Innere Ordnung am Mittersee

Füssener Naturfreibad soll nun doch in das Kneipp-Konzept integriert werden

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Aus dem maroden und heuer geschlossenen Mitterseebad soll als Teil des Faulenbacher Kneipp-Erholungsparks der „Mitterseepark“ werden.

Füssen – Aus dem Mitterseebad soll der „Mitterseepark“ werden, aus dem bisherigen Naturfreibad eine Naturbadestelle: Für das heuer brachliegende und dringend sanierungsbedürftige Mitterseebad zeichnet sich offenbar eine Lösung ab.

So soll die historische Badeeinrichtung im Zuge des „Masterplan Kneipp“ von Füssen Tourismus und Marketing (FTM) ein „Park der Inneren Ordnung“ werden. Dadurch winken hohe Zuschüsse durch das Interreg-Projekt „Entwicklung des naturgebundenen Tourismus entlang des Lech“. Da die Zeit dafür jedoch drängt, stimmte der Stadtrat dem Konzept am Dienstagabend ohne Diskussionen einstimmig zu. 

Die Idee, das marode Mitterseebad in den „Masterplan Kneipp“ zu integrieren, ist nicht neu. Bereits vor fünfeinhalb Jahren hatte der Stadtrat FTM-Chef Stefan Fredlmeier mit beauftragt, wie das Bad in ein Kneipp-Konzept integriert werden könnte. Seinerzeit waren die Pläne aber am heftigen Widerstand der IG Mittersee und Teilen der Bevölkerung gescheitert. Da auch geplante Sanierungsarbeiten durch Verzögerungen und des Widerstands der IG Mittersee nicht vorgenommen wurden, fand sich heuer schließlich noch nicht einmal mehr ein Pächter für die Badeanstalt, sodass sie heuer ganz geschlossen blieb (der Kreisbote berichtete mehrfach). „Momentan haben wir die schlimmste Situation am See“, so Tourismus-Direktor Stefan Fredlmeier am Dienstagabend im Stadtrat. 

Deshalb soll jetzt ein neuer Anlauf genommen werden, die Einrichtung wieder zu beleben und die dafür notwendigen Maßnahmen zu ergreifen. Initialzündung ist offenbar der Umstand, dass sich kurzfristig die Möglichkeit ergeben hat, Fördermittel aus dem Interreg-Projekt „Entwicklung des naturgebundenen Lechs“ zu bekommen. Der Grund: die Außerferner Gemeinde Breitenwang ist bei einem Projekt offenbar abgesprungen, wodurch Gelder frei werden. Voraussetzung für eine Förderung ist jedoch, dass das Bad „sichtbar und nachvollziehbar“ in den „Masterplan Kneipp“ für Bad Faulenbach integriert wird, wie Fredlmeier betonte. So soll aus dem bisherigen Freibad ein „Park der Inneren Ordnung“ werden, um der Kneipp`schen Säule der Ordnungstherapie gerecht zu werden. 

Geplant ist, aus dem Naturfreibad eine Naturbadestelle ohne Eintritt zu machen. Dafür sollen sämtliche Installationen einer Badeanstalt, die eine Badeaufsicht erfordern, abgebaut werden. „Gleichzeitig wird durch eine attraktive Umzäunung sicher gestellt, dass jeder Betretende den Eindruck hat, in ein besonderes Areal einzutreten“, heißt es in dem Konzept. Vorgesehen sind demnach außerdem eine Liegewiese, Liegeplätze, liegen und ein Ruhepavillon.

Dazu kommen eine „Waldbibliothek“, Kommunikationssitzplätze für persönliche Begegnungen und Gespräche, ein Kreativspielplatz für Kinder sowie die Sanierung der bestehenden Gebäude wie WC, Umkleiden, Kiosk sowie die Infrastruktur wie Leitungen. „Ruhe, Rückzug, Reflexion und Inspiration sollen die wesentlichen Motive sein, die innerhalb des Areals bedient werden.“ So soll erreicht werden, dass der künftige „Mitterseepark“ die stärkste Ausstrahlung hat und das gesamte Tal als Kneippkurpark weiter profitiert. „Der erwartete Entwicklungsschub ist sehr groß.“ 

Die Zeit drängt

„Aus Sicht der Verwaltung sollte die Stadt diese Möglichkeit nun nicht verstreichen lassen und einen Antrag auf Aufnahme in dieses Förderprogramm stellen“, mahnte Hauptamtsleiter Peter Hartl am Dienstag eine schnelle Entscheidung von den Stadträten an. Denn die Zeit drängt: bis Mitte Oktober müssten entsprechende Änderungsanträge bei der Interreg-Verwaltung eingereicht werden. Dort winken bei geschätzten Gesamtkosten für die Renaturierung und Entwicklung des Freigeländes in Höhe von 400.000 Euro eine Förderquote von bis zu 75 Prozent, also rund 300.000 Euro.

Ein ähnliches Fördervolumen sei für die Sanierung der historischen Umkleidekabinen, die geschätzt weitere 400.000 Euro kosten werden, zu erwarten – jedoch aus anderen Fördertöpfen, die parallel angezapft werden sollen. Allerdings sind auch andere Kommunen, die an dem Interreg-Projekt teilnehmen, hellhörig geworden. „Ob wir die Förderung bekommen, steht noch in den Sternen“, warnte Hartl daher vor zu viel Euphorie. 

Alle sind sich einig

 Auch FTM-Chef Fredlmeier betonte, dass es noch keineswegs ausgemachte Sache sei, dass Füssen das Geld tatsächlich auch bekomme. Es sehe zwar nicht schlecht für Füssen aus, 300.000 Euro zu bekommen. Aber: „Ich kann Ihnen überhaupt nicht versprechen, dass wir Erfolg haben“, sagte er. „Aber wir müssen es versuchen, sonst ist es weg!“ Daher appellierte er an das Gremium, dem Konzept zuzustimmen. „Wir brauchen heute ein Votum, dass wir die Planungen angehen“, betonte er. „Wir haben jetzt die Chance auf 75 Prozent Förderung!“

Bürgermeister Paul Iacob (SPD) warb ebenfalls um die Zustimmung des Gremiums: „Wir sind im Konsens mit der IG Mittersee und der Bevölkerung von Bad Faulenbach“, erklärte er. Sollte der Förderantrag von Interreg abgelehnt werden, soll das weitere Vorgehen beim Mitterseebad erneut im Stadtrat entschieden werden.

mm

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