Vermieter klagt an

Ferienwohnungen in Füssen: "Da fehlt das Konzept!"

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Noch immer hat die Stadt kein Konzept, wie sie mit ordnungsgemäß gemeldeten, aber baurechtlich nicht genehmigten Ferienwohnungen umgehen will.

Füssen – Als Dr. Michael Krehl sich 2013 zusammen mit seiner Frau im Neubaugebiet in der Feistlestraße eine 70 Quadratmeter große Neubau-Wohnung kaufte, ahnte er nicht, dass die als Teil der Altersvorsorge gedachte Immobilie ihm einmal so viele Scherereien einbringen würde.

Guten Glaubens meldete er die Wohnung zwar bei Füssen Tourismus und Marketing (FTM) ordnungsgemäß als Ferienwohnung an und zahlte in der Folgezeit immer pünktlich seine Abgaben. Dass er für den Betrieb aber auch eine baurechtliche Genehmigung brauchte, habe er weder gewusst, noch sei ihm das von der Stadt mitgeteilt worden, sagt er. Jetzt ist die Verunsicherung bei ihm groß, wie es weitergeht. 

Damit steht der Unternehmensberater aus Schwangau stellvertretend für viele Eigentümer und Anbieter von Ferienwohnungen in Füssen. Etliche von ihnen betreiben ihre Ferienunterkunft seit Jahren als Vorsorge fürs Alter, haben diese ordnungsgemäß bei FTM gemeldet, teilweise zertifizieren lassen, zahlen pünktlich ihre Abgaben an die Stadt und müssen nun dennoch um ihr Geld bangen. 

Grund dafür ist, dass Kommunalpolitik und Stadtverwaltung noch immer keinen Weg gefunden haben, wie sie mit der Problematik umgehen wollen. Zwar ist klar, dass die Ausweisung neuer Ferienwohnung zum Schutz des in Füssen knappen Wohnraums verhindert werden soll, wo es nur geht. 

Auf die Frage, wie mit den seit Jahren bestehenden, aber eben baurechtlich nicht genehmigten, Unterkünften umgegangen werden soll, hat der Stadtrat jedoch noch keine abschließende Antwort gefunden. „Da fehlt das Konzept“, kritisiert Krehl. 

Für Unverständnis sorgt bei dem Unternehmensberater vor allem, dass sich die Verwaltung nun ausgerechnet das kleine Gebiet um die Feistlestraße ausgesucht hat, um dort mittels einer Bebauungsplanänderung Ferienwohnungen zu verhindern. „Warum nur dort?“, fragt er. Dabei kann er grundsätzlich die Ziele der Stadt nachvollziehen. „Ich habe ja Verständnis für so etwas, aber nicht, wenn einzelne Wohnungen raus gezogen werden!“ 

Die rund 70 Quadratmeter als Wohnung zu vermieten, kommt für ihn nicht in Frage. „Mit Mietwohnungen habe ich immer schlechte Erfahrungen gemacht.“ Zwar signalisiert der aktuelle Beschluss des Stadtrats vom vergangenen Dienstagabend, dass Krehl und anderen Betroffenen im Bereich Feistlestraße im Zuge des eingeleiteten Bauleitplanverfahrens eine Hintertür offen gelassen werden soll, um ihre Ferienunterkünfte weiter betreiben zu können. 

Doch damit ist Krehl noch nicht zufrieden. „Eigentlich interessiert mich mehr das Übergeordnete“, sagt er. „Wie will Füssen mit den Ferienwohnungen umgehen?“ In diesem Zusammenhang müssten sich die Verantwortlichen fragen: „Was will ich eigentlich touristisch?“ 

Zwar werde gebetsmühlenartig von Qualitätstourismus gesprochen – doch dann wolle man gegen Ferienwohnungen wie seine vorgehen, die aus seiner Sicht genau diesen Qualitätstourismus bringen. 

Fünf-Sterne-Unterkunft

Seine Unterkunft in der Feistlestraße sei im Fünf-Sterne-Segment angesiedelt. „Das ist eine hochwertige Wohnung, die wir durch erhebliche weitere Investitionen für unsere Gäste ausgebaut haben.“ 

Die durchschnittliche Verweildauer seiner Besucher, meist Paare, betrage neun Tage – also eigentlich genau das, was man unter Qualitätstourismus verstehe. „Das kann`s nicht sein, dass die Stadt hochwertigen Tourismus will, aber Fünf-Sterne-Wohnungen verbieten will“, meint er. Wie Krehl fordert auch der Fraktionsvorsitzende der CSU im Stadtrat, Heinz Hipp, schnelle Lösungen für Ferienwohnungen, die zwar vor vielen Jahren bei der damaligen Kurverwaltung angemeldet, aber baurechtlich nicht beantragt und somit auch nicht genehmigt worden sind. Für diese müsse eine pragmatische Lösung gefunden werden. „Eine Tourismusstadt muss auch Ferienwohnungen anbieten“, heißt es dazu in einem Antrag Hipps, der bislang allerdings noch in keinem Gremium diskutiert wurde (der Kreisbote berichtete). Wichtiger Bestandteil Ferienwohnungen seien mit einer hohen Verweildauer ein wichtiger Teil des Qualitätstourismus und vor allem für Familien geeignet, so der Fraktionsvorsitzende. Durch die hohe Verweildauer werde gleichzeitig auch die Infrastruktur verbessert. 

Zudem habe sich die Zahl solcher Ferienwohnungen im Gegensatz zu der der Hotelzimmer nicht wesentlich erhöht. So bestehe keine Notwendigkeit, dass Angebot einzuschränken. Vielmehr sollten die Vorteile gesehen werden, fordert der Christsoziale. 

Gegenüber dem Kreisbote äußerte Hauptamtsleiter Peter Hartl auf Nachfrage ein gewisses Verständnis für die Situation der Betroffenen wie Dr. Michael Krehl. „Es ist nicht beabsichtigt, alle vorhandenen Ferienwohnungen zu verbieten“, sagte er. „Es geht um den Wildwuchs durch neue.“ Dieser soll verhindert werden. 

Wie es mit der Wohnung Krehls schlussendlich weitergeht, werde das nun eröffnete Bauleitplanverfahren zeigen, erklärte er. Bereits am Dienstagabend im Stadtrat hatte der Hauptamtsleiter angekündigt, dass in der Stadtratssitzung am 3. März über die gesamte Problematik diskutiert werden soll. 

Klage als letzter Ausweg

 Auch Bürgermeister Paul Iacob (SPD) betonte am Dienstag: „Wir schaffen heute keine Ferienwohnung ab. Es ist nicht so, dass wir alle Ferienwohnungen verdammen!“ 

Damit will sich Krehl vorerst allerdings nicht zufrieden geben. Er wir den Beschluss vom Dienstagabend nun zunächst von seinem Anwalt prüfen lassen, kündigte er an. „Ich will die Ferienwohnung erhalten!“ Und wenn er dafür sogar eine Normenkontrollklage vor dem Verwaltungsgericht in Augsburg einreichen müsse.

Matthias Matz

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