Ein Grabstein als Präsent

Besitzer des Postamtgebäudes übergibt barocken Grabstein ans Museum

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Hotelier Norbert Erkan (links) und Bürgermeister Paul Iacob vor der Vitrine mit dem Grabstein von 1676.

Füssen –  Im Rahmen der umfassenden Renovierung des Postgebäudes hat nun Norbert Erkan den historischen Stein ausbauen lassen und dem Museum der Stadt Füssen geschenkt. Bei einem Pressetermin am vergangenen Dienstagnachmittag übergab der Hotelier den Grabstein offiziell.

Rechts neben dem Eingang zur Post war der Grabstein nicht mehr sicher.

Auf dem Weg zum Postamt sind Füssens Bürgerinnen und Bürger in den vergangenen Jahrzehnten vielmals an ihm vorbei gegangen, am Grabstein des Postmeisters Johann Jakob Socher von 1676. Als Erkan das Gebäude erwarb und die Renovierung in Angriff nahm war ihm klar, dass dieser Stein historischen Wert haben muss. Um auch baurechtlich auf der sicheren Seite zu sein nahm er Kontakt mit der Denkmalschutzbehörde in München auf. Tatsächlich war der barocke Grabstein unter Denkmalschutz gestellt, jedoch 2013 wieder von der Liste gestrichen worden. Und das obwohl das Alter und die Bedeutung eindeutig waren. Johann Jakob Socher kam ursprünglich aus Sameister. Er wurde 1656 durch die Vermählung mit keiner geringeren als Euphrosina Heel, der Tochter des Bürgermeisters Christian Heel, Füssener Bürger.

Mit Posthorn und Muschel verziert

Um 1670 wurde Socher selbst Bürgermeister und Posthalter in Füssen. Sein mit einem Posthorn verzierter Grabstein verdeutlichte das mit diesen Aufgaben verbundene Ansehen und sollte der Nachwelt als Zeugnis für sein Leben verbleiben. Die Inschrift lautet: „1676 14 OCt.[obris] PIE OBIIT NOB.[ilis] I I SOCHER CONSVL CE“. Dr. Anton Englert, Leiter der städtischen Museen, übersetzte die Inschrift aus dem lateinischen mit „Im Jahre 1676 am 14. Oktober verstarb selig der edle J. J. Socher, Bürgermeister …“. 

Ein ehemaliger Postvorsteher, davon geht Dr. Englert aus, lies um 1960 den Grabstein seines verstorbenen Kollegen in die Wand des Postgebäudes einbauen. „Der Mann kam aus Norddeutschland. Für den war es kein Frevel einen Grabstein einzubauen,“ vermutet der Museumsleiter. Die Jakobsmuschel, die den Grabstein neben dem Posthorn verziert und Socher als Pilger auszeichnete, sei vermutlich „und leider“ am oberen Rand abgeschlagen worden um den Stein in die Mauer einzupassen. So zeigt Dr. Englert auf den Stein der nun seinen Platz im Museum der Stadt gefunden hat. 

Das empfindliche Grabmal aus der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg steht nun in einer Vitrine unter der Laute seines Namensvetters Hans Socher. Im unrenovierten Zustand neben dem Eingang zur Post, war der Grabstein der Unachtsamkeit der Passanten ausgesetzt und sogar mit Graffitibuchstaben beschmiert worden. Eine Museumsmitarbeiterin gab zu: „Der ist mir nie aufgefallen.“ Mit der Absicht, den Stein an Dr. Englert und das Museum zu übergeben beauftragte Erkan den hiesigen Steinmetz Probst GbR.

"Eine große Geste"

Fachmännisch entfernte der Steinmetz das Grabmal im Frühjahr und reinigte diesen vom Graffiti. Bürgermeister Paul Iacob (SPD) sprach Erkan seinen ausdrücklichen Dank aus. „Das war eine große Geste im Zuge der Renovierung,“ so Iacob. „Das Haus ist durch die Renovierung ein Schmuckstück für unsere Stadt geworden. Auch dafür müssen wir unseren Dank aussprechen.“ 

Dr. Englert wusste dieses Geschenk ebenfalls zu würdigen. Erkan antwortete: „Ich weiß doch, dass Sie mit Leib und Seele Museumsleiter sind. Das habe ich gerne gemacht.“ Für den Hotelier ist klar, dass der Stein in Füssen bleiben und gewürdigt werden sollte. 

Um die Schenkung zu besiegeln, unterschrieben Hotelier Erkan und Bürgermeister Iacob eine Schenkungsurkunde im Beisein von Dr. Englert. Erkan ist zufrieden: „Jetzt ist der Stein sicher und da wo er hingehört.“

sh

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