Sanierung mit Augenmaß

Bezahlbarer Wohnraum: Stadtrat begrüßt Modernisierungskonzept für ihre Immobilien

Haus in Füssen
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In einem insgesamt guten Zustand befindet sich das städtische Gebäude in der Weidachstraße. Die Architekten empfehlen der Stadt allerdings, das gesamte Dach zu sanieren.
  • Katharina Knoll
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Füssen – Die Stadt Füssen will an ihrem Wohnungsbestand festhalten, um dort bezahlbaren Wohnraum vor allem für Füssener zu schaffen. Basierend auf den Untersuchungen der Architektengemeinschaft Beck & Harbich soll jetzt ein Konzept erstellt werden, wie die Wohnungen in der Oblisbergstraße 10, 12, 14 und 16 sowie in der Weidachstraße 2 saniert und dort gleichzeitig zusätzlicher Wohnraum geschaffen werden kann. Dafür hat sich am Dienstag einstimmig der Stadtrat ausgesprochen. 

Wer in Füssen eine Wohnung sucht, tut sich oft schwer. Nicht nur Bürger haben diese Erfahrung gemacht, auch für Unternehmen ist es nicht einfach, für ihre Beschäftigten und Mitarbeiter ein Dach über den Kopf zu finden. Entsprechende Anfragen sind bei der Stadtverwaltung an der Tagesordnung, wie diese erklärt. Zwar wird in der Lechstadt rege gebaut, doch für die überwiegende Mehrheit der Wohnungssuchenden sei dieses Angebot nicht bezahlbar, so die Stadtverwaltung. Deshalb sei es wichtig, verstärkt bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Und hier sieht die Verwaltung die öffentliche Hand, insbesondere die Stadt, in der Pflicht.

Doch in welchem Zustand sind eigentlich die städtischen Immobilien bzw. ihre 70 Wohnungen? Das hat die Architektengemeinschaft Harbich und Beck auf Beschluss des Stadtrats untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass der Sanierungsbedarf enorm ist. Will man die Wohnungen entsprechend der heutigen Standards sanieren, wird das die Stadt rund zehn Millionen Euro in den kommenden Jahren kosten. In einem insgesamt guten Zustand befinden sich aber die Gebäude in der Weidachstraße 2 und in der Oblisbergstraße 10 bis 16, wie die Untersuchungen der Architektengemeinschaft ergaben. In der Weidachstraße 2 sollte allerdings das gesamte Dach saniert werden.

Zudem hat sich an einigen Fenstern Schimmel gebildet und an der untersten sowie obersten Decke fehlt die Dämmung. Aufgrund der großzügigen Zimmerzuschnitte im Erdgeschoss sei hier ein barrierefreier Umbau möglich. Eine barrierefreie Erschließung sei aber nur über den Garten wirtschaftlich rentabel. Um zusätzlichen Wohnraum zu schaffen, könnte die Stadt laut den Architekten den Dachboden ausbauen oder anbauen. Sollen diese Wohnungen barrierefrei werden, könnte ein neuer Aufzug eingebaut werden. Zu untersuchen sei dann aber noch, ob die Vorgaben des Brandschutzes eingehalten werden.

Das gilt auch für den Massivbau in der Oblisbergstraße. „Die Stadt besitzt hier eine gute Immobilie“, lautet das Fazit der Architekten. Das Gebäude eigne sich für eine Sanierung im höheren Qualitätssegment, daher sollte eine Dämmung der untersten und obersten Decke angestrebt werden. Zudem empfahlen die Architekten die Elektrik und Haustechnik mit Zentralheizung komplett zu sanieren. Da die Zimmer, vor allem die Bäder, klein sind, müssten für einen barrierefreien Umbau allerdings die Grundrisse geändert werden. Eine entsprechende Erschließung sei ebenfalls nur über den Garten wirtschaftlich sinnvoll. Auch auf diesem Grundstück könnte die Stadt durch Anbauten zusätzlichen Wohnraum schaffen.

Ob die Stadt das auch tatsächlich tun wird bzw. ob sie angesichts hoher Sanierungskosten überhaupt an diesen Immobilien festhalten will, darüber sollten am Dienstag die Stadträte entscheiden. Doch zu einer Diskussion kam es nicht – das Gremium war sich einig.

„Es ist richtig, dass wir am Wohnraum festhalten“, fand Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU). Das sei eine elementare Aufgabe der Stadt. Die Bauten müssten aber so saniert werden, dass die Nebenkosten für die Mieter nicht zu hoch ausfallen und die Einnahmen der Stadt trotzdem angemessen seien, so der Rathauschef.

Auch Jürgen Doser (FWF) sprach sich dafür aus, an den städtischen Immobilien festzuhalten. „Wir vernichten ja nicht das komplette Kapital“, so Doser. Durch die Sanierung werde schließlich der Wert der Immobilien gesteigert. Die Stadt müsse allerdings abwägen, wo und in welchem Umfang sie Sinn mache.

Gleicher Ansicht war Erich Nieberle (SPD). „Wir sollten eine Prioritäten-Liste aufstellen, was wir uns Jahr für Jahr leisten können.“ Beim bezahlbaren Wohnraum befinde sich die Stadt aber insgesamt „auf einem guten Weg“, fand der SPD-Stadtrat.

Das sah auch Dr. Martin Metzger (BfF) so. Mit Blick auf die hohen Sanierungskosten in der Freyberg-Villa, in der für die barrierefreie Erschließung ein Aufzug eingebaut wurde, sprach er sich allerdings dafür aus, erst einmal klein und maßvoll beim Umbau vorzugehen und auf schöne und wünschenswerte Maßnahmen, die sich die Stadt eigentlich nicht leisten könne, zu verzichten.

So gaben die Stadträte einstimmig grünes Licht, ein Konzept für eine sparsame Modernisierung und sinnvollen Ausbau bzw. Nachverdichtung der beiden Immobilien erstellen zu lassen. Das soll die Stadtverwaltung dem Gremium dann Mitte kommenden Jahres vorstellen, so Eichstetter.

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