"... und beugsam erst recht"

Schule, das bedeutet Komformität, Leistungsdruck und Stress – so lautet die Botschaft des Stücks „Schöne neue Schüler“, mit dem die Theatergruppe der Realschule am Donnerstag im Haus der Gebirgsjäger vor vollem Haus Premiere feierte. Um die „Message“ rüberzubringen, wählten die Schüler eine klare Bildsprache. Eine richtige Geschichte erzählt das rund 45-minütige Stück nicht, es vermittelt vielmehr in Bildern, was die Jugendlichen an der Schule als Institution kritisieren.

In weiß, schon mit dem Kulturstrick um den Hals, kommen die Kinder zur Welt und treten, nach strenger Vorauswahl, ihre Schulkarriere an. Von links und von rechts plärren ihnen schwarze, militärisch anmutende Gestalten ein Geburtstagslied entgegen, dem gleich lautstarke Kommandos folgen: „Springen! Laufen! Gruppenbild!“, heißt es und die Schüler müssen folgen. „Schneller! Noch schneller! Lachen! Noch mehr lachen!“, plärren die Schwarzen, die Schüler trampeln, hüpfen, verziehen die Gesichter zu übertrieben lächelnden Fratzen, wie gewünscht. Auch geschlafen wird auf Kommando und nach geplärrtem Schlaflied wanken die Schüler wie im Delirium. Gut konzipiert Ein bisschen dick tragen die jungen Theatermacher bisweilen auf: Der „Product Manager“, in rot gekleidet, verteilt Elektroschocks, wenn die Schüler sich allzu sehr freuen und lamentiert: „Immer diese Individualisten“. Sehr zur Verwunderung der Schüler leben die Lehrer aber nicht die Emotionslosigkeit, die sie predigen und tanzen im Lehrerzimmer – äußerst unbeholfen – Tango, wenn keiner hinsieht. Die Noten verteilen die denn auch nach dem Zufallsprinzip und singen die Titelmelodie von „1, 2 oder 3“ dazu. Wie Schüler sein sollen, da ist ihre Vorstellung hingegen klar: „Strebsam, folgsam und beugsam erst recht“. Ab und an kommen auch einzelne Personen aus dem „Schülermaterial“ zu Wort und erzählen von Prüfungsstress, Einsamkeit oder stellen ihre eigene Ich-Bezogenheit zur Schau. Auch wenn das Thema eher vordergründig ist – die Realschüler bringen sie ausdrucksstark rüber und haben sich für ihren Auftritt ein prägnantes Konzept überlegt. Bühnenbild und Kostüme sind auf die Farben schwarz, weiß und rot reduziert, Kommandos bestimmen die Textpassagen. Die Schüler agieren nicht sondern reagieren nur, werden von den brüllenden „Ausbildern“ links und rechts in die Enge getrieben wie Tiere und treten nur in ihrer Gedankenwelt als Individuen hervor. Die Realschüler spielen ihre Rollen mit aller Konsequenz und scheuen sich nicht, vor gut 200 Eltern, Lehrern und Mitschülern ungelenke Tanzbewegungen vorzutragen oder voller Inbrunst zu lachen, zu zappeln, oder zu schreien. Und da steckt nicht nur Arbeit sondern auch Überwindung dahinter.

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