Nach 386 Jahren verlassen die letzten Franziskaner Reutte jetzt endgültig

"Wir werden euch sehr vermissen"

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Dekan Franz Neuner (links) zusammen mit den letzten im Kloster verbliebenen den Brüdern Pater Josef (v.l.), Pater Johannes Nepomuk und Kaplan und Gärtnermeister Bruder Franziskus im Kreise vieler Gläubiger vor der Kirche St. Anna. Rechts zu sehen ist Provinzial Pater Oliver Ruggenthaler.

Reutte – Alle Widerstände und Petitionen seitens der Reutter Bevölkerung haben nichts genutzt: Mit einem Gottesdienst, der fast einer „Trauerfeier“ ähnelte, verabschiedeten sich vergangene Woche die letzten Franziskanerpadres in der Kirche St. Anna nach 386 Jahren in Reutte aus ihrer Wirkungsstätte.

Die vertrauten Männer in ihren braunen Kutten, die das kirchliche Leben in Reutte entscheidend mit geprägt haben, verschwinden somit aus dem Ortsbild. Entscheidend für den Wegzug der Franziskaner aus Reutte ist ein eklatanter Personalmangel – innerhalb der letzten vier Jahrzehnte halbierte sich die Zahl der Ordensangehörigen in Österreich. 

Mit einer bewegenden Abschiedsrede gab die Obfrau des Pfarrgemeinderats Reutte, Astrid Lutz, die Stimmung in der Kirchengemeinde Reutte wieder: „Ich bitte euch“, appellierte sie, „betet in eurem täglichen Gebet auch für uns und für eine gute Zukunft des vorerst verlassenen Franziskanerklosters hier im Herzen von Reutte. Gottes Segen sei mit euch! Wir werden euch sehr vermissen“. 

Provinzial Pater Oliver Ruggenthaler hatte am 8. Oktober 2013 im Rahmen seines Besuchs im Kloster Reutte den Beschluss zur Auflösung dem versammelten Pfarrkirchen- und Pfarrgemeinderat von St. Anna mitgeteilt. Die Betroffenheit damals war groß, da Kloster und Pfarre St. Anna vielen von Kindheit an ein Stück Heimat geworden war. „Wir hatten auf ein Wunder gehofft, lange diskutiert und in schlaflosen Nächten nach Lösungen gesucht“, so Ruggenthaler in seiner Predigt. 

Er fügte hinzu: „Die dynamische und lebendige Kirchengemeinde in Reutte zu verlassen – das geht zu Herzen“. Bischofsvikar Hermann Steidl bedauerte die schmerzliche Entscheidung das Kloster Reutte aufzulösen – eine Entscheidung, „die allen weh tut“. Das Jahrhunderte lange Vertrauen der Bevölkerung zu „ihren“ Franziskaner sei in ihr fest verwurzelt gewesen. 

"Tiefe Betroffenheit" 

„In der Gemeinde herrscht immer noch tiefe Betroffenheit – schade dass unsere Bemühungen nicht funktioniert haben“, betonte Reuttes Bürgermeister Luis Oberer. Die Zukunft werde nicht leicht zu bewältigen sein und die kommenden Monate erfordern von den Gläubigen Mut und Flexibilität. Bewegende Worte fand auch Dekan Franz Neuner, der die menschennahe Seelsorge durch die Franziskaner in und um Reutte hervorhob. Und er fasste die Stimmung in der betroffenen Kirchengemeinde in einem Satz zusammen: „Es ist ein schmerzvoller Abschied“, sagte Neuner.

ed

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