Mit Hilde Heer kommt auch das älteste Mitglied zur Feier

DAV-Sektion Pfronten feiert ihren 50. Geburtstag

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Die ehemaligen Vorstände der Pfrontener DAV-Sektion: Rosi Riedenauer (v.l., in Vertretung für ihren 1971 in einer Lawine tödlich verunglückten Mann Karl Riedenauer, dem ersten Vorstand nach der Neugründung der Sektion), Hans Kollmann (1972 bis 1979), Josef Trenkle (1979 bis 1997), Hartmut Münchenbach (1997 bis 2005), Franz Haslach (2005 bis 2009) sowie Hanspeter Zweng (2009 bis 2013).

Pfronten – „Es war ein kurzweiliger Abend mit einem bunten Programm“, so das Fazit von einigen Gästen beim Jubiläumsabend der DAV Sektion Pfronten.

Der Verein feierte am Samstagabend im Pfarrheim Ried mit zahlreichen Gästen und Freunden sowie Vertretern der politischen und kirchlichen Gemeinde ihr 50. Gründungsjubiläum.

„Eigentlich sind wir ja 133 Jahre alt“, blickte Vorstand Matthias Kiechle bei der Eröffnung des Festabends zurück. „Aber vor 50 Jahren haben wir wieder unsere Eigenständigkeit erlangt“. Die damalige Ortsgruppe der Sektion Kempten machte sich 1968 wieder selbständig. Erste Schritte hatte der Ortsgruppenleiter und spätere Vorstand der neuen Sektion, Karl Riedenauer, bereits zwei Jahre zuvor unternommen. „Der damalige Sektionsvorstand in Kempten hatte gemeint, ihr seit noch nicht soweit“, so Kiechle zu den Ambitionen. „Zwei Jahre später hat‘s dann geklappt, da haben sie zugestimmt. Als Startkapital haben wir 1000 Mark gekriegt. Entweder weil sie uns los haben wollten, oder weil sie froh waren, das wir weg waren“, meinte Kiechle mit einem Lachen. 

Hilde Heer ist das älteste Mitglied der Sektion Pfronten.

Zahllose Touren wurden seither in der Sektion vorgenommen. Afghanistan, Nordamerika, die Längsüberschreitung des Mont-Blanc-Massivs über den Rochefortgrat, das Elbsandstein-Gebirge noch zu DDR-Zeiten und viele mehr. 1970 war Reinhold Messner zu Gast in Pfronten für einen Vortrag über seine Expedition zum Nanga Parbat, zu dem laut Chronik 350 Zuhörer kamen. 

Die Jugendmannschaft der Sektion war bei Wettkämpfen in der langen Vereinsgeschichte immer sehr erfolgreich. „Pfrontnar wared immer unter d‘ erste Platzierungen zum finde“, sagte der amtierende Vorstand. Auch brachte Hartmut Münchenbach, als damaliger Bundesjugendleiter im DAV, das Sportklettern in den Verband. „Aus Pfronten kamen einige Anregungen, die jetzt in vielen DAV-Sektionen zum festen Programm gehören“, so Kiechle nicht ohne Stolz.

Bürgermeisterin Michaela Waldmann bekam vom Vorstand den ersten Mitgliedsausweis für 2019 überreicht. Waldmann, bereits seit vielen Jahren Mitglied einer anderen Sektion, war zur Pfrontener Sektion übergetreten. Sie gratulierte zum runden Geburtstag. „Wir 68er sind ein guter Jahrgang“, bemerkte Waldmann, die vor wenigen Wochen ihrerseits ihren 50. Geburtstag gefeiert hatte. Sie verglich die Sektion mit der Gemeinde, da sie sich den gleichen Grundsätzen verschrieben hatten: „Freiheit – Respekt – Verantwortung.“ 

Spannende Recherche

Wolfgang Mayr, der im Archiv des Deutsch-Österreichischen Alpenvereins in Innsbruck viel über die Anfänge der Section Falkenstein Pfronten recherchiert hatte, stellte die Ergebnisse seiner Arbeit vor. „Die Recherche war spannend“, so Mayr. Die Section wurde 1885 gegründet und war bis 1921 eigenständig. „Sie ist damit älter als die Sektion Oberland, die erst im Januar 1899 gegründet wurde“.

