Dr. Hartmann informiert über Palliativmedizin

Gerda Bechteler, Vorsitzende der Freunde und Förderer des Krankenhauses, stellt Chefarzt Dr. Bernd Hartmann Fragen zur Palliativmedizin. Foto: cf

Füssen – „Leidende Menschen brauchen Pallium – einen sie schützenden Mantel“, sagte jetzt Dr. Bernd Hartmann in seinem Vortrag am Füssener Krankenhaus in der Reihe Patienten-Informations-Abende (PIA). Seine fachärztlichen Gebiete sind die Anästhesie und die Intensiv- und Palliativmedizin.  

Hartmann arbeitet im Ärzteteam der Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren. Er vertritt die Position, dass der Satz „Wir können nichts mehr für Sie tun!“ am Krankenbett absolut tabu sein müsse. Denn es sei traditionell die ärztliche Aufgabe, Schmerzen zu lindern. „Unser Team begleitet den Patienten, der unheilbar erkrankt ist, sehr fürsorglich.“ Im letzten Lebensabschnitt solle „die Menschenwürde einer Person unbedingt gewahrt bleiben“, erklärte der Chefarzt. In seinem Vortrag „Palliativmedizin – was ist das eigentlich?“ wies er unter anderem auf die Gemeinsamkeiten mit der Hospizbewegung hin. 

Palliativmedizin sei eine „ganzheitliche Behandlung“, die bei voranschreitenden und schon weit fortgeschrittenen Krankheiten für bessere Lebensqualität sorge. „Es geht nicht darum, Leben um jeden Preis zu verlängern. Wie es schon Cicely Saunders, Gründerin der Hospizbewegung, gesagt habe, sei das Ziel, „den Tagen mehr Leben zu geben“. Die Ärzte, betonte der Referent, leisten keine Sterbehilfe. 

Hartmann zeigte die vielen Möglichkeiten der Palliativmedizin auf. Seiner Ansicht nach sei sie „ins Zentrum der Medizin“ zu rücken. Allerdings sei sie zum Stiefkind geworden. Denn die ärztliche Kunst werde ausschließlich mit dem erfolgreichen Heilen gleichgesetzt. „Die moderne Medizintechnik macht es möglich, dass ein Mensch, der zum Beispiel an einem bösartigen Tumor erkrankt ist, wieder völlig gesund wird.“ Doch nicht nur über solche großen Erfolge sollte gesprochen werden, so Hart-mann. Er meint: „Schutz vor unnötigem Leid“ könne viel früher einsetzen als es heute praktiziert werde. 

Die Palliativzimmer auf einer Station sind ein Ort, an dem Patienten, die an Symptomen wie zum Beispiel Schmerzen, Atemnot, Erbrechen oder Angstgefühlen leiden, auch in spiritueller Weise mit viel Zeit und Einfühlungsvermögen darauf vorbereitet werden, dass sie später ihre letzte Lebensphase möglichst so verbringen können, wie das dem eigenen Wunsch entspricht, sagte Hartmann. 

Am Krankenbett zuhören 

Gestorben wird nach Angaben von Hartmann „bis zu 43 Prozent“ in anderen Krankenhaus-Abteilungen, daheim (25 bis 30 Prozent) oder – Tendenz steigend – in Seniorenheimen (25 Prozent). „Lediglich bei einem Prozent liegt der Anteil auf der Palliativstation“, stellte er richtig. „Das ist dort kein Sterbezimmer“, wie es der Volksmund ausdrücke. 

Erfreulicherweise, wie Hartmann hervorhob, werde „das Netz an palliativen Diensten und Hospizen noch weiter ausgebaut.“ Dabei hat Kaufbeuren 1999 eine Rolle als Vorreiter in Bayern gespielt. Wie Hartmann ergänzte, sind im Konzept die Angehörigen eines unheilbar kranken Menschen immer miteinbezogen. Gemeinsam mit der Hospizbewegung machen auch Ärzte der Palliativmedizin deutlich, dass „Zuhören am Krankenbett wichtig ist“. Ein sterbender Mensch brauche weder Ratschläge noch den billigen Trost. cf

Auch interessant

Meistgelesen

Motorradfahrer schwer verletzt
Motorradfahrer schwer verletzt
Alle Türen stehen weit offen
Alle Türen stehen weit offen
Das Warten hat ein Ende
Das Warten hat ein Ende
Hauptsache dabei sein
Hauptsache dabei sein

Kommentare