Helfer aus dem Ostallgäu berichten über ihren Einsatz in Serbien

"Mutiger Einsatz"

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Beim ‚Live-Bericht auf der Bühne im „Haus Hopfensee (von rechts): Ramona Nadon mit dem Helferteam Philipp Worthmann-Jütgen, Michelle Schober, Tabea Bodmer, David Fronius, Martin Sappl und Oswald Biber.

Hopfen am See – Für die Migranten, die an der serbischen und kroatischen Grenze warten, haben Füssener einen Hilfsgütertransport organisiert.

Mitglieder der Christlichen Glaubensgemeinde sind mitgefahren. Sie berichteten den 50 Zuhörern im Haus Hopfensee über ihre Erfahrungen in den improvisierten Lagern, wo die wärmende Kleidung aus dem Ostallgäu von ihnen verteilt wurde. 

Die Füssener Helfer bei der Verteilung von Hilfsgütern.

Ausführlich und bewegend schilderte Fahrer Martin Sappl aus Marktoberdorf, wie er den 36-Tonner mit 20.000 Kleidungsstücken ins 1000 Kilometer entfernte Ziel brachte. „Gut unterstützt“ von David Fronius auf dem Beifahrersitz. „Die Spedition Röhlich war uns eine große Hilfe“, betonte Trucker Sappl im Gespräch mit dem Kreisbote. 

Gleichzeitig mit dem Lkw machte sich eine Gruppe im VW-Bus auf den Weg gen Osten. Das erste Ziel der Helfer aus dem Ostallgäu war ein Lager in Belgrad. Danach ging es nach Subotica, einer Stadt an der Grenze zu Ungarn, wie die Gruppe um Ramona Nadon, Ehefrau des Füssener Pastors Jean-Christof Nadon, berichtete. Außerdem schilderten Tabea Bodmer und Michelle Schober, Praktikantinnen in der Christlichen Glaubensgemeinde, ihre Eindrücke, ergänzt durch Clips und projizierte Fotos, die den Alltag in dem Lager an der Grenze zeigten.

 Ein Beispiel für die akute Gefährdung: Die Migranten verbrennen alles, was sie finden und kochen Wasser in Plastikflaschen. „Sie wissen zwar, dass dieses der extremen Not geschuldete Verhalten ihre Gesundheit gefährden kann, aber es bleibt nur diese eine Möglichkeiten, warme Getränke zu erhalten“, so die Pastorengattin. Von Ramona Nadon war die Initiative für die Hilfsaktion auch ausgegangen.

 „Vor Ort stellte sich die Situation als sehr hoffnungslos dar. Es ist unglaublich, was Menschen durchmachen müssen. Viele sind dort schon seit fünf bis sieben Monaten. Es gibt nur eine Wasser-Rinne, keine Elektrizität und nichts zu essen. Dass Einzige, was diese Menschen auf der Flucht antreibt, ist die Hoffnung, es eines Tages nach Europa zu schaffen“, sagte sie sichtlich bewegt. „Dass wir es in sieben Tagen auf die Beine gestellt hatten, war dem vorbildlichen Einsatz vieler Menschen zu danken“, so Nadon weiter. 

Dem Lob für solches menschliche Verhalten schloss sich Jugendpastor Philipp Worthmann-Jütgen an.

Politischer Gastbeitrag

 Pastor Jean-Christof Nadon rief am Ende der Veranstaltung – Uli Pickl hatte den Saal kostenlos zur Verfügung gestellt – zu einer Spendenaktion für fahrbare Duschen auf. Einen politischen Gastbeitrag hielt Peter F. Biber. Der Österreicher aus Hoefen ist mit der Leitung der „International Teams Austria“ betraut, deren Mitglieder auf die Frage „welches Europa wir denn unseren Kindern vererben wollen“ versuchen, Antworten zu geben. 

"Mutiger Einsatz"

In seiner Ansprache lobte Peter F. Biber den „mutigen Einsatz“ der Füssener Gruppe und „die große Bereitschaft der Bürgerinnen und Bürger, den Flüchtlingen mit Kleiderspenden zu helfen“. In seinem Vortrag kritisierte er außerdem die Tendenz, dass der deutsche Staat nicht mehr dem Lebensschutz, sondern einer Abschottung höchste Priorität einräume.

„Wir brauchen keine höheren Zäune, sondern größere Tische“, zitierte Biber einen Satz aus dem Helferkreis, dem er zustimme. Als einen der Gründe für die Auswanderung der Migranten aus ihren Heimatländern bezeichnete er europäische Waffenexporte.

cf

Wer helfen will: Projekt Mobile Dusche: Spendenkonto bei der Füssener Volksbank: DE 56 734 600 46 0000 120 111, Bic : GENODEF1KFB Kennwort „mobile Duschen“

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