Nur wenige konnten sich den Mitgliedsbeitrag von damals neun Mark leisten und so waren diese überwiegend Lehrer, Fabrikanten, Gastronomen und Juristen, wie aus dem Mitgliederverzeichnis von 1909 zu entnehmen ist. 1911 waren auch Frauen als Mitglieder in der Section eingetragen. 1889 wurde die Hütte auf dem Aggenstein als Unterstandshütte eröffnet. 1901 nannte der Verein die erweiterte Hütte in „Pfrontner Hütte“ um. Den beiden Vereinsmitgliedern Robert und Heinrich Haff gelangen in dieser Zeit einige Erstbegehungen in den umliegenden Bergen – Roßberggrat, Gimpel Süd- und Nordwand und Aggenstein-Nordwand sowie Zugspitze-Wetterkante. 

Der Chor der DAV-Sektion Pfronten sorgt für eine musikalische Überraschung.

Nachdem der Erste Weltkrieg überstanden war und die von Alois Rindfleisch bewirtschaftete „Pfrontner Hütte“ auf dem Aggenstein regen Zulauf erhielt, brannte sie schließlich an Weihnachten 1921 durch die Unachtsamkeit von zwei Augsburger Touristen nieder. Dies bedeutete auch das wirtschaftliche Ende der Sektion Pfronten: Rudolf Wetzer, Leiter der Sektion, stellte beim Hauptausschuss des DOeAV in München den Antrag auf Anschluss an die Sektion Kempten. Er war in der Folge auch der Erste Vorsitzende der Ortsgruppe. 

Auszeichnung für Heer

Die „Pfrontner Hütte“ wurde durch die Sektion Kempten schließlich dann in den Jahren 1922 und 1923 wieder aufgebaut. Die Verantwortung dafür trug die Ortsgruppe. 1957 erwarb die Sektion Ludwigsburg die Hütte und erweiterte sie bis 1962 bis zu ihrer heute bekannten Größe. 

1994 wurde die Hütte an die Sektion Bad Kissingen verkauft und in der Folge auch in „Bad Kissinger Hütte“ umbenannt. „Wir waren der Meinung, es gibt kein Bild aus der Anfangszeit der Hütte“, so Wolfgang Mayr. „Aber ich hab eins gefunden. Es müsste aus der Zeit vor dem Brand sein“.

Das Bild ist in einer Pfrontner Wirtschaft im Eingangsbereich zu finden. Im Anschluss ehrte Vorstand Matthias Kiechle Hilde Heer als ältestes Mitglied der Sektion. 

Prämierte Beiträge

Die Pfrontener Vereine wie die Sport-Gemeinschaft Weißbach (SGW), der Ski-Club Pfronten mit seiner Langlauf-Abteilung, die Bergwacht-Bereitschaft, der TSV Pfronten, die Kolping-Familie aber auch Mitglieder aus den verschiedenen Fachbereichen der Sektion und weitere überbrachten ihre Glückwünsche zum Jubiläum. 

Bei jedem Beitrag war ein grüner Luftballon mit dem Jubiläums-Logo der Sektion dabei, der vor der beeindruckenden Kulisse Grönlands, am Großen Arber, bei einer Alpenüberquerung mit dem Mountainbike oder in der Texelgruppe in Südtirol zu sehen ist. 

Das Publikum wählte anschließend die beste Präsentation aus, die dafür prämiert wurde. Die Nase vorne hatte am Ende der Beitrag des Kirchenchors , der fast einstimmig ausgewählt wurde. Zum Abschluss des Abends gab es noch eine Überraschung für die Besucher und Gäste des Jubiläumsabends. Der eigens gegründete Chor der Sektion sang zum Abschluss des Abends noch das „Lied der Berge“(„La Montanara“) und lud zum Bleiben und gemütlichen Zusammensein ein.

hoe

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