpunkte. So sei das bisher Erreichte bei der städtebaulichen Entwicklung zwar „sehr positiv“, die alte Schule als Erinnerung zu erhalten, wäre allerdings wichtig gewesen. Das leerstehende Gebäude wurde 2008 abgerissen. Hier entstand ein Parkplatz und ein Brunnen. Auch warnte das Gremium davor das alte Gemeindehaus „einfach wegzugeben“. 

„Vorbildlich“ engagiere sich der Ort unter anderem beim Schutz des seltenen Löffelkrauts und weise auch noch intakte Weidebereiche auf. Es gebe jedoch die Tendenz, dass extensiv bewirtschaftete Flächen aus der Landschaftspflege herausfallen, warnte das Gremium. 

Wer von beiden den Kreisentscheid gewinnt und in den Bezirksentscheid einziehen wird, will das Landratsamt Ostallgäu dann kommende Woche bekannt geben. jl/kk

Auch interessant

Meistgelesen

Motorradfahrer schwer verletzt
Motorradfahrer schwer verletzt
Alle Türen stehen weit offen
Alle Türen stehen weit offen
Das Warten hat ein Ende
Das Warten hat ein Ende
Hauptsache dabei sein
Hauptsache dabei sein

Kommentare