Die Bergwälder für die Zukunft rüsten

Der Projektmanager der Bergwaldoffensive Ostallgäu, Klaus Lamatsch (2.v.r.), erklärt den Anwesenden, wie man die neu angepflanzten Tannen im Bergwald schützen kann. Foto: Knoll

Die Bergwälder fit für den Klimawandel zu machen, das ist das Ziel der Bergwaldoffensive, die das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten ins Leben gerufen hat. Die versucht auch den Bergwald im Bereich Edelsberg-Alpspitze zu sanieren. Zu einer Ortsbegehung hatte am Freitag der Projektbeirat unter anderem die Waldeigentümer eingeladen. Dabei kam es insbesondere zwischen dem Wildbiologen Ulrich Wotschikowsky und Michael Mayer von den Pfrontener Rechtlern und der Jagdgenossenschaft Pronten zu einer Diskussion, welche Aufgaben die Jäger übernehmen müssen.

Der circa 2300 Hektar große Bergwald im Gebiet Edelsberg-Alpspitze ist, so die Bergwaldoffensive, überaltert. Zudem besteht er hauptsächlich aus alten ungepflegten Fichten und verjüngt sich deshalb auch hauptsächlich durch diese Baumart. Da er deshalb aber anfällig für Schneebruch, Sturmschäden und Borkenkäfer wird, muss er fit für die Zukunft gemacht werden. Außerdem soll so auch gewährleistet werden, dass der Bergwald weiterhin als Schutz vor Lawinen und Erosion dient. Um den Waldumbau und die Verjüngung einzuleiten, hat man bereits 1,7 Hektar Wald am Edelsberg-Alpspitz, so der Projektmanager der Bergwaldoffensive Ostallgäu Klaus Lamatsch, mit einem Seilkran durchforstet. Der Seilkranhieb sei eine zukunftsträchtige Bewirtschaftung, so Lamatsch, da er sich gut mit dem Naturschutz verbinden lasse. Denn die Seilkrantrassen dienen als Startplätze für das Auerwild, das in einem sanierten Wald außerdem mehr Futter und Schutz findet, wie der Wildbiologe Ulrich Wotschikowsky erklärte. Denn ein undurchdringlicher alter Fichtenwald sei für die Vögel „wie eine Wüste“. Rund 200 Wuchshüllen hat die Bergwaldoffensive zudem aufgestellt, die die angepflanzte Weißtannen vor Wild schützen sollen. Denn während bei Fichten und Buchen die gewünschte Naturverjüngung funktioniere, sei die Tanne ein Leckerbissen vor allem für Rehe und Gämse, erklärte Lamatsch. Die sorgen vor allem aber für Bodenstabilität. Deswegen seien die Wuchshüllen, die zwischen vier und acht Euro pro Stück kosten, ein „Kompromiss zwischen Wunsch und Wirklichkeit“. „Es geht so traumhaft gut von selbst, wenn man das Wild im Griff hat“, meinte Wotschikowsky zum Thema Naturverjüngung. Solche technischen Maßnahmen wie die Wuchshülle seien teuer und haben bisher nichts gebracht. Deshalb sei es seine Aufgabe als Wildbiologe, dass solche Maßnahmen in Zukunft nicht mehr notwendig werden. Denn das Rotwild komme hier mit sechs oder mehr Stück auf 100 Hektar eindeutig zu häufig vor. Jäger in der Pflicht Wenn man den Wald sich selbst überlassen und das sogenannte Schalwild schießen würde, wäre er nach 20 Jahren so wie er sein sollte. Deshalb seien vor allem die Jäger gefragt. Denn obwohl die Jagdbestände in den letzten elf Jahren um 50 Prozent gestiegen seien, was vor allem privaten Jägern zu verdanken sei, müsste das Wild weiter reduziert werden. Denn man habe „Wilddichten, die es davor nie gab“. Deshalb sprach der Wildbiologe einige Empfehlungen aus. So sollte für die Rotwildfütterung ein Standort genutzt werden, der möglichst frei von Störungen ist. Außerdem sollte unter anderem kein Kraftfutter, sondern Grassilage gefüttert werden, um Schälschäden an den Bäumen zu vermeiden. Dabei sollte man Rehe gar nicht mehr füttern und die Jäger sie vermehrt schießen. Zudem empfahl Wotschikowsky auf sogenannte Stöberjagden umzustellen. Dabei gehen, so der Wildbiologe, ein bis drei kundige Jäger auf die Jagd, ihre Hunde stöbern das Wild auf und treiben es zu den Jägern. Um allerdings den Grundsatz Wald vor Wild konsequent umzusetzen, sollten die Grundeigentümer überdenken wie hoch sie „die Messlatte“ legen wollen und entsprechende Anforderungen an den Pächter stellen, meinte der Wildbiologe. Dass Wotschikowsky hauptsächlich die Jäger in die Pflicht zog, ärgerte Michael Mayer von den Pfrontener Rechtlern und der Jagdgenossenschaft Pfronten. Seiner Meinung nach sei der Tourismus eine „riesengroße Baustelle“. Denn unter anderem immer mehr Mountainbiker und Wanderer strömen in die Berge und stören bei der Jagd, so dass „der Eigentümer auf seinem Grundstück nur noch Gast ist“. Wenn man so große Anforderungen an die Jägerschaft stelle, müsste man ihr auch zu Hilfe kommen, forderte Mayer und warf ein „der Tourismus ist eine heilige Kuh, die man sich nicht zu schlachten traut“. „Die einfachste Lösungen liegen im jagdlichen Bereich“, argumentierte jedoch der Wildbiologe. Außerdem würde sich die Jagdstrecken nicht um ein Drittel erhöhen, wenn sie den Tourismus um ein Drittel reduzieren würden. Projekt geht weiter Um den Waldeigentümer trotz der Belastung durch Wildschäden ein brauchbares Werkzeug für eine nachhaltige Bewirtschaftung in die Hand zu geben, will die Bergwaldoffensive in den Gebieten Edelsberg-Alpspitze und Breitenberg einen Bergwaldentwicklungsplan erstellen. Der soll kein „dickes Buch sein“, wie Nina Oestreich von der Bergwaldoffensive erklärte, sondern den „Ist-Zustand“ beschreiben. Bis April nächsten Jahres soll er dann feststehen. Es herrsche Konsens darüber, dass das Projekt Bergwaldoffensive Ostallgäu auch 2013 weitergeführt werden soll, gab der Forstdirektor Robert Berchtold bekannt. So habe man Mittel zurückgehalten, um das Personal im nächsten Jahr zu beschäftigen.

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