Wittelsbacher laden zum traditionellen Starkbieranstich mit Angela Ascher und Walter Sirch

"Wichtiger als der Karneval"

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Angela Ascher alias Ministerin Ilse Aigner läuft im „Bräustüberl“ zur Hochform auf.

Schwangau – Die Starkbierzeit ist für viele Bayern die fünfte Jahreszeit. Und die beginnt traditionell mit dem Anstich eines Fasses des süffigen Bockbieres und dem Derblecken.

Dazu lädt man sich gerne illustre Gäste und noch bekanntere Redner ein. Zum diesjährigen Starkbieranstich im Hause Wittelsbach im „Bräustüberl“ in Hohenschwangau kam ein besonderer Gast: Angela Ascher. Vielen eher bekannt als ihr Alter Ego Ilse Aigner, der besseren Hälfte des Trios Aigner-Seehofer-Söder. Dass man sich immer noch steigern kann, bewies der Gastgeber des Hohenschwangauer Starkbieres einmal mehr. 

Derblecken auf hohem Niveau

War es im vergangenen Jahr Angela M., die Albert Aulinger in Vertretung für seine Königliche Hoheit, Prinz Luitpold von Bayern und seines Zeichens Brauherr des Ritterbockes, begrüßte, so stand einmal mehr holde Weiblichkeit auf der Gästeliste. Nicht nur als Rednerin sondern auch im Publikum, wo neben Elisabeth von Elmenau und Christa von Thurn und Taxis auch ihre königliche Hoheit, Beatrix von Bayern der Ereignisse harrte, die Aulinger ankündigte. 

Eine gute Brotzeit, ein noch besseres Bier und eine zünftige Musik, dazu nette Leute, das sei die schönste (Ein)Ladung, die man sich vorstellen könne, so der Administrator der Wittelsbacher. Neben zahlreichen Geschäftspartnern und Vertretern aus Politik und Adel durften diesmal auch die Bauleiter nicht fehlen, die in Hohenschwangau gerade – unübersehbar – für den WAF ein neues Hotel bauen. Doch wichtiger noch als Hotellerie oder Royalismus war an diesem Abend aber ein Produkt – das Bier. 

Eine wichtige Institution in Bayern, so Prinz Luitpold von Bayern, sei dabei das Starkbier. „Das ist in Bayern wichtiger als der Karneval“, war der Prinz überzeugt, wofür er auch zustimmenden Applaus erhielt. In Zeiten, wo man Bier und Gesundheit nicht mehr in einem Atemzug nennen dürfe, so der Chef der Kaltenberger Brauerei, sei es umso interessanter, Berichte zu verfolgen wie der über den evolutorischen Schub, den die Hominiden erlebt hätten. 

Es sei die Fähigkeit gewesen, vergorenes Obst zu essen und zu verdauen, der für das Quentchen Kreativität –unter anderem die Sprache – gesorgt habe, so der Prinz. Nachzulesen sei das so im amerikanischen Wissensmagazin National Geographic. 

Treiber der Menschen 

Somit sei der Alkohol ein Treiber der Menschheitsgeschichte. Um wie viel mehr würde das Bockbier damit die bayerische Geschichte beeinflussen – eines Volkes mit hoher Lebenserwartung und einem innovativen Geist? Man könne sehen, wohin ein Alkoholverbot letztlich führe, schloss Seine Königliche Hoheit, ehe er den Schlegel an Schwangaus Bürgermeister Stefan Rinke übergab. Diesem gelang es, den Wechsel mit zwei Schlägen ins Fass zu treiben. 

Und dann kam Ilse…

 Die Geschichte lehrt, dass Walter Sirch immer dann auftaucht, und zur Hochform aufläuft, sobald das Bier in die Krüge rinnt. Und so war es denn nur konsequent, dass der Gauvorstand, diesmal eher als „Pedell“ (oder Mädchen für alle Fälle) denn als Redner angetan, die Bühne erklomm. Um diese anschließend an die frühere Bundesministerin für Landwirtschaft und mittlerweile auch Mädchen für alle Fälle in der Regierung Seehofer, Ilse Aigner alias Angela Ascher, zu übergeben. 

Die musste allerdings erst einmal ihre Reden sortieren, hatte sie doch angesichts der Vielzahl an Ämtern und Auftritten ein wenig den Überblick verloren, wo sie denn nun gerade sprechen sollte. Ganz wie im richtigen politischen Leben eben. Vorsichtshalber begrüßte sie alle vom Königshaus runter bis zum Bürger, die Franken, Schwaben, Bayern und Allgäuer sowieso – oder kurz: alle Freunde des Starkbieres. Wobei beim Starkbier alle ihre Minister-Ämter, vom Wirtschaftsressort über das (ohne Alkohol unfähige) Medienressort bis hin zur Energie und Technologie, versammelt seien. „Im Grunde im Zentrum meiner gesammelten Kompetenz“. 

Mit Seitenhieben auf die Ministerkollegen aus dem Land, dem Bund und auch in Europa – in Brüssel kompostieren die Parteien ihre Altlasten – leitete sie auf seltene Arten in Bayern über: die Rohrdommel, den Wolf und die SPD. Und die kleine Protestantin mit der Quadratverwachsung in den Händen. Wobei das Erstaunen schon groß war, als Ascherl plötzlich blank zog, bzw. ihr Dirndl aus und nur mehr im Trikot sang und über die Bühne wirbelte. 

Manch einer der Gäste, vor allem der Bürgermeister einer Nachbarstadt, nutzten denn auch die Gunst der Stunde für ein Selfie mit dem Star des Derbleckens. Vielleicht auch, weil sie diesmal verschont geblieben waren. Dafür hat‘s aber den „Pedell“, der sich um solche Fälle kümmert. Für einen solch sensiblen Bereich wie Hohenschwangau, wusste Sirch, habe man nur eine Wörishofer Baufirma nehmen können, „die kennen sich aus mit Ruhezonen und alte Kurgäscht“. Wobei auch das nicht davor schütze, dass Chinesen auch den höchsten Zaun überklettern. Wohl deshalb gibt es jetzt auch das „Chinesenauffanggitter“. 

Man habe sich das beim WAF wohl etwas einfacher vorgestellt, weshalb nun auch die höchsten Vertreter aus München fehlten, die derzeit das Chaos zu beherrschen versuchten, mutmaßte Sirch. Denn, den Tipp gab es vom Hausmeister umsonst: „Never touch a running system. Oder auf gut Bayerisch: Finger weg wenn’s funktioniert“, so der Sirch. Weshalb sich der Prinz und sein Geschäftsführer auch noch immer selbst um den Starkbieranstich in Hohenschwangau kümmern.

gau

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