Schlösserverwaltung widerspricht

Kritik von Neuschwanstein-Besucher: "Nicht gemäß den Auflagen"

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Die Füssener Polizei ist über das Pfingstwochenende an den Hot-Spots um Schloss Neuschwanstein wie der Marienbrücke ebenfalls vertreten.

Schwangau/München – Als Jochen S. am Vormittag des Pfingstmontag mit seiner Familie den oberen Kiosk am Schloss Neuschwanstein erreichte, wollte er seinen Augen nicht recht trauen. „Mindestabstände von 1,5 Metern wurden nicht eingehalten, auch hatten die Touristen keine Masken auf“, schildert der Baden-Württemberger seine Beobachtungen gegenüber dem Kreisboten. 

Einen Tag vor der Wiedereröffnung des Touristenmagneten sei nach seiner Einschätzung von einem verantwortungsvollen Umgang mit den Corona-Auflagen im Umfeld des Schlosses nicht viel zu sehen gewesen, kritisiert er. Die zuständige Bayerische Schlösserverwaltung (BSV) widerspricht den Vorwürfen jedoch. 

Wie viele andere Urlauber auch, wollte sich Jochen S. am Pfingstmontag zusammen mit seiner Familie Schloss Neuschwanstein anschauen. Zumindest von außen, denn die Wiedereröffnung des Märchenschlosses für Besucher erfolgte erst am darauffolgenden Dienstag. Was er dann am oberen Kiosk beobachtet haben will, grenzt für ihn schon an „grobe Fahrlässigkeit“, wie er gegenüber unserer Zeitung sagte. 

In einer E-Mail wird er konkreter. „Sowohl das Wegekonzept, als auch die Besucher im Außenbereich des Kiosks waren nicht gemäß den Auflagen“, schreibt er. So seien weder die Mindestabstände von eineinhalb Metern eingehalten, noch sei ein Wegekonzept ersichtlich gewesen. 

Masken seien von den anwesenden Touristen ebenfalls keine getragen worden. Stattdessen sei alles mit Souvenirs zugestellt gewesen. „In jedem Baumarkt sind die Regeln klarer dargestellt“, so S. gegenüber unserer Zeitung. 

Der Höhepunkt sei gewesen, als sich ihm ein Mann ohne Maske auf weniger als einen Meter genähert habe. Schnell habe sich heraus gestellt, dass es sich dabei ausgerechnet um einen Kontrolleur für die Einhaltung der Corona-Vorschriften gehandelt habe. 

Seine Wahrnehmungen am Kiosk waren seiner Ansicht nach symptomatisch für die Situation rund um das Schloss. „Wege, Plätze und Fotohotspots sind total überfüllt, nirgends sind Hinweise oder Absperrbänder, es gibt außer am Eingang zur Burgstraße keinerlei Ordner, die sich mit der Einhaltung er Regeln befassen“, schreibt er.

Für ihn sei es unverständlich, dass ausgerechnet in Bayern mit seinem strikten Kurs „das Konzept und die Umsetzung an einem der Touristen-Hot-Spots derart vernachlässigt wird“. 

Wie es besser gehe, zeige sich seiner Meinung nach zum Beispiel auf der Nesselwanger Alpspitz und den dortigen Hütten. „Auch wurde hier überall und klar ersichtlich auf die Regeln hingewiesen.“ 

Die Bayerische Schlösserverwaltung (BSV) weist die Kritik auf Anfrage des Kreisbote zurück. Zum einen sei der besagte Kiosk kein Betrieb der Schlösserverwaltung, sondern ein selbstständiger Pächter der BSV. „Der Kioskbetreiber hat deshalb sein eigenes Schutz- und Hygienekonzept aufzustellen und umzusetzen“, erklärt Ines Holzmüller, Pressesprecherin der BSV. Nach Einschätzung der Füssener Polizei habe der Pächter die vorgegebenen Auflagen aber eingehalten. 

Zum anderen „liegt es auch in der Eigenverantwortung der Besucher eines Kiosks, sich an die Schutzmaßnahmen, insbesondere das Abstandsgebot, auf das hingewiesen wird, zu halten“, so Holzmüller weiter. 

Besucher in der Pflicht

Zu der von S. geschilderten Situation auf der Zufahrtsstraße und rund um das Schloss erklärte die Pressesprecherin, dass die Straße genau wie die Marienbrücke für den Gemeingebrauch geöffnet ist. „Hier ist die Rechtssituation vergleichbar mit öffentlichen Straßen und Wegen“, so Holzmüller. Für die Passanten gelten hier also die allgemein geltenden Abstandsregeln. 

Mitarbeiter der Schlossverwaltung hätten bei ihren Kontrollgängen jedoch keine größeren Menschenansammlungen an der Zufahrt oder der Marienbrücke festgestellt. 

Zumindest für den Pfingstmontag kommt Füssens Polizeichef Edmund Martin jedoch zu einer anderen Einschätzung der Situation. Er spricht auf Nachfrage des Kreisbote von einem enormen Besucheraufkommen am Montag. „Die dortige Security und auch die Polizei wies die Besucher wiederholt auf die Maskenpflicht auf der Marienbrücke hin, was von den Besuchern kompromisslos akzeptiert wurde“, berichtete er.

Jochen S. hofft nun, dass die Verantwortlichen ihr Konzept und dessen Umsetzung nun noch einmal überdenken, damit sich das Schloss nicht vom Touristen- zum Corona-Hot-Spot entwickelt.

Matthias Matz

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