Behörden greifen durch

Wildcamper im Außerfern: "Die Lage im Bezirk eskaliert"

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Die Lechauen zwischen Weißenbach und Forchach liegen im Natura-2000-Gebiet, einem Naturschutzgebiet. Doch davon war jüngst nicht viel zu sehen. Camper machten daraus kurzerhand einen illegalen Campingplatz.

Außerfern – „Bergwacht jagt Wildcamper“ titelte das ZDF kürzlich in einer Sendung. Das will der Bezirksleiter der Bergwacht im Außerfern Albert Kerber so nicht stehen lassen. „Wir waren in den letzten Jahren bislang immer kulant.

Aufklärung und Verwarnung haben aber nichts gebracht. Um unserer Aufgabe gerecht zu werden, sind wir gezwungen intensiv im Rahmen der Gesetze gegen Wildcamper vorgehen.“ In Tirol ist es grundsätzlich verboten, außerhalb von Campingplätzen zu kampieren. Dass viele dieses Verbot ignorieren, vermehrt seit „Corona“, sorgt für einigen Aufruhr. Beschilderungen werden laufend missachtet, bis in die abgelegendsten Almböden wagen sich die Leute mit ihren Campingbussen vor. 

Die Entschlossenheit ist ihm ins Gesicht geschrieben. Schon zu Pfingsten hatten die Bergwächter alle Hände voll zu tun. „An die 45 Biwakierer wurden am Säulingplateau gezählt. Sogar ein Firmenausflug machte sich auf den Weg – ausgerüstet mit Grillpfanne, Fackeln und Zelten“, schüttelt Kerber den Kopf. 

Das Fronleichnamswochenende hat das Fass endgültig zum Überlaufen gebracht. Kerber: „Die Lage im Bezirk eskaliert. Wir hatten 35 Wildcamper am Blindsee in Biberwier, 45 am Plansee, weitere 25 im Talkessel von Reutte und als neuer Hotspot hat sich das Gebiet am Lech zwischen Forchach und Weißenbach herauskristallisiert. An einem einzigen Platz haben wir 15 Wildcamper angetroffen.“ 

Als Kampieren gilt im Amtsdeutsch das Nächtigen von Personen in mobilen Unterkünften, wie Zelten, Wohnwagen, Kraftfahrzeugen, Wohnmobilen, Mobilheimen und dergleichen im Rahmen des Tourismus. Doch in Tirol ist es grundsätzlich verboten, außerhalb von Campingplätzen zu kampieren. 

Wie ernst es der Bergwacht ist, zeigt der nächtliche Einsatz an den Siegelseen im Schwarzwasser. „Wir bekamen einen Anruf, dass sich dort Camper aufhalten und auch Feuerstellen errichtet haben. Also sind meine Kollegen um vier Uhr morgens aufgebrochen. Um 5 Uhr wurden die Wildcamper dann je aus dem Schlaf gerissen und angezeigt“, sagt Kerber. 

Im Zuge der Streife machten die Bergwächter aber noch eine weitere Entdeckung in den Lechauen – mitten im Natura-2000-Gebiet. „Das glich mehr einem Campingplatz als einem Naturschutzgebiet. Die Bergwächter mussten sich Kfz für Kfz durch den illegalen Campingplatz arbeiten. Es hagelte Anzeigen. Ein großer Teil der Wildcamper kommt aus Deutschland, aber auch Fahrzeuge aus Innsbruck und Innsbruck-Land waren dabei“, weiß Kerber. 

Auch die Parkplätze am Urisee, Frauensee und Säuling haben sich zur Partylocation entwickelt. Vor allem die Hinterlassenschaften wie Müll – auch in den Stuibenfällen und im Rotlechtal – sorgen für Ärger. „Ich habe Verständnis dafür, dass die Leute nach so langer Zeit raus in die Natur wollen. Aber so geht das nicht. Es vergeht kein Tag, an dem wir nicht von der Bevölkerung, Jägern, Förstern oder Gemeinden angerufen und auf Missstände hingewiesen werden. Ich bedauere es sehr, aber wir werden großflächig kontrollieren“, warnt Kerber. 

Hohe Bußgelder drohen

Und die Strafen fallen nicht gering aus. Wer gegen das Campinggesetz verstößt, muss mit 220 Euro Bußgeld rechnen. Kommen Verstöße gegen das Abfallwirtschafts-, das Naturschutz- und das Feldschutzgesetz hinzu, sind Strafen im hohen dreistelligen oder sogar vierstelligen Bereich fällig. Im Talkessel Reutte arbeitet man eng mit den Nachbarn jenseits der Grenze zusammen. Die Alpinpolizei in Füssen weiß um die Probleme, die ja die gleichen wie im Außerfern sind (der Kreisbote berichtete mehrfach). 

Weniger Probleme gibt es augenscheinlich im Zwischentoren, wie der Ehrwalder Einsatzleiter Peter Steger weiß. „Wir haben das im Griff, kontrollieren ständig und gehen konsequent vor. Mit dem nötigen bestimmten und aufklärenden Auftreten und dem Hinweis auf eine Anzeige gelingt es in fast allen Fällen die Camper auf einen erlaubten Platz zu verweisen.“ Und genau diese Plätze sind Teil des Problems. „Es gibt zu wenige Möglichkeiten mit unserem Gefährt auch außerhalb von Campingplätzen eine Nacht zu verbringen“, beklagt ein einheimischer Wohnmobilbesitzer. 

Mit dem autarken Gefährt sei man ja gerade nicht auf Campingplätze angewiesen und wäre erfreut auch außerhalb eines Zentrums ein Plätzchen zu finden, hört man aus Kreisen der Wohnmobilnutzer. In anderen europäischen Ländern sei das wesentlich besser gelöst. Man hoffe auf eine Anpassung in Österreich. Sich im Natura 2000 Gebiet „niederzulassen“ geht aber auf keinen Fall. Das sind sich Behörden und Einheimische einig.

Hans Nikolussi

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